Würzburger Kickers: Bricht alles zusammen?

Rückzug von Hauptsponsor Thorsten Fischer nicht ausgeschlossen

Bernd Hollerbach

Probleme an vielen Fronten: Bernd Hollerbach © Imago

Nach nur zwei Punkten aus den ersten acht Spielen der Rückrunde schmilzt das zu Jahresbeginn noch sehr komfortable Polster der Würzburger Kickers auf die Abstiegszone. Aktuell sind es zwar noch sechs Punkte bis Rang 16, doch schon heute könnten es bei einem Erfolg von Erzgebirge Aue beim VfL Bochum nur noch vier Zähler bis zum Relegationsplatz sein.

„Kein Bewusstsein für Profifußball“

Der sportliche Abwwärtrend ist indes nicht der einzige Grund, der in Würzburg Anlass zur Sorge gibt. So sorgt aktuell ein Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Daniel Sauer auf der vereinseigenen Webseite für Aufsehen. Sauer betonte darin sein volles Vertrauen in Trainer Bernd Hollerbach und die Mannschaft, beklagte aber mit klaren Worten fehlende Unterstützung für den Verein: „Hier in der Region gibt es noch kein wirkliches Bewusstsein dafür, was es heißt, Profifußball zu spielen und ihn zu etablieren. Wir alleine als kleiner Verein können das nur bedingt schaffen, strecken uns schon längst bis zur Decke.“

Ich ziehe meinen Hut vor Thorsten Fischer. (Daniel Sauer)

Gleichzeitig deutete Sauer an, dass Hauptsponsor und Aufsichtsratschef Thorsten Fischer („Flyeralarm“) wegen der mangelnden Unterstützung durch die Region und auch die Politik aussteigen könnte: „Ich ziehe meinen Hut vor Thorsten Fischer, der trotz aller Widrigkeiten weiterhin vorangeht und intensiv nach Lösungen für uns sucht. Ich weiß aber nicht, wie lange er dazu überhaupt noch Lust hat. Keiner könnte ihm böse sein, würde er sagen: Ich habe alles versucht, aber zu wenige wollten den Weg mit uns gehen, das war’s dann!“

Sauer will weiterkämpfen

Ohne Fischer, soviel scheint klar, würde der Würzburger Weg wieder nach unten führen. Sauers Aussagen sind angesichts dieser Vorzeichen auch als Appell an die Politik zu sehen.

Zwar lobt Sauer ausdrücklich das Bemühen von Oberbürgermeister Christian Schuchardt und seinem Team, sieht aber darüber hinaus noch reichlich Optimierungsbedarf: „In der Gesamtheit der politischen Entscheidungsträger der Region aber hat dieser Mehrwert schlicht keinen Stellenwert. Steuern, Arbeitsplätze, Marketing, Tourismus – all das und noch viel mehr liefert der Profifußball für Stadt und Region. An allen anderen 55 Standorten hat man das erkannt, nur in Würzburg weiß und macht man es offenbar besser als in anderen 55 Kommunen, in denen der Profifußball mit Leidenschaft und pragmatischen Lösungsansätzen bei politischen Entscheidungen unterstützt wird.“

Wir müssen und werden weiter kämpfen. (Daniel Sauer)

Letztlich hofft Sauer darauf, dass die Kickers schon bald mehr Hilfe erhalten und ist im Moment noch weit davon entfernt, aufzugeben: „Den Weg weiter ganz alleine durch all die Unwägbarkeiten zu gehen, macht keinen Sinn. Wir müssen unsere Chance erkennen und sie ergreifen – dazu aber braucht es Unterstützung. Unterstützung, die woanders eine Selbstverständlichkeit ist. Dafür müssen und werden wir weiter kämpfen.“

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