1. FC Heidenheim: Der Nachwuchs im Wartestand

Eigengewächse kommen kaum zum Zug

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Mittwoch, 29.04.20 | 08:04
Kevin Sessa

Feierte bereits mit 17 Jahren sein Zweitliga-Debüt: Kevin Sessa (l.). © imago images / Agentur 54 Grad

Gleich fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs finden sich im aktuellen Profi-Kader des 1. FC Heidenheim. Eine durchaus respektable Quote, die für die hohe Durchlässigkeit spricht. Doch bei genauerem Hinsehen relativiert sich diese Statistik doch sehr. Denn kein einziges Eigengewächs kam an den ersten 25 Spieltagen der 2. Bundesliga zum Einsatz.

Kevin Sessa durfte immerhin in der ersten Runde des DFB-Pokals beim SSV Ulm (2:0) eine knappe Stunde lang ran und stand 14-mal im Zweitliga-Aufgebot, doch auf seinen fünften Einsatz im deutschen Fußball-Unterhaus wartet der Mittelfeldmann weiterhin. Dabei feierte der auch heute erst 19-Jährige bereits im März 2018 sein Debüt und galt als großes Versprechen für die Zukunft, das bislang allerdings noch auf den Durchbruch wartet.

Ein Trio noch ohne Zweitliga-Einsatz

Das gilt auch für Linksverteidiger Jonas Brändle, der auf seiner Position mit Norman Theuerkauf, Arne Feick und Jonas Föhrenbach allerdings auch große Konkurrenz hat. Der 19-Jährige kam im März 2019 zu einem kurzen Debüt in Liga zwei, wurde von Trainer Frank Schmidt in der laufenden Spielzeit aber noch nicht in den Spieltagskader berufen. Letzteres gilt auch für den 19-jährigen Kevin Ibrahim, eines von gleich zwei Torwarttalenten aus den eigenen Reihen. Der ein Jahr jüngere Diant Ramaj durfte immerhin einmal als Ersatzkeeper auf der Bank Platz nehmen, als die Nummer eins Kevin Müller fehlte.

Der 20-jährige Angreifer Andrew Owusu schaffte es auch nur einmal auf die Reservebank und wartet weiterhin auf seine Zweitliga-Premiere. Wie beide Nachwuchskeeper besitzt auch Owusu nur noch einen Vertrag bis Saisonende, sodass eine Zukunft beim FCH fraglich ist. Sessa und Brändle sind noch ein weiteres Jahr gebunden, dürften aber ebenfalls ihre Perspektiven überdenken.

Fehlende Spielpraxis als Problem

Weil für alle Talente gilt, dass Spielpraxis für die individuelle Weiterentwicklung unerlässlich ist, der FCH aber keine Einsatzgarantie abgeben kann und seit 2014 keine zweite Mannschaft mehr gemeldet ist, dürfte ein zumindest vorübergehender Abschied vom Schlossberg diskutiert werden.

Aus der U19, die in der A-Junioren-Bundesliga einen soliden siebten Platz belegt, wird derweil mutmaßlich der eine oder andere Youngster aufrücken. Sicherlich verbunden mit der Hoffnung, dass es nach dem im vergangenen Sommer zu Darmstadt 98 gewechselten Tim Skarke wieder einem Heidenheimer Eigengewächs gelingt, sich im Profi-Bereich zu etablieren. Letzteres ist zuletzt auch andernorts nur bedingt geglückt.

Mit Dave Gnaase ist ein anderer Heidenheimer Nachwuchsspieler inzwischen bei den Würzburger Kickers immerhin zu einem gestandenen Drittliga-Profi gereift. Tobias Reithmeir, der vergangene Saison noch als potentieller Skarke-Nachfolger galt, ist mittlerweile nach einem Intermezzo bei Austria Lustenau in der Regionalliga bei Bayern Alzenau gelandet. Auch Ibrahim Hajtic ist viertklassig aktiv, bei Energie Cottbus. Ebenso der zum SSV Ulm verliehene Gökalp Kilic, der nach jetzigem Stand im Sommer zurückkehren soll, allerdings bislang nur auf zwei Regionalliga-Einsätze zurückblicken kann.