1. FC Heidenheim: Teamcheck 2018/19

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:19
Marc Schnatterer jubelt

Leistungsträger: Marc Schnatterer geht beim FCH weiterhin voran. ©Imago/foto2press

Vergangene Saison musste der 1. FC Heidenheim bis zum letzten Spieltag zittern, ehe der Klassenerhalt perfekt war. Zuvor hatte der sechste Platz in der Spielzeit 2016/17 für eine höhere Erwartungshaltung im Umfeld gesorgt, der die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt letztlich aber nicht gerecht werden konnte.

Immerhin aber wurde der Super-GAU 3. Liga vermieden und in der neuen Saison soll der Abstiegskampf möglichst gar kein Thema werden. Ob das realistisch ist oder doch wieder Bangen angesagt ist, schätzen wir im Teamcheck von Liga-Zwei.de ein.

Kader & Transfers

Stürmer John Verhoek (MSV Duisburg) hätte der 1. FC Heidenheim gerne gehalten, hinterlassen die zehn Saisontore des Niederländers doch eine Lücke. Bemerkenswert war derweil die Entscheidung, die auslaufenden Verträge der langjährigen Stützen Kevin Kraus (1. FC Kaiserslautern) und Marcel Titsch-Rivero (noch ohne neuen Verein) nicht zu verlängern.

Ronny Philp (1. FC Schweinfurt 05), Dominik Widemann (SpVgg Unterhaching), Ibrahim Hajtic und Dave Gnaase (Würzburger Kickers) spielten unterdessen kaum eine Rolle.

Neu hinzugekommen sind neben den Eigengewächsen Kevin Sessa, Gökalp Kilic und Tobias Reithmeir lediglich vier externe Neuzugänge: Patrick Mainka (Borussia Dortmund II) für die Innenverteidigung, Niklas Dorsch (FC Bayern München II) und Robert Andrich (SV Wehen Wiesbaden) für das zentrale Mittelfeld sowie Patrick Schmidt (1. FC Saarbrücken) für den Sturm.

Da Eckpfeiler wie Torwart Kevin Müller, Defensiv-Allrounder Mathias Wittek, Kapitän Marc Schnatterer und der nach einer starken Rückrunde vor allem von Rapid Wien umworbene Nikola Dovedan geblieben sind, kann der FCH mit einer weitgehend eingespielten Mannschaft ins fünfte Zweitliga-Jahr der Vereinsgeschichte starten.

Die aktuelle Form

Nach einem lockeren 16:1 bei den Sportfreunden Fleinheim trat der FCH gleich im zweiten Test gegen den österreichischen Bundesligisten SCR Altach an und kam zu einem respektablen 1:1. Beim TV Neuler (7:0), beim FSV Reimlingen (18:0) und beim SV Nersingen (21:0) folgten drei weitere Kantersiege, ehe es ins Trainingslager im österreichischen Aigen im Mühlkreis ging.

In zweimal 60 Minuten wurde zunächst der Linzer ASK klar mit 4:0 besiegt und auch gegen den österreichischen Viertligisten SV Wallern (2:0) gelang ein Zu-Null-Erfolg. Vor der Heimreise trennte sich der FCH schließlich noch vom russischen Erstligisten Krylja Sowetow Samara mit einem torlosen Remis.

Die Generalprobe steigt am Samstag mit der sechsten Auflage des Max Liebhaber-Pokals. Dabei gastiert der italienische Erstliga-Absteiger Hellas Verona in der Voith-Arena.

Stärken & Schwächen

56 Gegentore ließ der 1. FC Heidenheim in der vergangenen Saison zu und damit gemeinsam mit dem MSV Duisburg die meisten. Dass die Gegner in den den bisherigen acht Testspielen nur zweimal jubeln durften, ist zwar nun noch kein Grund zur Euphorie, doch die defensiven Abläufe scheinen im Vergleich zur Vorsaison verbessert.

Luft nach oben hat der FCH auch auf fremdem Platz. Nur zwei Auswärtssiege standen 2017/18 zu Buche und lediglich zwölf Zähler bedeuteten in der Auswärtstabelle den vorletzten Platz. Dagegen soll die Voith-Arena, wo 30 von 51 möglichen Punkten geholt werden, weiterhin ein Trumpf sein. Dennoch könnte die Zahl der Heimniederlagen (fünf) noch reduziert werden.

Offensiv verfügt Heidenheim natürlich mit Routinier Schnatterer, aber auch mit Dovedan und Maximilian Thiel gleich über mehrere Akteure, die aus der zweiten Reihe und über Standards gefährlich sind. Finden muss sich aber nach dem Abgang von Verhoek ein verlässlicher Torjäger. Neuzugang Schmidt, Robert Glatzel und Denis Thomalla müssen einen entsprechenden Nachweis erst noch erbringen.

Frank Schmidt an der Seitenlinie

Bereits über 10 Jahre in Heidenheim: Coach Frank Schmidt. ©Imago/Sportfoto Rudel

Der Trainer

Seit September 2007 ist Frank Schmidt schon im Amt und damit der dienstälteste Trainer im deutschen Profifußball. Daraus und aus den großen Erfolgen der letzten Jahre ergibt sich natürlich ein besonderes Standing. Nichtsdestotrotz wurde während der vergangenen Saison, als es phasenweise merklich kriselte, auch Kritik an Schmidt laut, der aber auf die Rückendeckung des Vereins bauen konnte und auch künftig kann.

Der 44 Jahre alte Fußball-Lehrer, der mit Bernhard Raab und Dieter Jarosch zwei neue Co-Trainer an seiner Seite hat, wird weiterhin großen Wert auf Disziplin legen. Zugleich gilt Schmidt aber auch als Trainer, der für seine Spieler stets ein offenes Ohr hat und auch deshalb teamintern sehr geschätzt wird.

Die mögliche Startelf

Auch wenn Dreier- bzw. Fünfer-Abwehrreihen schwer in Mode sind, bleibt man in Heidenheim bei der bewährten Viererkette, vor der unterschiedliche Grundordnungen möglich sind. Am häufigsten zu erwarten sind ein 4-4-2 und ein 4-2-3-1, wobei die Unterschiede eher gering sind und beide Formationen fließend ineinander übergehen können. Nikola Dovedan und Kolja Pusch sind die Kandidaten für die Rolle zwischen Zehner und zweiter Spitze.

Auf einigen Positionen fallen die Entscheidungen zwischen zwei Spielern eng aus. Und wenn die zum Saisonstart verletzungsbedingt noch nicht fitten Timo Beermann und Robert Andrich auch wieder mitmischen, wird das Rennen um die Plätze noch enger.

Die voraussichtliche Startelf: Müller – Busch, Wittek, Theuerkauf, Feick – Griesbeck, Dorsch – Thiel, Dovedan, Schnatterer – Glatzel

Fazit & Prognose

Den Fehler, die vergangene Saison als Ausrutscher zu bezeichnen, macht man in Heidenheim nicht. Stattdessen ist man sich bewusst, dass in einer engen Liga auch diesmal Probleme drohen könnten, wenn nicht optimal gearbeitet wird. Letzteres ist aber natürlich das Ziel, das aufgrund der klaren Führung auch erreicht werden kann. Dann sollte die Saison zumindest weitgehend sorgenfrei verlaufen.

Das meint der Experte

Liga-Zwei.de Kolumnist Nico Patschinski: „Wenn Schnatterer von Beginn an nicht zündet, wird es wieder eng. Auch wenn Frank Schmidt dort einen Klasse-Job macht, ist Heidenheim für mich in dieser Saison ein Abstiegskandidat.“

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