1. FC Köln: Teamcheck 2018/19

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:19
Jhon Cordoba und Rafael Czichos jubeln

Angekommen: Neuzugang Czichos (r.) wirkt bereits gut integriert. ©Imago/Herbert Bucco

Im Sommer 2017 herrschte rund um den 1. FC Köln eine riesige Euphorie, war den Geißböcken doch nach 25-jähriger Abwesenheit die Rückkehr in den Europas geglückt. Dem größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte schloss sich allerdings eine Katastrophensaison an, die in den sechsten Abstieg mündete.

Nun startet der FC gemeinsam mit dem Hamburger SV als Top-Favorit auf den Aufstieg, muss aber erst noch zeigen, mit dieser Bürde umgehen zu können. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de analysieren wir, ob die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Spielzeit gegeben sind.

Kader & Transfers

Zehn Spieler haben den 1. FC Köln nach dem Abstieg verlassen, darunter mit Leonardo Bittencourt (TSG 1899 Hoffenheim), Dominique Heintz (SC Freiburg) und Yuya Osako (Werder Bremen) drei Spieler, die im Jahr zuvor großen Anteil an Platz fünf hatten und nicht zufällig in der Bundesliga geblieben sind. Letzteres gilt auch für Lukas Klünter (Hertha BSC), der indes in der Rückrunde keine Rolle mehr spielte.

Der zu wenig konstante Milos Jojic (Basaksehir), das nie zum Zug gekommene Talent Joao Queiros (Sporting Lissabon, verliehen) und der schon seit geraumer Zeit ausgemusterte Pawel Olkowski (Bolton Wanderers) versuchen ihr Glück nun im Ausland, Torhüter Sven Müller (Karlsruher SC) in der 3. Liga. Noch ohne neuen Verein sind die Routiniers Claudio Pizarro und Dominic Maroh.

Im Gegenzug sind sieben neue Spieler gekommen, die allesamt deutschsprachig sind. Rafael Czichos (Holstein Kiel) und Lasse Sobiech (FC St. Pauli) sollen die Innenverteidigung verstärken, während Matthias Bader (Karlsruher SC) und Benno Schmitz (RB Leipzig) um den Platz auf der rechten Abwehrseite kämpfen. Zum Auftakt drohen aber beide Rechtsverteidiger auszufallen.

Der über den Umweg FC Midtjylland auch von Holstein Kiel gekommene Dominick Drexler, Louis Schaub (Rapid Wien) und Niklas Hauptmann (Dynamo Dresden) sollen das im letzten Jahr häufig brach liegende, kreative Element im Mittelfeld stärken. Dafür, dass die spielerische Qualität erhöht wird, sind die Transfers von Drexler, Schaub und Hauptmann wichtige Faktoren.

Wohl noch wichtiger als die Neuzugänge war freilich der Verbleib von Eckpfeilern wie Timo Horn und Jonas Hector, der zum neuen Kapitän gewählt wurde. Auch Marco Höger und Marcel Risse können mit ihrer Erfahrung wichtige Rollen spielen. Höger allerdings fehlt in den ersten Wochen nach einer im ersten Testspiel erlittenen Schulterverletzung und Risse muss erst noch die Form aus der Zeit vor seinem Kreuzbandriss im Herbst 2016 wiederfinden.

Die aktuelle Form

Nach einem 5:2-Sieg im ersten Testspiel, das zum Abschluss des ersten Trainingslagers in Bad Gögging beim VfB Eichstätt ausgetragen wurde, hat der 1. FC Köln bei zwei Regionalligisten schwache Vorstellungen abgeliefert. Einem 0:1 beim Bonner SC folgte ein kaum weniger enttäuschendes 2:2 beim Wuppertaler SV.

Während des zweiten Trainingslagers in Kitzbühel lief es dann aber besser. Nach einem 2:0-Sieg beim österreichischen Zweitligisten WSG Wattens gelang gegen den FC Watford ein 1:1 und der SV Werder Bremen wurde sogar mit 1:0 besiegt.

Im letzten Testspiel setzte sich die positive Entwicklung fort. Gegen den 1. FSV Mainz 05 gelang ein verdienter 5:3-Sieg, bei dem vor allem die neuformierte Offensive zu überzeugen wusste.

Stärken & Schwächen

Für den am Ende völlig verdienten sechsten Abstieg der Vereinsgeschichte war eine Mischung aus verschiedenen Faktoren verantwortlich. Entscheidend war sicherlich eine unausgewogen zusammengestellte Mannschaft, die durch ein enormes Verletzungspech zudem gehandicapt wurde. Die defensive Stabilität, die jahrelang ein Erfolgsgarant war, ging nahezu völlig verloren, wie sich anhand von 70 Gegentoren unschwer ablesen lässt.

Zugleich fehlte offensiv nach dem Abgang von Anthony Modeste die nötige Durchschlagskraft, die erst mit dem Wintertransfer von Simon Terodde etwas erhöht wurde. Allerdings konnte dieser Transfer den Mangel an Kreativität aus dem Mittelfeld nicht beheben und gerade die offensiven Außenbahnen waren nicht ausreichend besetzt.

In der 2. Bundesliga verfügt der 1. FC Köln nun aber sicherlich über eine überdurchschnittliche Klasse in der ersten Elf und auch über eine Kaderbreite wie kaum ein anderer Verein. Einige Spieler wie Christian Clemens, Salih Özcan oder Jhon Cordoba scheinen im Vergleich zur Vorsaison aufzublühen und gerade im zentralen Mittelfeld wurde die Qualität mit Schaub und Drexler deutlich erhöht.

Dennoch muss sich erst zeigen, ob der FC damit zurecht kommt, in praktisch jedes Spiel als Favorit zu gehen und überwiegend auf defensiv eingestellte Gegner zu treffen.

Markus Anfang am Ball.

Gebürtiger Kölner: Markus Anfang genießt das Vertrauen des Vereins. ©Imago/Herbert Bucco

Der Trainer

Nach dem Aufstieg führte Markus Anfang Holstein Kiel überraschend auf den dritten Platz und darf trotz der verlorenen Relegation auf eine höchst erfolgreiche Zeit im hohen Norden zurückblicken. Nun freilich wartet auf den 44-Jährigen eine Herausforderung anderen Kalibers, wobei es sicher kein Nachteil ist, dass Anfang als gebürtiger Kölner das Umfeld und die Medienlandschaft kennt.

Weil der einstige Mittelfeldspieler der absolute Wunschtrainer war, genießt Anfang die volle Rückendeckung. Auch, wenn es zunächst nicht vollends rund laufen sollte, dürfte Geschäftsführer Armin Veh Geduld einfordern und Mannschaft wie Trainer das Vertrauen schenken. Klar ist aber natürlich auch, dass am Ziel Wiederaufstieg kein Weg vorbei führt.

Gespannt darf man sein, ob Anfang seine in Kiel blendend funktionierenden Vorstellungen, die in Köln mit dem fest einstudierten 4-1-4-1 weitgehend die gleichen sind, auf eine andere Mannschaft übertragen kann. Dass mit Czichos und Drexler zwei Eckpfeiler aus Kiel mit nach Köln gekommen sind, ist in dieser Hinsicht sicher kein Nachteil.

Die mögliche Startelf

Mit den beiden Rechtsverteidigern Bader und Schmitz sowie mit Sechser Höger fehlen zum Auftakt drei Akteure, die sich Hoffnungen auf die Startelf machen durften. Während hinten rechts Risse einspringen dürfte, hat Youngster Salih Özcan seine Chance als Bindeglied zwischen den beiden Viererketten genutzt.

Sobiech in der Innenverteidigung, Hauptmann und Koziello im Mittelfeld, Zoller auf dem Flügel und Terodde im Angriff sind allesamt nicht weit weg von der ersten Elf, haben zum Start aber wohl gegenüber der Konkurrenz das Nachsehen. Dass Akteure wie Matthias Lehmann oder Jannes Horn auch nur die Bank drücken, unterstreicht die Breite des Kaders.

Die voraussichtliche Startelf: Horn – Risse, Meré, Czichos, Hector – Özcan – Clemens, Schaub, Drexler, Guirassy – Cordoba

Fazit & Prognose

Mit Blick auf den Kader zählt für den 1. FC Köln nur der direkte Wiederaufstieg. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die letzten Testspiele gezeigt, dass das System von Trainer Anfang auch bei den Geißböcken funktionieren kann. Erweist sich diese Einschätzung nicht doch noch als Trugschluss, stehen die Chancen auf die ersten beiden Plätze gut.

Das meint der Experte

Liga-Zwei.de Kolumnist Nico Patschinski: „Mit dem HSV der zweite große Aufstiegsfavorit. Der Kader konnte weitestgehend zusammengehalten werden, was nach einem Abstieg sehr wichtig ist. Es würde mich wundern, wenn sie es nicht unter die ersten drei schaffen.“

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