1. Runde im DFB-Pokal, Ergebnisse vom Sonntag: Fortuna-Blamage in Wiedenbrück, St. Pauli scheitert in Münster, Bielefeld und Sandhausen kegeln Bundesligisten raus

Autor: Christian Slotta Veröffentlicht: Sonntag, 04.08.13 | 23:08

Waren die ersten beiden Spieltage der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals für die favorisierten höherklassigen Teams noch glimpflich verlaufen, so hatte es der Sonntag in sich. Was die Zweitligisten betrifft, so war die sensationelle wie dramatische 0:1-Niederlage von Fortuna Düsseldorf beim Oberligisten SC Wiedenbrück 2000 sicherlich die größte Überraschung. Auch der FC St. Pauli musste sich beim Preußen Münster mit 0:1 überraschend geschlagen geben. Damit, dass Arminia Bielefeld Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig mit 2:1 aus dem Wettbewerb kegeln würde, war aber auch nicht unbedingt zu erwarten, und der SV Sandhausen erreichte am Abend gegen den Bundesligisten 1. FC Nürnberg völlig verdient ein 1:1 nach Verlängerung und setzte sich im Elfmeterschießen mit 4:3 durch. Der FSV Frankfurt kam als Gast von Optik Rathenow mit einem blauen Auge davon und gewann 3:1 nach Verlängerung. Mühe- aber auch glanzlos absolvierte die SpVgg Fürth die Pflichtaufgabe in Pfeddersheim (2:0).

TSG Pfeddersheim – SpVgg Greuther Fürth 0:2 (0:1)

Wie erwartet war in dieser Partie von Beginn an Einbahnstraßenfußball zu sehen, doch der Oberligst wehrte sich tapfer und ließ nur vereinzelt Chancen zu, die, wenn sie denn auf´s Tor kamen, vom souverän haltenden Torwart Thorsten Müller zunichte gemacht wurden. Der Bundesliga-Absteiger blieb aber geduldig und nach einer halben Stunde klingelte es erstmals im Kasten der Rheinhessen. Zsolt Korcsmar schob nach einem indirekt ausgeführten Freistoß aus kurzer Distanz ein. Nach der Pause wurde Ognjen Mudrinskis Kopfballtreffer wegen einer Abseitsstellung von Nikola Djurdjic die Anerkennung versagt (53.), in der 65. Minute verschoss Djurdjic leichtfertig einen Foulelfmeter. In der 79. Minute hätte sich die mangelhafte Chancenverwertung der Kleeblättler fast gerächt, als TSG-Stürmer Seyfert frei vor Hesl an den Ball kam, ihn aber ncht im Tor unterbringen konnte. Als Djurdjic sechs Minuten vor schluss eine Kopfballvorlage von Mudrinski zum 2:0 verwertete, war der unter dem Strich verdiente, aber glanzlose Sieg endlich in trockenen Tüchern.

SpVgg Greuther Fürth: Hesl – Brosinski (57. Fürstner), Korcsmar, Kraus, Gießelmann – Trinks, Sparv – Drexler (82. Pledl), Stieber – Djurdjic, Mudrinski (87. Azemi)
Tore: 0:1 Korcsmar (32.), 0:2 Djurdjic (84.)
Zuschauer: 3.500

Arminia Bielefeld – Eintracht Braunschweig 2:1 (1:0)

Bereits unmittelbar nach dem Anpfiff hatte Arminen-Stürmer Fabian Klos die erste Chance für die Arminen, scheiterte aber aber etwas überhastet an Torhüter Petkovic. Überraschenderweise waren die Spielanteile in der Anfangsphase ausgeglichen, die Gastgeber gingen mutig und zielstrebig zu Werke und erspielten sich in der ersten Halbzeit ein Chancenplus. Den Löwen war eine gewisse Verunsicherung nach den schlechten Ergebnissen in der Vorbereitung anzumerken, es lief im Spiel nach vorne nicht viel zusammen. Insbesondere nach Standards ergaben sich Chancen für den DSC und nach einer solchen fiel auch der Führungstreffer: Sebastian Hille konnte in der 36. Minute einen Lorenz-Freistoß von der linken Seite unbedrängt aus zwölf Metern einköpfen. Die Pausenführung war hochverdient, tat die Eintracht auch nach dem Rückstand einfach zu wenig. Nach der Pause das gleiche Bild, die Gäste hatten mehr Ballbesitz, wussten damit aber wenig anzufangen. Deh unverhofften Ausgleich des Neu-Bundesligist in der 66. Minute durch einen direkt verwandelten Freistoß durch Timo Perthel konterte die Arminia nur wenige Minuten später: Patrick Schönfeld war in den gegnerischen Strafraum eingedrungen, Eintracht-Verteidiger Ermin Bicakcic stoppte den Ball unfreiwillig mit der Hand und den fälligen Elfer verwandelte Tim Jerat sicher. In der spannenden Schlussphase hätte die Arminia durchaus vorzeitig alles klar machen können, musste aber noch bis zum Schlusspfiff um den hochverdienten Sieg zittern.

Arminia Bielefeld: Ortega – Appiah, Hübener, Hornig, Lorenz – Schütz, Riese – Hille (72. Petersch), Jerat (84. Sembolo), Schönfeld (90.+3 Burmeister) – Klos
Tore: 1:0 Hille (36.), 1:1 Perthel (66.), 2:1 Jerat (72., Handelfmeter)
Zuschauer: 19.091

SC Wiedenbrück 2000 – Fortuna Düsseldorf 1:0 (0:0)

Beim sonntäglichen Favoritensterben erwischte es auch Fortuna Düsseldorf. Der Zweitligist versäumte es, in der ersten Halbzeit vorzulegen. Zwar hielt der couragierte Regionalligist schon vor der Pause überraschend gut mit, die Düsseldorfer verzeichneten aber in den ersten 45 Minuten ein deutliches Chancenplus. Nach dem Seitenwechsel drückte die Fortuna zunächst noch einmal auf die Führung, es haperte aber weiter an der Chancenverwertung. Nach zehn Minuten drehte dann der Regionalligist auf und generierte eine ganze Reihe guter Torchancen. In den letzten zwanzig Minuten ließen die Kräfte auf beiden Seiten nach und die Partie verflachte. In den Schlussminuten, als sich fast alle im Stadion bereits auf eine Verlängerung eingerichtet hatten, wurde es dann noch einmal turbulent. Marwin Studtrucker konnte sich langen Ball der Düsseldorfer angeln und lief auf Fortuna-Torsteher Fabian Giefer zu. Der nachsetzende Tobias Levels holte den SC-Stürmer von den Beinen. Schiedsrichter Arno Glos entschied auf Notbremse und Rot für Levels sowie Elfmeter für die Gastgeber, den der Gefoulte selbst verwandelte. Der Sieg für den Underdog war nicht unverdient, die Fortuna hatte es verpasst, die sich bietenden Chancen zu verwandeln.

Fortuna Düsseldorf: Giefer – Balogun, Levels, Bomheuer, Ramirez – Bodzek, Lambertz – Bolly (87. Omae), Bellinghausen (90.+2 Wegkamp) – Reisinger (46. Kenia), Benschop
Tore: 1:0 Studtrucker (90.+1, Foulelfmeter)
Zuschauer: 4.500

FSV Optik Rathenow – FSV Frankfurt 1:3 n.V. (1:1, 0:1)

Mit einem blauen Auge kam der FSV Frankfurt im brandenburgischen Rathenow davon. Lange Zeit hatte die Möhlmann-Elf die Partie im Griff, auch wenn die Offensive gegen die tief stehende Abwehr des FSV Optik kaum ein Mittel fand und aus den wenigen echten Torchancen lediglich der Treffer von Mathew Leckie resultierte, der eine gelungene Kombination routinert abschloss (21.). Nach der Pause setzten sich die Hessen zwar erneut in der gegnerischen Hälfte fest, offenbarten bei den wenigen Vorstößen der Havelländer, die immer mutiger wurden, aber eklatante Lücken im Defensivgefüge. In der 55. Minute lag der Ball dann erstmals im Netz der Bornheimer, doch das Schiedsrichtergespann erkannte den Treffer von Hakan Cankaya wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht an. Nach einer Stunde dann doch der Ausgleich zum 1:1, nachdem Sebastian Huke den freistehenden Hakan Cankaya an der Strafraumgrenze bediente und der mit einem platzierten Flachschuss Patric Klandt keine Chance ließ. Die Gastgebern schwanden nun allmählich die Kräfte, und sie verlegten sich nun auf das Halten des Ergebnisses, was auch lange Zeit funktionierte, weil es beim Zweitligisten weiterhin beim Abschluss haperte. In der zweiten Hälfte der Verlängerung machte sich die Physis der Profis bezahlt, Mathew Leckie per Kopf und Edmond Kapllani mit einem humorlosen Schuss aus zehn Metern bewahrten den FSV Frankfurt vor einem Elfmeterschießen und einer Pokalblamage.

FSV Frankfurt: Klandt – Huber (72. Kandziora), Schlicke, Oumari, Teixeira – Konrad, Heitmeier (102. Kauko) – Görlitz, Epstein (72. Roshi) – Leckie, Kapllani
Tore: 0:1 Leckie (21.), 1:1 Cankaya (62.), 1:2 Leckie (112.), Kapllani (117.)
Zuschauer: 2.006

Preußen Münster – FC St. Pauli 1:0 (1:0)

In einem spannenden Pokalfight behielt der Underdog am Ende die Oberhand. Wie schon im Jahr zuvor, als die Preußen in der ersten Runde Werder Bremen ausgeschaltet hatten, war Mathew Taylor der Matchwinner. Die Begegnung musste zu Beginn zwar mit wenig Torchancen auskommen, war aber aufgrund des auf beiden Seiten sichtbaren Engagements dennoch unterhaltsam. Die anfängliche Dominanz des Zweitligisten ließ im Verlauf der ersten Halbzeit nach, die anfänglich sehr defensiven Gastgeber wagten sich allmählich aus der Deckung und kam ab der 20. Minute auch zu ersten Torgelegenheiten. Der Führungstreffer ließ dann nicht lange auf sich warten und fiel nach einer halben Stunde. Grote wusste einen Abwehrfehler von Nehrig zu nutzen, leitete den Ball auf den am Fünfmeterraum stehenden Taylor weiter und der hatte keine Mühe, den Ball einzuschieben. Münster beschränkte sich in der zweiten Halbzeit größtenteils auf das Halten der Führung, während sich der FC St. Pauli rund um den gegnerischen Strafraum festsetzte und vehement auf den Ausgleich drückte. Doch Lennart Thy traf nur den Pfosten (59.), Sebastian Maier war zuerst zu unpräzise (60.) und scheiterte anschließend per Freistoß an Torhüter Masuch (62.). Die Preußen stemmten sich mit Disziplin und viel Leidenschaft gegen den Druck der Hanseaten, und hatten in der Schlussphase durchaus die Gelegenheit, per Konter den Sack frühzeitig zuzumachen. Doch ein Tor sollte ihnen ebensowenig gelingen wie den Hanseaten, bei denen auch nach der Einwechslung von Verhoek und Gregoritsch nicht mehr viel zusammenlief. Am Ende blieb es bei dem etwas glücklichen, aber tapfer erkämpften Sieg des Drittligisten.

FC St. Pauli: Tschauner – Nehrig, Kalla, Gonther, Halstenberg – Boll, Buchtmann – Rzatkowski (46. Bartels), Maier (75. Gregoritsch) – Thy – Nöthe (56. Verhoek)
Tore: 1:0 Taylor (31.)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)

SV Sandhausen – 1. FC Nürnberg 4:3 i.E. (1:1, 1:1, 0:1)

Der SV Sandhausen begann gut, doch schon bald übernahm der Club die Kontrolle über das Geschehen. Auf ein gutes Zuspiel von Robert Mak erzielte Daniel Ginczek nach einer knappen halben die zu diesem Zeitpunkt bereits verdiente Führung. Erst in der Schlussphase des ersten Durchganges kam der Zweitligist wieder häufiger vor das Nürnberger Tor und auch nach dem Seitenwechsel drängten die Sandhäuser auf den Ausgleich. In der 58. Minute ernteten die Kurpfälzer den Lohn für ihre Mühen. FCN-Verteidiger Timothy Chandler hatte Julian Schauerte im Strafraum geklammert, und Schiedsrichter Norbert Grudzinski entschied auf Strafstoß, den der Gefoulte selbst verwandelte. Die Nürnberger enttäuschten auch weiterhin in Sachen Offensivspiel, so dass der Zweitligist die Partie immer besser in den Griff bekam und dem Siegtreffer näher war als die Franken. In der Verlängerung investierte der Club deutlich mehr und übernahm die Spielkontrolle. Zwingende Chancen blieben aber aus, weil sich die Sandhäuser nun weit in die eigene Hälfte zurückzogen und wenig zuließen. Am Ende musste ein Elfmeterschießen entscheiden, in dem SVS-Keeper Manuel Riemann die Schüsse von Hanno Balitsch und Marvin Plattenhardt abwehrte und damit zum Pokalhelden wurde.

SV Sandhausen: Riemann – Schauerte, Schulz, Kister, Achenbach – Kulovits (57. Linsmayer), Zimmermann – Klotz, Thiede, Knoll (70. Löning) – Jovanovic (79. Blum)
Tore: 0:1 Ginczek (27.), 1:1 Schauerte (Foulelfmeter)
Elfmeterschießen: 0:1 Kiyotake (verwandelt), 1:1 Schauerte (verwandelt), 1:1 Balitsch (nicht verwandelt), 2:1 Löning (verwandelt), 2:2 Ginczek (verwandelt), 3:2 Achenbach (verwandelt), 3:3 Nilsson (verwandelt), 4:3 Blum (verwandelt), 4:3 Plattenhardt (nicht verwandelt)

Zuschauer: 8.500