Aus der Patsche – die Liga-Zwei.de-Kolumne: Folge 5

Echte Typen fehlen einfach

Autor: Nico Patschinski Veröffentlicht: Freitag, 06.10.17 | 11:22
Nico Patschinski im Trikot von Liga-Zwei.de

Vermisst die Typen in der 2. Bundesliga: Nico „Patsche“ Patschinski. ©Liga-Zwei.de

Hallo Fußball-Freunde,

sehnt Ihr Euch manchmal auch nach früheren Fußball-Zeiten zurück? Ich will jetzt keine Floskeln á lá „früher war alles besser“ bemühen, aber ich finde den Fußball mittlerweile aalglatt. Klar in der Bundesliga ist das schon lange so, aber die 2. Liga, die Kampfliga, wird immer mehr zur Weichspülliga.

Wenn ich schon höre, wie Funktionäre das als Produkt abspeisen, wird mir übel. 2. Bundesliga ist kein Produkt, sondern ein geiler Wettbewerb und eine Heimat für hunderttausende Fans. Dieser Wandel zum Mainstream spiegelt sich auch bei den Spielern wider. Früher hattest du noch richtige Typen wie einen Willi Landgraf, der erst die gesamte Außenbahn hochpflügt und danach noch die Zuschauer anpeitscht.

Oder Unions Tusche (Anm. d. Redaktion: Torsten Mattuschka). Ein überragender Fußballer, der im positiven Sinne einen absoluten Vollschuss hatte. Solche Leute haben den Fußball ausgemacht. Bei Interviews gab es keine drei Pressesprecher, die dir auf dem Weg zur TV-Kamera noch vorsagten, was du gleich erzählen sollst.

Da konnte man authentisch sein. Ich wurde mal nach einem Dreierpack gefragt, ob ich schon mit meinem Vater telefoniert hätte. Hab‘ dann geantwortet: „Wird schwer, der wird blitzeblau sein. Er trinkt nach jedem Tor ’nen Whiskey.“

„ Da ist selbst der Kinderkanal spannender. ”
über ein Interview von Sebastian Polter

Sowas ist heute doch unvorstellbar. Außer Kevin Großkreutz, der von Darmstadt aber leider auch zu sehr beschützt wird, oder Fortunas Axel Bellinghausen hast du doch keinen Spieler mehr dabei, der sagt was er denkt. Letztens ein Interview von Sebastian Polter – unbestritten einem der besten Zweitliga-Stürmer – gehört. Oh Gott, das ist selbst der Kinderkanal spannender.

Aber den Jungs kann man auch gar nicht viele Vorwürfe machen. Die bekommen ihr Medien-Coaching und haben zig Berater, die darauf achten, dass sie schon stromlinienförmig bleiben.

Ein anderes Beispiel sind die Schiedsrichter. Früher kam ein Bernd Heynemann nach einem Spiel in die Kabine und fragte, ob er von unserem Sponsor Jack Daniels ’ne Flasche mitnehmen könnte.

Die Schiris waren völlig normal. Denen konntest du auf dem Platz auch mal einen Spruch drücken. Dem Heynemann habe ich nach einem Pfiff mal ordentlich die Meinung gegeigt: „Was pfeifst du denn für einen Mist, das war doch kein Foul“.

Seine Antwort: „Patsche, jetzt nehm‘ ich den Freistoß zurück und zeig‘ in die andere Richtung? Meinst du, das mach‘ ich jetzt noch?“ „Nee, haste Recht“, damit war das Ding durch. Und Heynemann war nicht der einzige dieser Art. Auch mit Hellmuth Krug, Markus Merk oder Jürgen Aust konntest du wunderbar reden, ohne dass da irgendwas an Autorität verloren ging.

„ Bubis mit Mitte 20, die oberlehrerhaft sind. ”
über die heutigen Schiedsrichter

Heute kommen dann Bubis mit Mitte 20, die oberlehrerhaft sind und bloß nichts falsch machen wollen, damit die DFB-Onkel auf der Tribüne auch nicht böse werden. Auch der gute alte Trashtalk auf dem Platz ist weniger geworden. Früher haben die Schiris da einfach weggehört, wenn wir uns auf dem Platz untereinander durchgängig beleidigt haben.

Das einzige, was ich heute besser finde, ist das nachträgliche Sperren für Tätlichkeiten. Früher wurde dir bei jedem Eckball als Stürmer in die Eier gekniffen, absolut widerlich. Heute kann sich das zum Glück keiner mehr trauen, da der DFB das alles mitbekommt.

Wie seht Ihr den Fußball von heute?

Diskutiert auf der Liga-Zwei.de-Facebook-Seite mit oder schreibt mir an [email protected] (die Jungs leiten mir die Mails dann weiter).

Bis demnächst,

Euer Patsche