Chapeau, Sascha Mockenhaupt

Die besondere Leistung des 15. Spieltags

Sascha Mockenhaupt (r.) gegen Nürnbergs Robin Hack.

Kein Vorbeikommen: An Sascha Mockenhaupt (r.) biss sich Nürnberg die Zähne aus. ©imago images/Zink

Wie sehr sich die Ereignisse doch decken, die Vorkommnisse übereinstimmen und Herausforderungen immer wieder gleichen: Die Flugbälle, die vor dem Tor des Wiesbadener Verteidigungsverbunds angerauscht kommen, haben Schärfe. Viel Schärfe. Doch Sascha Mockenhaupt reckt seinen Schädel – im Stile eines Kriegers im Schlachtenturm – in die Höhe und bereinigt die Gefahr.

Die Pässe, die in die Schnittstellen der Wiesbadener Abwehrreihe platziert werden, haben Präzision. Messerscharfe Präzision. Doch Mockenhaupt ist mit seiner Schnelligkeit und seiner Vorhersehung zur Stelle und stopft jeden Raumabstand, ehe ihn der Gegner nutzen kann.

Hauptfigur, Hauptmann & Häuptling

Und die Dribblings, mit denen die Stürmer der Liga-Elite auf das Wiesbadener Bollwerk zusteuern, haben Raffinessen. Sind voller List und Finten. Doch Mockenhaupt ist mit seiner defensiven Eins-gegen-Eins-Qualität wachsam im Kopf und flink auf den Beinen. An Wiesbadens stabilstem Abwehrrecken ist kein Vorbeikommen möglich. Mockenhaupt liest die Bewegungen, erkennt die Gefahren, erobert die Bälle vom Gegner und leitet so perfekte Gegenangriffe ein.

Sascha Mockenhaupt trägt Wiesbadens Trikot mit der Nr. 4, ist 1.87 Meter groß, 28 Jahre alt und nun – Nomen est Omen – Hauptfigur, Hauptmann und Häuptling des Wiesbadener Strategie-Verhaltens diesseits der Mittellinie. Alles was Mockenhaupt macht, geschieht im richtigen Moment und zur rechten Zeit, hat Sinn und Verstand.

Ruthenbeck sucht Spätzünder – und findet Mockenhaupt

Gegen den VfB Stuttgart, den HSV und nun gegen den 1. FC Nürnberg hat Mockenhaupt im Verbund mit seinen Kollegen den Favoriten kräftig in die Suppe gespuckt. Und so gegen diese drei Großen der 2. Bundesliga sieben der erzielten 13 Punkte geholt.

Diese Spielklasse ist für Sascha Mockenhaupt ohnehin kein unbekanntes Aktionsfeld. In zwei Wochen wird er dort zum 50. Einsatz kommen. Die erste Hälfte davon hat er für den VfR Aalen absolviert. Stefan Ruthenbeck, mit einer selbstbestimmten Entscheidung wieder in der Ausbildungsarbeit des 1. FC Köln aktiv, hatte ihn 2014 auf der Suche nach Spätzündern und Quereinsteigern mit ruckeligen Karrieren aus der Reserve des 1. FC Kaiserslautern auf die Ostalb geholt.

Für die Mannschaft gibt Sascha sein allerletztes Hemd. (Stefan Ruthenbeck über Sascha Mockenhaupt)

„Sascha war auch bei uns in Aalen schon bald ein Glücksgriff, weil er jeden Tag dazulernen wollte, in jedem Training den Antrieb hochhielt und so mit jeder neuen Herausforderung stetig gewachsen ist“, beschreibt Ruthenbeck jene auffällige Mentalität Mockenhaupts, mit der er jetzt Spiel für Spiel im Wiesbadener Team große Wirkung erzielt. Gern verleiht Ruthenbeck an dieser Stelle Mockenhaupts Einfluss noch mehr Höhe: „Für die Mannschaft gibt Sascha sein allerletztes Hemd.“

Ruthenbeck hat mit seiner U19 gerade Schalke besiegt und so wäre unser Verständnis groß, wenn Erinnerungen an Sascha Mockenhaupt aktuell nicht zwingend parat sind. Doch Ruthenbeck überrascht Liga-Zwei.de und ist im Bilde, wenn es um seinen einstigen Musterschüler geht: „Ich hatte nie Zweifel, dass sich Sascha mit seinen überragenden Geschwindigkeits- und Verteidigungspotenzialen in dieser 2. Bundesliga etablieren wird. Ich verfolge seine Leistungen in Wiesbaden und freue mich mit ihm, dass er eine so großartige Saison spielt. Denn auf seinem Karriereweg ging es weiß Gott nicht immer geradeaus.“

Stefan Ruthenbeck gibt Kommandos.

Stefan Ruthenbeck holte Sascha Mockenhaupt 2014 nach Aalen. ©imago images/Eibner

Manches was Ruthenbeck meint, wirkt in der Tat wie ein Umweg, ein Denkfehler, eine Abweichung: Mockenhaupt geriet als Junge aus dem Siegerland in eine der privilegiertesten Ausbildungsstätten, zu Bayer 04 Leverkusen. Ein rasanter Aufstieg schien programmiert. Doch dann wurde die U23 dort abgeschafft und dieser neue Graben auf dem Weg zur Bundesliga wirkte für Mockenhaupt unüberwindbar.

Über Oberligafußball in Betzdorf versuchte „Mocki“, wie ihn die Teamkollegen rufen, am Betzenberg sein Glück in der Regionalliga. Weil auch dort der Sprung ins Proftiteam damals noch nicht gelang, kamen Ruthenbeck und der VfR Aalen ins Spiel. „Aalen war das Armenhaus der 2. Bundesliga, doch wir hatten eine großartige Gemeinschaft und hätten uns den Ligaerhalt allemal verdient“, berichtet Ruthenbeck und erinnert dabei an Punktabzüge, Geldprobleme und viel Pech im Fußballspiel.

Fußball-Abenteuer nördlich des Polarkreises

Die gute persönliche Entwicklung Mockenhaupts gefiel nun auch den 1. FC Kaiserslautern wieder, doch einen Platz als feste Größe eroberte er dort auch diesmal nicht. Jetzt hatte Mockenhaupt Lust auf ein Abenteuer.

Im norwegischen Bodö, nördlich des Polarkreises, brauchten sie einen Abwehrrecken wie ihn. Dort, wo die Landschaft Norwegens am aufregendsten und wasserreichsten ist, wurde 2016 beim FK Bodö/Glimt noch Zweitligafußball gespielt. Mockenhaupt blieb nur eine halbe Spielzeit. Schade, im Jahr danach stieg dieser Verein in Norwegens Topliga auf. Und heute steht der Verein kurz vor dem Saisonfinale gar auf dem zweiten Tabellenplatz. Die internationale Bühne winkt.

Angstgegner der Großen

Sollte es zu einem Kräftemessen mit einem deutschen Klub kommen, steht Sascha Mockenhaupt auch für diesen Spezialauftrag bereit. Seine Rückkehr in den heimischen Radius des Fußball hatte übrigens einen guten Grund: Sascha Mockenhaupt wurde Papa und dieses Glück wollte er nicht aus Ferne erleben.

Das persönliche Glück blieb nicht allein. Das des Fußballs kam hinzu. Für Sascha Mockenhaupt und für Wehen Wiesbaden als tapferen Aufsteiger und Angstgegner der Großen.

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