Chapeau, Silvère Ganvoula

Die besondere Leistung des 26. Spieltags

Silvère Ganvoula (l.) trifft gegen Heidenheim.

Mit seinem zwölften Saisontor sorgte Silvère Ganvoula (l.) für den 3:0-Endstand gegen Heidenheim. ©imago images/Poolfoto

Auch in der Welt des Fußballs drücken in Zeiten wie diesen Ängste auf die Stimmung. Wie die große Angst um das Geld. Wie lange wird es reichen? Beim VfL Bochum machen sie keinen Hehl daraus, wie prekär es um die Finanzierung des Fußballs dort steht.

Umso bedeutender erscheint nun ein Sieg wie dieser. Gegner Heidenheim, bekannt für seine stabile Geschlossenheit, kassiert nicht häufig drei Gegentore. Sich an solchen Ereignissen in Zeiten der Unwägbarkeiten festhalten und hieraus neue Ressourcen aufbauen sowie frische Hoffnungen verknüpfen zu können, tut dem VfL Bochum gut. Und der aktuelle Optimismus trägt primär den Namen Silvère Ganvoula.

Einer der torgefährlichsten Spieler in Liga zwei

Denn gegen Heidenheim hat der Hüne im Bochumer Angriffszentrum seinen 12. Treffer in dieser Spielzeit erzielt. Mit dieser Torquote und sieben Assists obendrauf bewegt sich Ganvoula auffällig zuverlässig in der Hautevolee der torgefährlichsten Spieler in der 2. Bundesliga.

Und dass im Cup-Wettbewerb dank des großen Kräftemessens mit dem großen FC Bayern im vorigen Herbst eine große Einnahme erzielt werden konnte, hatte ebenfalls mit Ganvoula zu tun. Der erzielte nämlich zuvor alle drei Treffer beim 3:2 in Baunatal.

Denn der Name Ganvoula steht im direkten Umfeld des Bielefelders Fabian Klos. Der gilt als Lichtgestalt unter den Torschützen in dieser Spielklasse. Doch dahinter rangiert schon Ganvoula. Wie Klos mit geballter Körperlichkeit jenseits der 1.90 Meter und so mit großer Strahlkraft aktiv. Bei alledem gar einige Schritte eher in Fahrt kommend als der Bielefelder Toremacher-Primus.

Wertvolles Kapital auf zwei Beinen

Und vor allem ist er viel jünger. Silvère Ganvoula hat Ende des nächsten Monats Geburtstag. Wenn dann diese eigenartige Spielrunde tatsächlich wie geplant verspätet zu Ende geht, wird der wuchtige Angreifer erst 24 Jahre alt sein. Und dann möge er – im besten Fußballalter aktiv – gut genug sein und genügend Treffer erzielt haben, um irgendwo ein neues Aktionsfeld in der hiesigen Eliteliga antreten zu können.

Als der VfL Bochum selbst noch im Fußball-Oberhaus aktiv war und Jahr für Jahr tapfer den Status der Unabsteigbarkeit verteidigen konnte, ist gleich nebenan in der westdeutschen Nachbarschaft eine Art Filiale des VfL Bochum entstanden. Wer in Bochum zu gefallen wusste, landete jahrelang zumeist bei Bayer 04 Leverkusen.

Wenn Ganvoula noch fünfmal trifft, ist er weg. (VfL-Legende Christian Schreier über den Angreifer)

Wie Stürmer-Legende Christian Schreier, der in drei Bochumer Bundesliga-Spielzeiten den Job des Toreschießens an der Castropper Straße erledigte. Mit 40 Treffern im Gepäck konnte er sich den schon damals weitaus finanzkräftigeren Leverkusenern empfehlen. Dort half Schreier mit, den Uefa-Cup ans Bayer-Kreuz zu holen. Im Trikot des DFB gewann er Olympia-Bronze und durfte dank Franz Beckenbauer zum A-Nationalspieler aufrücken.

Jetzt ist er ein kompetenter Insider des Bochumer Fußballs und sagt im Gespräch mit Liga-Zwei.de: „Wenn Ganvoula noch fünfmal trifft, ist er weg. Dann wird er dem VfL einige der erhofften Millionen einspielen.“

Christian Schreier in seiner Zeit als Trainer bei Union Berlin.

In Bochum begann einst die Bundesliga-Karriere von Christian Schreier. ©imago images/Picture Point

Denn mit diesem Plan sind die Fußball-Entscheider des VfL Bochum im vorigen Sommer ins hohe wirtschaftliche Risiko gegangen. Haben fast eine halbe Million Euro Transferentschädigung an den RSC Anderlecht überwiesen und dann obendrein Ganvoula mit einem Vierjahres-Vertrag bis 2023 ausgestattet.

In der Winterpause soll es ein Angebot von Borussia Mönchengladbach gegeben haben. Doch weil es inhaltlich noch nicht den Erwartungen des VfL Bochum entsprochen hat, stürmt Ganvoula weiterhin im blauen Trikot mit der 35 auf dem Rücken und an neuen Referenzen.

Mit Power und Rasanz ein Mann des Konterfußballs

Dort wird er von Trainer Thomas Reis als einziger Spieler in der vorderster Front positioniert. Denn dort hat er den Platz, den er braucht. Für seine Aktionen des Konterfußballs. Mit seinen Läufen voller Power, seiner Rasanz des Ausreißens, mit seiner Dynamik beim Dribbling. „Wenn es ihm gelingt, vorn die Bälle so lange festzumachen, bis die Kollegen nachrücken können, dann ist er ein wertvoller, ein sehr guter Stürmer“, sagt Christian Schreier.

Die sportliche Expertise für Silvère Ganvoula fällt jetzt viel besser aus als noch vor einem halben Jahr. Kollegen wie Blum und Zoller haben sich gut auf diesen Individualisten einstellen können. Der VfL Bochum präsentiert mit 43 Treffern die drittbeste Offensive in der 2. Bundesliga.

Auch defensiv mit ansteigender Formkurve

Kein anderer Spieler in Bochum hat einen besseren persönlichen Deal machen können. In einer Gemeinschaft voller Gemeinsamkeiten, wie sie der VfL Bochum überzeugend verkörpern möchte, sind Sonderrechte schwerer darzustellen als anderswo.

Das mit dem Geld ist die eine Seite. Wenn sich dieselbe Person in steter Regelmäßigkeit zu alledem verweigert, auf dem Spielfeld als Mitglied des Teamverbunds an der Verteidigungsarbeit teilzunehmen, dann hat dies zuweilen negative Konsequenzen.

Als Torjubel noch voller Herzlichkeit ausgelebt werden durfte, war Bochums Stammpublikum keineswegs entgangen, dass Ganvoula seine Treffer meist recht einsam zelebrieren musste. Dank der aktuellen Verhaltensregeln fallen derlei Reserviertheiten der Teamkollegen nun freilich ohnehin nicht mehr auf.

Endlich bereit, für das Team zu arbeiten. (Christian Schreier über Ganvoulas Fortschritte)

Dem gegenüber zeigt der aktuelle Triumph über Heidenheim jedoch, dass Bochums beste Offensivkraft über die Ganzheitlichkeit seines Wirkens neue Erkenntnisse gewonnen hat. „Endlich ist Ganvoula bereit, für das Team zu arbeiten“, meint Schreier.

Dass die Tournee durch die Welt des Fußballs Ganvoula erstmals in eine Art Ausbildungsstätte gesteuert zu haben scheint, ist dem Stürmer jedenfalls gut bekommen. Diese Entscheidung ist das Werk des Bochumer Fußball-Chefs Sebastian Schindzielorz und somit wohl dessen treffsicherste Vision und bester Abschluss.

Gute Investition des VfL

Erst vor sechs Jahren verließ Ganvoula seine kongolesische Heimat. Er stürmte danach in Marokko, in der Türkei, für drei Klubs in Belgien. Nirgendwo gelang der Durchbruch. Seit zwei Jahren ist er beim VfL. Zunächst als Leasingspieler auf Bewährung. Doch seit letztem Sommer als Kapitalanlage.

Nun, wie es jetzt aussieht, ist Silvère Ganvoula wohl zu einer sehr guten Investition geraten. Und dies ist gut für den VfL Bochum. Vor allem in Zeiten wie diesen.

Hier geht’s zu den bisherigen Chapeaus der Saison.