Corona: Saison auch mit Wettbewerbsnachteil fortsetzen?

Überleben der Vereine steht im Vordergrund

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.03.20 | 05:20

Max-Morlock-Stadion

Das Flutlicht im Max-Morlock-Stadion bleibt erst einmal aus. © imago images / Photoarena Eisenhuth

Die Corona-Krise hat den deutschen Fußball und damit natürlich auch die 18 Zweitligisten weiterhin fest im Griff. Der Umgang mit der Zwangspause ist indes unterschiedlich. Während sich mehrere Teams in Quarantäne befinden, haben andere aus eigenem Antrieb das Mannschaftstraining ausgesetzt. Erzgebirge Aue will derweil mit den Übungseinheiten hinter verschlossenen Türen erst einmal weitermachen.

Dass es im deutschen Profifußball nach der von der DFL zunächst bis 2. April beschlossenen Aussetzung des Spielbetriebs am ersten April-Wochenende weitergeht, gilt unterdessen allgemein als wenig wahrscheinlich. Schon alleine deshalb, weil die in Quarantäne befindlichen Teams wie Hannover 96, Holstein Kiel, der 1. FC Nürnberg und der SV Wehen Wiesbaden dann nur eine kurze Vorbereitungszeit mit gemeinsamen Trainingseinheiten hätten - und weil nicht ausgeschlossen ist, dass bis dahin in und um die Liga herum weitere Infektionen auftreten.

Saisonabbruch ist "keine Option"

Von Bild angesprochen auf diese Problematik ließ Niels Rossow, Finanzvorstand des 1. FC Nürnberg, durchblicken, dass es wohl nur schwerlich möglich sein wird, den Spielbetrieb mit gleichen Voraussetzungen für alle fortzusetzen: "Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir wahrscheinlich den ein oder anderen Kompromiss eingehen müssen. Man versucht natürlich, die Wettbewerbsgleichheit so weit wie möglich herzustellen, aber eine vollständige Gleichheit ist in Anbetracht der dramatischen Situation gar nicht möglich."

„ Wir sind uns im Klaren, dass wir wahrscheinlich den ein oder anderen Kompromiss eingehen müssen. ”
Niels Rossow

Gegenüber der Westfalen Blatt äußerte sich Arminia Bielefelds Geschäftsführer Markus Rejek ähnlich und betonte, dass nicht das Wie entscheidend sei, sondern dass die Saison überhaupt komplett gespielt werden könne: "Die Option, dass wir diese Saison in keiner Weise zu Ende spielen können, ist keine Option. Denn dann gibt es wahrscheinlich viele Vereine in Deutschland nicht mehr. Dass wir nicht mehr von einem normalen Wettbewerb sprechen können, darf und kann letztlich nicht dazu führen, dass wir diese Situation nicht annehmen – und wenn wir auf einem Bein auflaufen.

Wie ernst die Lage ist, lässt sich auch daran erkennen, dass Rejek seine letzte Woche getätigte Aussage, Bielefeld würde im Falle einer Annullierung der Saison "auf die Barrikaden gehen" revidierte: "Diese Aussage ist mittlerweile überholt, sie gilt in der Form nicht mehr. Wie schon gesagt: Es geht nicht um Einzelinteressen. Es geht um wirtschaftliche Existenzen. Um das Große und Ganze."

Ein unlösbares Szenario?

Klar wird angesichts der Äußerungen von Rossow und Rejek, die nur stellvertretend stehen, dass es keine Alternative zur halbwegs regulären Beendigung der Saison gibt, um die noch ausstehenden TV-Gelder vereinnahmen zu können. Allerdings könnten wiederkehrende Infektionen von Akteuren dieses Vorhaben deutlich erschweren oder unter Umständen sogar unmöglich machen. Für dieses Szenario eine Lösung zu finden, dürfte den Verantwortlichen in den Vereinen und beim Verband noch reichlich Kopfzerbrechen bereiten.

Weiterführend zu diesem Thema: Übersicht der aktuell noch spielenden Ligen/Wettbewerbe.