Dynamo Dresden: Wie Kmetsch Minge ablöste & zum HSV ging

Der einstige Abräumer über das Duell seiner Ex-Klubs

Sven Kmetsch (r.) gegen Stuttgarts Alexander Strehmel.

In 113 Spielen für Dynamo ein unangenehmer Gegenspieler: Sven Kmetsch (r.). ©imago images/Kicker/Liedel

Die Gunst des Schicksals ist Sven Kmetsch noch gegenwärtig, als habe das Ereignis erst gestern stattgefunden. Eigentlich war alles wie zumeist, wenn Dynamo Dresden und der große HSV in den frühen 90er Jahren in der Bundesliga aufeinandertrafen: Auch in jenem Frühjahr des Jahres 1994 endete das Match schiedlich-friedlich 1:1.

Doch diesmal gab es für Sven Kmetsch, damals Mittelfeld-Fighter im gelben Dynamo-Trikot, ein nachhaltiges Feedback. Überaus auffällig hatte Kmetsch die Strategen des Gegners nicht zur Entfaltung kommen lassen. Den sonst so überragenden Letchkov nicht, auch von Heesen nicht. „Plötzlich rief der HSV an und informierte mich darüber, dass Trainer Möhlmann seit diesem Tag des Kräftemessens großes Interesse an mir hat“, berichtet Kmetsch mit freudigem Rückblick.

Mit einem Jahr Verspätung nach Hamburg

Doch das Ende jener Spielzeit war noch nicht in Sicht und so mischte sich alsbald eine hohe Hürde in die neue Hoffnung. Weil Kmetsch einen komplizierten Bruch des Knöchels erlitt und aufgrund einer Genesung voller Widrigkeiten neun Monate seinen Platz auf der Tribüne hatte, brauchte es über ein Jahr, bis Möhlmann seinen Wunschspieler – endlich wieder topfit – beim HSV begrüßen und einplanen konnte.

Kmetsch hat mich überzeugt: Als Kämpfer, Läufer und als Fußballer. (Benno Möhlmann über Sven Kmetsch)

„Kmetsch hat mich überzeugt: Als Kämpfer, Läufer und als Fußballer. Deshalb habe ich ihn nicht vergessen. Vielleicht auch, weil er einer war wie ich“, erinnert sich Benno Möhlmann im Gespräch mit Liga-Zwei.de schmunzelnd an seinen wohl besten Transfer aus dem Fußball-Osten in seiner Zeit als Trainer des HSV.

Kmetsch blieb beim HSV drei Spielzeiten. Überlebte seinen Entdecker Möhlmann, blieb verletzungsfrei und war so in diesem Zeitraum 95 Mal im Mittelfeld des Hamburger SV im Einsatz. Ein Wiedersehen mit seinem Heimatklub Dynamo Dresden gab es für Kmetsch im Trikot mit der Raute indes nicht mehr.

Sven Kmetsch (l.) gegen Bayerns Markus Münch.

In 95 Einsätzen hielt Sven Kmetsch die Knochen für den HSV hin. ©imago images/Kicker/Liedel

Denn nicht nur er, auch Rösler, Stevic, Marschall, Maucksch und Jähnig verließen die Hochburg des Fußball-Ostens westwärts in die Obhut großer Bundesliga-Traditionen. Die Gemeinschaft wurde eingetauscht gegen die Chance, individuell Karriere zu machen. So gingen in Dresden erst fußballerische Substanz, dann die Bundesliga verloren.

Sven Kmetsch schaffte den Sprung vorbildlich: Fast 350 Einsätze in Bundesliga, Champions League und Uefa-Cup. Es gibt nur wenige Spieler mit Dauerpräsenz, die das große Glück hatten, ausnahmslos von einem so zahlreichen und derart begeisterungsfähigen Publikum unterstützt zu werden wie er.

Ein Jahrzehnt als Trainerteam unterwegs

Als Mittelfeldspieler war er Balleroberer und Antreiber, ein „Kampfschwein“, wie selbst sagt. Wurde zweimal DFB-Pokalsieger, absolvierte zwei A-Länderspiele und einmal war er sich sicher, Deutscher Meister geworden zur sein. Doch er und die große Schalker Fußballgemeinde wurden dann doch noch bitter enttäuscht. Die Bayern erzielten ihr legendäres Nachspielzeit-Tor, das alle blau-weißen Träume zerschlug.

Aus der frühen HSV-Dynamo-Allianz, Sven Kmetsch und Benno Möhlmann, erwuchs später ein weiteres Bündnis. Fast ein Jahrzehnt waren sie gemeinsam als Trainerteam unterwegs: In Ingolstadt, beim FSV Frankfurt, 1860 München und Preußen Münster. Doch jetzt ist Kmetsch offen für neue Aufgaben, denn Möhlmann ist wie immer konsequent geblieben und hat seinen Ausstieg aus dem Wettstreit um die Trainerposten nicht revidiert.

Die Souveränität der ersten acht, neun Spiele ist verloren gegangen. (Sven Kmetsch über den HSV)

Der Blick auf die aktuellen Entwicklungen des HSV und seiner Dresdner fällt Kmetsch somit nicht schwer. Über den Ist-Zustand des HSV sagt er: „Ja, fußballerisch sieht Vieles sehr gut aus. Die Strahlkraft sowie die Gelassenheit Dieter Heckings sind großartig. Doch die Souveränität der ersten acht, neun Spiele ist verloren gegangen. Der HSV hat Vieles zu verlieren in diesem Duell gegen Dynamo. Das ist purer Stress.“

Die Gefühlslage gegenüber Dynamo Dresden ist intensiver, vielfältiger, engherziger. Denn hier ist Kmetsch als Fußballer ausgebildet worden, hierher hat ihn sein Vater lange Zeit von Bautzen aus zum Training gefahren, hier hat er im Mittelfeld des Ligateams eines Tages den Platz von Ralf Minge übernommen.

Hoffnungsträger Minge

„Den Moment, in dem ich erstmals für ihn eingewechselt wurde und er mir mit einer Umarmung viel Glück wünschte, habe ich niemals vergessen. Er war immer mein Idol und nun spielte ich plötzlich für ihn in seiner Position“, erzählt Kmetsch. Ja, es klingt mehr als nur ein Hauch von Stolz durch diesen Satz – warum auch nicht?

Aktuell ist „Mingos“, wie Kmetsch die einstige Schaltzentrale im Dynamo-Spiel immer noch nennt, wieder einmal besonders gefordert. Nicht nur einmal ist der Abstiegskampf in der 2. Bundesliga für Dynamo in der Vergangenheit verloren gegangen. Und viele Hoffnungen hängen an Entscheidungen, die Minge zu treffen hat. „Ich bewundere Ralf Minge, wie besonnen er seit Jahren diese schwierige Arbeit bewältigt“, sagt Kmetsch und ist nun aber überzeugt, in den letzten Auftritten des Dynamo-Teams neue hoffnungsvolle Argumente entdeckt zu haben.

Dynamo holt am Samstag in Hamburg ein tapferes 2:2 (über das Duell seiner Ex-Klubs)

„Der spektakuläre Pokalauftritt bei der Hertha im vollbesetzten Berliner Olympiastadion war ein großartiges Lebenszeichen. Der Verbund aus fast 30.000 mitgereisten und gelb bekleideten Dresdnern sowie einer frech, mutig und selbstbewusst aufspielenden Mannschaft hat neue Energien freigesetzt und dem Vertrauen in den Fußballstandort Dresden einen neuen Untergrund gegeben“, beschreibt Sven Kmetsch und wirkt dabei regelrecht begeistert.

Und weil sein Herz so an Dynamo hängt und er seinen Optimismus auch nicht verstecken möchte, sagt er noch dies: „Eigentlich tippe ich nie. Doch in diesem Fall mache ich eine Ausnahme: Dynamo holt am Samstag in Hamburg ein tapferes 2:2.“

Seine persönlichen Pläne skizziert Sven Kmetsch im Übrigen so: „Ich bin Trainer aus Leib und Seele, weil ich den Fußball als Leistungssport liebe und große Freude habe, mitzuhelfen, Spieler und die Mannschaft besser zu machen.“

Nun, Liga-Zwei.de hat keine Zweifel mehr, dass die Verschnaufpause des Sven Kmetsch im heimischen Haltern am See bald beendet sein wird.

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