FC Ingolstadt: Interview mit Romain Brégerie

Unsere Mannschaft lebt noch

Ingolstadt Verteidiger Romain Brégerie

Seit 2015 für die Schanzer am Ball: Romain Brégerie ©Imago/Zink

Der Saisonstart des FC Ingolstadt hätte kaum schlechter verlaufen können. Nach drei Spieltagen stand der Bundesliga-Absteiger mit null Punkten da. Es folgte ein Trainerwechsel und der erlösende erste Saisonsieg gegen die SpVgg Greuther Fürth.

Der Franzose Romain Brégerie spielt seit dem Jahre 2015 für den FC Ingolstadt. Im exklusiven Liga-Zwei.de-Interview spricht er über den misslungenen Auftakt, den Trainerwechsel und seine Vergangenheit im französischen Profifußball.

Herr Brégerie, wie erklären Sie sich rückblickend den katastrophalen Saisonstart?
Romain Brégerie: „Das ist nicht einfach zu erklären, denn wir haben eine gute Saisonvorbereitung absolviert. Wir hatten einen Plan und waren davon überzeugt, gut in die Saison zu starten. Natürlich hatten wir mit Union Berlin eine harte Nuss zum Saisonauftakt. Dennoch waren wir selber überrascht, dass wir in den drei Partien solche Schwierigkeiten bekamen.“

Woran kann man den anfänglichen Negativlauf festmachen?
Brégerie: „Letztendlich hängt so etwas von Kleinigkeiten ab. Hätten wir beispielsweise die eine oder andere Chance gegen Berlin besser ausgespielt, wären wir besser in die Saison gestartet. Dann hätten wir jetzt vielleicht eine ganz andere Situation. So standen wir nach drei Spielen ohne Punkte da. Das wirkt sich natürlich auf das Selbstvertrauen aus.“

Am 3. Spieltag hat Ihre Mannschaft gegen Jahn Regensburg einen 0:1 Rückstand zunächst gedreht, letztendlich aber 2:4 verloren…
Brégerie: „Genau. Wir haben 25 Minuten auf einem richtig guten Niveau gespielt, dann aber leider nachgelassen. In der 2. Liga muss man einfach über 90 Minuten da sein, die Zweikämpfe annehmen und konsequent als Mannschaft auftreten. Das haben wir nicht durchgehend getan.

Wir haben mehr Selbstvertrauen. (über die Situation nach dem 1. Saisonsieg)

Zum Glück haben wir am vierten Spieltag gegen Greuther Fürth gewonnen. Jetzt haben wir wieder mehr Selbstvertrauen. Dieses Selbstvertrauen wollen wir mit hinein in das Spiel gegen Erzgebirge Aue nehmen. Unsere Mannschaft ist noch immer am Leben und hat noch lange nicht alles gezeigt.“

Vor dem ersten Saisonsieg wurde Trainer Maik Walpurgis entlassen. Wie hat die Mannschaft das aufgenommen?
Brégerie: „Eine Trainerentlassung ist nie einfach. Wir Spieler fassen uns dabei auch immer an die eigene Nase. Jeder weiß, wie der Fußball funktioniert: Wenn es nicht läuft, muss der Trainer gehen. Letztendlich aber standen wir Spieler auf dem Platz. Wir haben es nicht geschafft, den Plan des Trainers umzusetzen.

Wir hatten in den letzten neun Monaten viele schöne Erlebnisse mit Maik Walpurgis Als Spieler baut man eine persönliche Beziehung zu dem Trainer auf. Umso härter ist es, wenn der Trainer gehen muss. Aber ich denke, auch er wird stolz sein, dass wir das letzte Spiel gewonnen haben. Jetzt wollen wir nach vorne schauen.“

Der Interimstrainer Stefan Leitl nahm zunächst eine Systemumstellung vor und ließ die Mannschaft im 4-3-3 System auflaufen. Was hat sich durch den Trainerwechsel ansonsten noch verändert?
Brégerie: „Der Trainer tut alles, um uns Selbstvertrauen zu geben. Die Qualität ist in unserer Mannschaft zweifelsohne vorhanden. Wichtig ist, dass wir diese Qualität jedes Wochenende auch auf den Platz bringen.

Der Trainer möchte, dass wir an uns glauben, aber auch nicht überkompensieren. Man muss einen kühlen Kopf bewahren und sich mit kleinen Schritten das Selbstvertrauen zurückholen.“

Der FC Ingolstadt ist Ihre dritte Station in Deutschland. Zuvor haben Sie für die Traditionsvereine Dynamo Dresden und SV Darmstadt 98 gespielt. Inwiefern unterscheidet sich ein junger Verein wie der FC Ingolstadt von den Traditionsvereinen?
Brégerie: „Letztendlich übe ich überall den gleichen Beruf und den gleichen Sport aus. Egal wie groß der Druck im Umfeld ist: Man muss überall die maximale Leistung bringen.

Allgemein sehe ich die Entwicklung in Ingolstadt sehr positiv. Ich erinnere mich noch an das Jahr 2011, als ich mit Dynamo Dresden auswärts hier in Ingolstadt gespielt habe. Damals waren gefühlt nur 3000 oder 4000 Menschen im Stadion.“

Damals waren 3000 oder 4000 Menschen im Stadion. (über die wachsenden Fan-Zuspruch)

Das hat sich nun geändert…
Brégerie: „Ganz genau. Wir haben fast jedes Wochenende eine volle Hütte. Der Verein wächst und wächst. Wir wollen den Fans dafür etwas zurückgeben. Bislang haben wir vor heimischem Publikum zu wenig abgeliefert. Umso wichtiger ist es, dass wir gegen Aue ein positives Ergebnis erzielen.“

Sie kommen aus Frankreich und haben zu Beginn Ihrer Profikarriere bei Girondins Bordeaux gespielt. Sie hatten zwar drei Einsätze um UEFA-Cup, kamen aber nie in der 1. Liga zum Einsatz. Warum gelang Ihnen der Durchbruch damals nicht?
Brégerie: „Ich war in meiner fußballerischen Entwicklung noch nicht weit genug. Das Niveau von Girondins Bordeaux war extrem hoch. Als ich dort war, landeten wir auf Tabellenplatz 2, hatten nur vier Punkte Rückstand auf den damaligen Meister Olympique Lyon. Wir waren auf jeder Position super besetzt.

Ich wollte mich weiterentwickeln. (über seinen Abschied aus Bordeaux)

Auch wenn ich die gesamte Saison auf der Bank saß, habe ich viel gelernt. Wir hatten mit Laurent Blanc (später Trainer von der französischen Nationalmannschaft und von Paris St.-Germain, Anm.d.Red.) auch einen super Trainer. Trotzdem war es 2008 an der Zeit, den Verein zu verlassen. Ich wollte mich woanders weiterentwickeln.“

Sie haben in der 2. Liga von Frankreich für den FC Metz und LB Chateauroux gespielt. Wie stark ist die Liga verglichen mit der 2. Bundesliga in Deutschland?
Brégerie: „Als ich nach Deutschland kam, habe ich überall gehört, in Deutschland gäbe es die beste 2. Liga der Welt. Aber um ehrlich zu sein: Auch in der Ligue 2 wird guter Fußball gespielt. Dafür unterscheidet sich allerdings das Umfeld.“

Inwiefern?
Brégerie: „In Deutschland hat die 2. Liga einen viel höheren Stellenwert. Die Fans sind hier mit mehr Leidenschaft dabei. Die Stadien sind voll. Auch im Fernsehen ist die 2. Liga viel präsenter als in Frankreich.“

Vielen Dank für das Interview, Herr Brégerie! 

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