FC St. Pauli: Teamcheck 2018/19

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 11:18
Yi Young Park, Johannes Flum und Christopher Avevor jubeln

Rettung fast in letzter Minute. Wo landen Park und Co. in dieser Saison? ©Imago/DeFodi

Dank zweier Heimsiege am 32. und 33. Spieltag blieb es dem FC St. Pauli erspart, bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern zu müssen. Zufrieden war man rund ums Millerntor mit dem zwölften Platz aber natürlich nicht, ist der Traum von der Bundesliga doch stets zumindest unterschwellig vorhanden.

Eine offensive Zielsetzung gibt es mit Blick auf das neue Spieljahr nun zwar nicht, doch der Anspruch lautet schon, diesmal nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de analysieren wir, ob dem Kiez-Klub wieder ein schwieriges Jahr bevorsteht oder ob höhere Tabellenregionen angepeilt werden können.

Kader & Transfers

Abwehrchef Lasse Sobiech, der über Jahre hinweg eine Säule der Hintermannschaft war, hat den Verein in Richtung 1. FC Köln verlassen und eine große Lücke hinterlassen. Allerdings darf man auf St. Pauli zuversichtlich sein, diese mit Marvin Knoll (SSV Jahn Regensburg) mehr als nur geschlossen zu haben. Knoll steht nicht nur für defensive Stabilität, sondern war mit sieben Treffern und fünf Vorlagen auch der gefährlichste Innenverteidiger der Liga.

Die Abgänge von Kyoung-Rok Choi (Karlsruher SC), Maurice Litka (KFC Uerdingen) und Joel Keller (SC Weiche 08 Flensburg) fallen derweil ebenso wenig ins Gewicht wie die Rückkehr des nie eingesetzten Leihspielers Thibaud Verlinden zu Stoke City.

Ein Sonderfall ist Marvin Ducksch, der nach einem enttäuschenden Jahr auf St. Pauli an Holstein Kiel verliehen war und dort zum Torschützenkönig avancierte. Eine Rückkehr nach Hamburg war für den nun für mehr als zwei Millionen Euro an Fortuna Düsseldorf verkauften Angreifer aber kein Thema.

Neben Knoll stehen auf der Seite der Zugänge bisher nur die Talente Ersin Zehir, Jakob Münzner und Luis Coordes, die von der zweiten Mannschaft bzw. der U19 hochgezogen wurden. Außerdem wurde der bisher vom SC Freiburg nur ausgeliehene Mats Möller Daehli fest verpflichtet. Weitere Neuzugänge, insbesondere für den Sturm, könnten bis Transferschluss aber noch kommen. Auch weitere Abgänge sind möglich.

Die aktuelle Form

Gegen eine Regionalauswahl (10:1), bei Eutin 08 (4:0) und beim SC Weiche Flensburg 08 (6:1) entschied der FC St. Pauli die drei ersten Testspiele standesgemäß für sich, kassierte dann aber im ersten echten Härtetest bei Bröndby IF in Kopenhagen eine deutliche 0:3-Niederlage.

Anschließend ging es ins Trainingslager im österreichischen Maria Alm, in dessen Rahmen der FC Pinzgau mit 8:0 und der FC Liefering mit 3:0 besiegt wurden. Gegen den Karlsruher SC erhielten die Braun-Weißen ebenfalls noch in Österreich aber einen herben Dämpfer in Form einer 1:4-Niederlage, nach der Trainer Markus Kauczinski klare Worte fand.

Dafür aber darf man die Generalprobe als gelungen bezeichnen. Gegen Stoke City siegten die Braun-Weißen am Samstag mit 2:0 und tankten so Selbstvertrauen für den Start.

Stärken & Schwächen

Dass sich die Mannschaft am Ende der vergangenen Saison in einer prekären Lage aufraffte und letztlich mit zwei leidenschaftlichen Auftritten die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einfuhr, dient als Mutmacher und Warnschuss zugleich. Weil zuvor über Wochen nur wenig zusammenlief, sollte gerade die Rückrunde Spielern und Verantwortlichen verdeutlicht haben, dass Erfolge nur mit 100 Prozent Willen erreicht werden können.

Und für Erfolge sind natürlich auch Tore nötig, woran St. Pauli in der Vorsaison mit nur 35 und damit den wenigsten aller Teams sparte. Kein Spieler erzielte mehr als vier Treffer, womit das Fehlen eines Torjägers schnell ausgemacht ist. Da bisher kein neuer Angreifer gekommen ist, bleibt nur die Hoffnung, dass bei Sami Allagui, Dimitris Diamantakos oder Aziz Bouhaddouz der Knoten platzt.

Zudem ist Neuzugang Knoll, der über ruhende Bälle für viel Gefahr sorgen kann, ein Hoffnungsträger in offensiver Hinsicht, soll aber zugleich dazu beitragen, dass die in der Rückrunde mit nur 20 Gegentoren einigermaßen stabile Defensive wieder zum Trumpf wird. Dass in diesem Zusammenhang wichtige Spieler wie Bernd Nehrig, Christopher Buchtmann oder Philipp Ziereis nun fit sind, dürfte kein Nachteil sein.

Markus Kauczinski vor dem Spiel

Seit Dezember vergangenen Jahres beim Kiezklub: Markus Kauczinski. ©Imago/DeFodi

Der Trainer

Markus Kauczinski übernahm den FC St. Pauli erst im Dezember von Olaf Janßen, geriet aber während einer Schwächephase in der Rückrunde selbst schon wieder in die Diskussion. Der 48 Jahre alte Fußball-Lehrer, der nach erfolgreichen Jahren beim Karlsruher SC zu Beginn der Saison 2016/17 beim FC Ingolstadt nach nur wenigen Wochen schon wieder entlassen wurde, steht folglich durchaus unter Beobachtung.

Erstmals hat Kauczinski eine komplette Sommervorbereitung hinter sich und anders als über weite Teile der vergangenen Saison keine größeren Verletzungssorgen. Nun wird sich der gebürtige Gelsenkirchener daran messen lassen müssen, ob es seiner Mannschaft aus einer kompakten Ordnung heraus mit einer gesunden Aggressivität Bälle zu erobern und zielstrebig nach vorne zu spielen.

Die mögliche Startelf

Trotz einiger Versuche mit einer Dreierkette wird St. Pauli überwiegend mit einer Viererkette samt Doppelsechs davor agieren. In einem 4-2-3-1 wäre Möller Daehli ein Kandidat für die Zehnerposition, kann aber auch einen der beiden Flügel besetzen. Denkbar ist dann, dass neben einem echten Angreifer eine zweite hängende Spitze aufgeboten wird. Sami Allagui wäre in dieser Rolle vorstellbar.

Allagui ist wie Bouhaddouz aber auch eine Option im Angriff, wo Dimitris Diamantakos große Teile der Vorbereitung angeschlagen verpasst hat. Der im letzten Jahr meist gesetzte Innenverteidiger Christopher Avevor, Allrounder Jeremy Dudziak und Routinier Johannes Flum könnten zum Auftakt als Härtefälle auf der Bank bleiben.

Die voraussichtliche Startelf: Himmelmann – Park, Ziereis, Knoll, Buballa – Nehrig, Buchtmann – Möller-Daehli, Neudecker, Sobota – Diamantakos

Fazit & Prognose

St. Pauli war am Ende der Vorsaison da, als unbedingt gepunktet werden musste. Daran lässt sich durchaus erkennen, dass die Qualität eigentlich zu mehr als Abstiegskampf reichen müsste. Bleiben die Braun-Weißen diesmal von ausuferndem Verletzungspech verschont und findet sich ein Torjäger, sollte zumindest ein Platz im sicheren Mittelfeld möglich sein – mit Tendenz nach oben.