FC St. Pauli: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Freitag, 19.07.2019 | 20:00
Marvin Knoll mit dem Ball in der Hand

Wohin führt der Weg von Marvin Knoll und Co.? ©Imago images/Eibner

Noch zu Beginn des Jahres war der Traum von der Bundesliga für den FC St. Pauli nicht unrealistisch. Dann aber rutschten die Kiezkicker mit der zweitschwächsten Rückrunde aller Klubs noch auf den neunten Platz ab. Auch der Trainerwechsel von Markus Kauczinski zu Jos Luhukay brachte keine wesentliche Besserung mehr.

Der niederländische Fußball-Lehrer diente mit seiner Erfahrung und den Erfolgen aus der Vergangenheit dennoch auch nach Abschluss der Vorsaison ein Stück weit als Hoffnungsträger. Die Vorbereitung inklusive der Transferphase verlief dann allerdings nicht wirklich nach Wunsch, was derzeit spürbar auf die Stimmung drückt. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de analysieren wir nun die Situation rund um den FC St. Pauli und wagen abschließend auch eine Prognose.

Kader & Transfers

Neun Spieler haben den FC St. Pauli im Sommer verlassen, darunter die beiden erfahrenen Angreifer Alexander Meier (noch ohne neuen Verein) und Sami Allagui (Royal Mouscron), die auch im fortgeschrittenen Alter für Tore gut waren. Ebenfalls gegangen ist mit Jan-Marc Schneider (Jahn Regensburg) ein weiterer Stürmer, dem der Durchbruch versagt blieb und der nun beim Ligarivalen in der Oberpfalz auf regelmäßige Einsätze hofft.

Schmerzhaft sind die Verluste von Allrounder Jeremy Dudziak, den es auch noch ausgerechnet zum HSV gezogen hat, sowie vom nur ausgeliehenen Justin Hoogma (TSG 1899 Hoffenheim), der nicht zu halten war. Richard Neudecker konnte und durfte sein fraglos vorhandenes Potential zu selten abrufen und versucht sich nun beim VVV Venlo.

Brian Koglin (1. FC Magdeburg), Ersatztorwart Korbininan Müller (Ziel noch offen) und der bereits vergangene Saison verliehene Maurice Litka (Preußen Münster) hinterlassen derweil keine allzu großen Lücken.

Auf Seiten der Neuzugänge geht es unterdessen bisher überschaubar zu. Einigermaßen früh waren nur die Verpflichtungen von Rico Benatelli (Dynamo Dresden) und Borys Tashchy (MSV Duisburg) perfekt, die allerdings beide zum Start aufgrund von Muskelverletzungen ausfallen.

Am Donnerstagabend wurde schließlich als dritter externer Neuzugang das norwegische Abwehrtalent Leo Östigard (Brighton & Hove Albion, ausgeliehen) präsentiert. Trainer Jos Luhukay zeigt sich trotz des jungen Alters im Vorfeld bereits überzeugt: „Er macht mit seinen erst 19 Jahren einen sehr erwachsenen Eindruck und verfügt über die nötige Ruhe am Ball, hat ein gutes Stellungsspiel und ist kopfballstark“, so der Coach auf der Vereinshomepage.

Hinzu kommen noch der von einer Ausleihe zum FC Ingolstadt zurückgekehrte Cenk Sahin und Luca Zander, der nach einer Ausleihe vom SV Werder Bremen fest verpflichtet wurde. Die Eigengewächse Aurel Loubongo-M’Boungou und Niclas Nadj, beide in der Offensive zu Hause, komplettieren das Aufgebot. Vorerst, denn die Suche nach Verstärkungen ist noch nicht abgeschlossen.

Die aktuelle Form

Nach einem lockeren 11:0 im ersten Vorbereitungsspiel gegen eine Celler Stadtauswahl brachte bereits der zweite Test eine Enttäuschung mit sich. Bei Oberligist Teutonia 05 kam St. Pauli nicht über ein 3:3 hinaus, das einige Defizite zu Tage förderte.

Im ersten Test während des Trainingslagers in Österreich gelang dann gegen den FC Ingolstadt (3:0) zwar eine deutliche Steigerung, doch im zweiten Match auf österreichischem Boden wurde gegen Erstliga-Aufsteiger WSG Swarovski Tirol mit 2:3 verloren. Zurück aus der Alpenrepublik glückte beim SC Weiche Flensburg 08 zumindest ein knapper 1:0-Erfolg, bei dem freilich auch noch reichlich Luft nach oben vorhanden war.

Die Generalprobe für den Ligastart steigt nun am Samstag gegen den SC Heerenveen.

Niklas Hoffmann und Jos Luhukay im Gespräch

Klare Spielidee: St. Pauli-Coach Jos Luhukay (rl.), hier mit Youngster Niklas Hoffmann. ©Imago images/eu-images

Stärken & Schwächen

Die bislang wenigen Neuzugänge haben den Vorteil, dass sich die Mannschaft kennt und einigermaßen eingespielt ist, zumal Trainer Luhukay bereits am Ende der vergangenen Saison einige Wochen Zeit hatte, seine Vorstellungen zu vermitteln.

Mit der Versetzung von Marvin Knoll in die Innenverteidigung verfügt St. Pauli über eine überdurchschnittliche Defensive, in der auch Christopher Avevor und Keeper Robin Himmelmann für Erfahrung und Qualität stehen. Mit Philipp Ziereis ist noch ein weiterer hochkarätiger Innenverteidiger im Aufgebot, der allerdings verletzungsbedingt zum Start keine Option ist.

Neben Ziereis verpassen voraussichtlich auch Luca Zander, Henk Veerman und Johannes Flum sowie die Neuzugänge Benatelli und Tashchy die ersten Spiele. Die enorme Verletztenmisere der vergangenen Saison ist somit noch nicht beendet und führt dazu, dass Coach Luhukay zunächst nur über eine begrenzte Auswahl an Alternativen verfügt. Im Angriff etwa ist Dimitrios Diamantakos in Abwesenheit von Veerman und Tashchy praktisch konkurrenzlos.

Die Verletzungsproblematik und die bisher noch fehlenden Transfers sind ein wesentlicher Grund dafür, dass sowohl bei Luhukay als auch bei vielen Fans die Stimmung alles andere als optimal ist. Ein guter Start wäre aufgrund dieser schwierigen atmosphärischen Ausgangslage umso wichtiger.

Der Trainer

Im Laufe seiner Karriere hat Jos Luhukay mit Borussia Mönchengladbach (2008), dem FC Augsburg (2011) und Hertha BSC (2013) bereits drei Klubs zum Aufstieg in die Bundesliga verholfen. Nach dem Abschied aus Berlin waren die jeweils eher kurzen Engagements beim VfB Stuttgart und bei Sheffield Wednesday indes nicht mehr von Erfolg geprägt.

Dennoch besitzt der mittlerweile 56 Jahre alten Fußball-Lehrer, der als akribischer und detailversessener Arbeiter gilt, weiterhin einen guten Namen in der Branche. Auf St. Pauli ist der Start Luhukays mit nur fünf Punkten aus den letzten sechs Spielen der vergangenen Saison indes nicht gelungen.

Nach einer nicht optimalen Vorbereitung, in der sicherlich auch einige Wünsche des bis 2021 gebundenen Trainers offen geblieben sind, steht Luhukay wie alle Verantwortlichen am Millerntor unter Beobachtung.

Die mögliche Startelf

Am Ende der vergangenen Saison hat Trainer Luhukay noch mehrere Varianten ausprobiert. Zum Auftakt scheidet allerdings die Option Doppelspitze schon mangels verfügbarer Angreifer aus. Somit ist Diamantakos alleine in vorderster Front zu erwarten und dahinter eine eher offensiv ausgerichtete Viererreihe, die von Christopher Buchtmann als einzigem Sechser abgesichert werden dürfte.

Wegen der insgesamt sechs Ausfälle halten sich zum Auftakt die Variationsmöglichkeiten auch in personeller Hinsicht in Grenzen. Am nächsten an der Startelf ist wohl noch Waldemar Sobota, der auf beiden Flügeln spielen kann und somit Ryo Miyaichi und Cenk Sahin Konkurrenz macht.

Die mögliche Startelf: Himmelmann – Kalla, Avevor, Knoll, Buballa – Buchtmann – Miyaichi, Möller Daehli, Becker, Sahin – Diamantakos

Fazit & Prognose

Weil noch mehrere Neuzugänge zu erwarten sind, fällt eine abschließende Bewertung des FC St. Pauli im Moment noch schwer. Klar scheint aber, dass der Kader nicht die Qualität besitzt, um im Aufstiegsrennen mitzumischen. Für das gesicherte Mittelfeld sollte es aber reichen, sofern das Verletzungspech nicht wieder erbarmungslos zuschlägt und noch die eine oder andere Verstärkung an Land gezogen wird.