Fortuna Düsseldorf Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Samstag, 05.09.2020 | 13:00
Matthias Zimmermann im Test gegen Arnhem.

Matthias Zimmermann ist auch im Unterhaus hinten rechts gesetzt. ©imago images/Norbert Schmidt

Die alte Fußballweisheit, dass das zweite Jahr nach dem Aufstieg das schwierigere ist, hat sich für Fortuna Düsseldorf in der zurückliegenden Spielzeit bewahrheitet. Nach dem beinahe sensationellen zehnten Platz mit sicherlich nicht zu erwartenden 44 Punkten in der Saison 2018/19, erwischte es die Rheinländer Ende Juni am letzten Spieltag mit dem direkten Abstieg, obwohl man vor dem letzten Spieltag zumindest die Relegationsteilnahme in der eigenen Hand hatte.

Ausgerechnet an den beiden letzten Spieltagen kam die Fortuna aber nicht ans Leistungslimit und ist nun nach zweijähriger Abwesenheit zurück in der 2. Bundesliga. Als Absteiger zählt Düsseldorf in vielen Vorhersagen automatisch zum Kreis der Aufstiegsanwärter. Wie blicken im Teamcheck von Liga-Zwei.de genauer darauf, wie die Fortuna aufgestellt ist und wagen abschließend auch eine Prognose.

Kader & Transfers

Nicht weniger als 19 Akteure aus dem Kader der vergangenen Saison sind künftig nicht mehr dabei. Routinier Oliver Fink als künftiger Leader der zweiten Mannschaft sowie Davor Lovren, Jannik Theißen, Tim Wiesner und Johannes Bühler bleiben zwar zumindest vorerst im Verein, sind allerdings nur noch für den Unterbau eingeplant.

Richtig schmerzhaft sind die Abgänge von Kaan Ayhan (Sassuolo Calcio), Erik Thommy (war vom VfB Stuttgart ausgeliehen) und Kevin Stöger (noch ohne neuen Klub), die absolute Leistungsträger waren. Auch Niko Gießelmann (1. FC Union Berlin), Markus Suttner (Austria Wien) und bis zu seiner langen Verletzungspause Zack Steffen (Manchester City, war ausgeliehen) hatten einen Stammspieler-Status inne.

Die erst im Winter ausgeliehenen Valon Berisha (nun Stade Reims), Matthias Jörgensen (Fenerbahce Istanbul) und Steven Skrzybski (FC Schalke 04) deuteten ihre Qualitäten an, konnten den Abstieg aber auch nicht verhindern und haben den Verein wieder verlassen, wobei die Fortuna gerade Skrzybski dem Vernehmen nach gerne gehalten hätte. Die übrigen Leihspieler Bernard Tekpetey (nun Ludogorets Rasgrad), Kasim Adams (TSG 1899 Hoffenheim) und Aymen Barkok (Eintracht Frankfurt) erfüllten die Erwartungen aus unterschiedlichen Gründen nicht und sind auch wieder weg. Ebenso wie Michael Rensing (Ziel unbekannt), Diego Contento (SV Sandhausen) und Robin Bormuth (Karlsruher SC), die kaum eine Rolle spielten und deren Verträge ausgelaufen sind.

Neu bzw. wieder im Kader sind die zuletzt verliehenen Emmanuel Iyoha (Holstein Kiel) und Gökhan Gül (SV Wehen Wiesbaden) sowie die aus den eigenen Reihen beförderten Talente Dennis-Adam Gorka, Nikell Touglo und Shinta Appelkamp, zu denen noch der in der Vorbereitung mehrfach eingesetzte und noch für die U19 spielberechtigte Jamil Siebert kommen könnte.

Die durch die Abgänge von Suttner, Gießelmann und Contento entstandene Vakanz auf der linken Abwehrseite soll derweil Florian Hartherz schließen, der mit Arminia Bielefeld den Aufstieg geschafft, aber keinen neuen Vertrag erhalten hat. Mit dem bei Hannover 96 ausgemusterten Edgar Prib stieß ein weiterer, zweitligaerfahrener Akteur zum Aufgebot, der auf verschiedenen Positionen einsetzbar ist.

Der vom SC Freiburg ausgeliehene Brandon Borrello stellt unterdessen eine Alternative für die offensiven Außenbahnen dar, während der polnische U21-Nationalspieler Jakub Piotrowski (KRC Genk) im zentralen Mittelfeld um einen Platz kämpft. Der bislang mutmaßlich wichtigste Neuzugang ist Kevin Danso, der vom FC Augsburg ausgeliehen wurde und der in die Fußstapfen des in die Serie A abgewanderten Ayhan als Abwehrchef treten soll.

Die aktuelle Form

Durch zwei unmittelbar nach dem Testspielauftakt beim TSV Meerbusch (5:0) bekannt gewordene, positive Corona-Tests innerhalb der Mannschaft musste Fortuna Düsseldorf Mitte August zwar aufgrund einer unvermeidbaren Quarantäne vorübergehend kürzer treten und ein Testspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden absagen, doch nach dreitägiger Auszeit konnte der Betrieb wieder weitgehend normal aufgenommen werden.

In der Folge gelang ein 1:0-Sieg im Duell mit dem VfL Bochum, bevor der bis dato letzte Test während des Trainingslagers in den Niederlanden gegen Vitesse Arnheim 2:2 endete. Die Generalprobe für das erste Pflichtspiel im Rahmen des DFB-Pokals beim FC Ingolstadt (12.09.) steigt nun am Samstag gegen den SC Paderborn.

Stärken & Schwächen

Nur fünf Vereine haben in der Bundesliga-Rückrunde seltener verloren als Fortuna Düsseldorf. Doch weil die Rheinländer bei neun Unentschieden auch nur zwei Siege feiern konnten, war die Ausbeute unter dem Strich nicht ausreichend für den Klassenerhalt. In einigen Spielen fehlten dabei der lange Atem und die letzte Konsequenz, den Sack zuzumachen, was weniger auf körperliche Defizite, sondern vielmehr auf eine gewisse mentale Instabilität aufgrund zu vieler Negativerlebnisse zurückzuführen war.

Trotz eines überwiegend zuverlässigen Torjägers Rouwen Hennings, der in Liga zwei für eine zweistellige Anzahl an Saisontoren gut sein sollte, stellte die Fortuna mit lediglich 36 Treffern die schwächste Offensive der zurückliegenden Bundesliga-Saison. In zu vielen Spielen fehlte es dadurch an der letzten Durchschlagskraft, was auch daran lag, dass neben Hennings zu wenige Akteure Torgefahr entwickelten. Kenan Karaman und Erik Thommy trafen noch jeweils sechs Mal, während der übrige Kader lediglich neun Treffer zustande brachte.

Für die 2. Bundesliga bringt die Fortuna unterdessen jede Menge Erfahrung mit. Spieler wie André Hoffmann, Matthias Zimmermann, Jean Zimmer, Alfredo Morales, Marcell Sobottka oder die Angreifer Karaman und Hennings stellen im Unterhaus gehobenes Niveau dar. Zudem ist bei Akteuren wie Dawid Kownacki oder Kelvin Ofori Potential vorhanden, das freilich erst regelmäßig abgerufen werden muss.

Abzuwarten bleibt der Ausgang des Torwartduells zwischen Florian Kastenmeier und Raphael Wolf. Und vor allem, ob einer der beiden Keeper wie erhofft zum verlässlichen Rückhalt avanciert.

Uwe Rösler

Konnte den Abstieg der Fortuna letztlich nicht vermeiden: Uwe Rösler. © imago images / Poolfoto

Der Trainer

Ende Januar kurz nach Rückrundenbeginn als Nachfolger des allseits beliebten Erfolgstrainers Friedhelm Funkel gekommen, hatte Uwe Rösler in seinen ersten Monaten in Düsseldorf keinen ganz leichten Stand. Der ehemalige DDR-Nationalspieler, der zuvor in Norwegen, England und Schweden tätig war, verschaffte sich aber rasch ein gutes Standing, war doch schon nach wenigen Trainingseinheiten eine von Mut und einer gewissen Aggressivität geprägte Handschrift zu erkennen.

Dass es trotz sichtbaren Fortschritten in vielen Bereichen letztlich nicht zum Klassenerhalt reichte, war bitter und auch auf viele, spät aus der Hand gegebene Punkte zurückzuführen. Dennoch hat Rösler sich das Vertrauen erworben, den Neuaufbau in der 2. Bundesliga federführend anleiten zu dürfen. Ausgestattet mit einem Vertrag bis 2021 muss der 51-Jährige, der vor allem auf Betreiben von Ex-Sportvorstand Lutz Pfannenstiel verpflichtet wurde, in einem nicht ganz einfachen Umfeld nun aber Ergebnisse vorweisen.

Die mögliche Startelf

 

Fazit & Prognose

Trotz einiger schwerwiegender Abgänge ist ein sehr solider Grundstock verblieben, der für eine gute Rolle in der 2. Bundesliga reichen sollte. Schlagen die Neuzugänge ein und bildet sich schnell eine funktionierende Achse heraus, könnte Düsseldorf auch im Kampf um Platz drei ein Wörtchen mitreden.

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