Greuther Fürth: Interview mit Paul Seguin

Magdeburg ist für mich ein besonderes Spiel

Paul Seguin von Greuther Fürth

Paul Seguin muss dem Ex-Klub seines Vaters vielleicht weh tun. ©Imago images/Jan Huebner

Er stammt aus Magdeburg, sein Vater war beim 1. FC Magdeburg eine Legende und gewann den Europapokal. Paul Seguin ist nun allerdings bei der Spielvereinigung Greuther Fürth gelandet, reist aber am Samstag zum Auswärtsspiel bei dem abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg. Mit Liga-Zwei.de spricht Seguin über diese besondere Konstellation.

Herr Seguin, hat das Auswärtsspiel am Samstag beim 1. FC Magdeburg für Sie eine besondere Bedeutung?
Paul Seguin: „Das ist schon ein besonderes Spiel. Magdeburg ist meine Heimatstadt, und ich bin dort geboren. Das wird mein erstes Pflichtspiel gegen den 1. FC Magdeburg sein. Letztendlich aber konzentriere ich mich auf meinen Job und möchte meine Aufgabe gut lösen.“

Wie sehen Sie den 1. FC Magdeburg aktuell?
Seguin: „Magdeburg ist mannschaftlich stark. Jeder haut sich voll rein. Zudem ist Magdeburg eine Mannschaft, die jeden Gegner in der 2. Bundesliga schlagen kann. Überhaupt kann in dieser Liga jeder jeden schlagen. Wir müssen alles reinhauen.“

Wolfsburg ist nun einmal ein Bundesligist. (über die Entscheidung für den VfL statt des FCM)

Ihr Vater Wolfgang Seguin hat seine ganze Karriere beim 1. FC Magdeburg verbracht, wurde mit dem Verein dreimal DDR-Meister, gewann fünf Mal den Pokal und wurde 1974 sogar Europapokalsieger. All das geschah weit vor Ihrer Geburt. Welche Verbindung haben Sie dennoch zum 1. FC Magdeburg?
Seguin: „Ich habe einiges von dem Verein mitbekommen und war zusammen mit meinem Vater oft im Stadion. Zudem hat mein Vater in der Traditionsmannschaft gespielt, wo ich dann ebenfalls dabei war. Ich verfolge die Entwicklung des Vereins sehr interessiert und habe mich gefreut, als sie den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft haben. Mein Fokus liegt allerdings auf Fürth.“

Sie sind in Magdeburg geboren, haben aber nie für den Verein gespielt. Warum eigentlich nicht?
Seguin: „Ich habe seitdem ich vier Jahre alt bin für den 1. FC Lok Stendal gespielt. Der 1. FC Magdeburg wäre natürlich die nächste Station gewesen. Eigentlich wollte ich dort auch hin. Dann kam allerdings das Angebot aus Wolfsburg. Wolfsburg ist nun einmal ein Bundesligist und war schon damals sehr professionell aufgestellt. Magdeburg hingegen hat damals noch in der 4. Liga gespielt.“

Die Schule hat darunter gelitten. (über die Jugendzeit in Wolfsburg)

Paul Seguin im Testspiel gegen Magdeburg

Mit 13 Jahren entschied sich Seguin (r.) gegen den 1. FC Magdeburg und ging nach Wolfsburg. ©Imago images/Christian Schrödter

Und wie war das damals beim VfL Wolfsburg für Sie?
Seguin: „Seitdem ich 13 Jahre alt bin, fuhr ich jeden Tag mit dem Zug von Stendal nach Wolfsburg. Das war sehr anstrengend. Auch die Schule hat darunter gelitten, weil ich nicht viel Zeit zum Lernen hatte. Mit 18 Jahren bin ich dann nach Wolfsburg in eine WG gezogen.“

In der Saison 2016 / 2017 haben Sie für den VfL Wolfsburg 22 Bundesligaspiele gemacht. Warum begannen daraufhin die Ausleihen in die 2. Bundesliga – erst zu Dynamo Dresden, dann zur SpVgg Greuther Fürth?
Seguin: „Eigentlich lief es in Wolfsburg wirklich super für mich. Ich war Stammspieler. Dann war ich verletzt. Und es kam ein neuer Trainer, der mehr auf andere Spieler gesetzt hat.“

Wir haben Bock den Ball zu jagen. (über den Spielstil in Fürth)

Sie meinen Andries Jonker…
Seguin: „Genau. Und dann kamen Anfragen vom FC Augsburg und von Dynamo Dresden. In Augsburg hätte ich allerdings als Rechtsverteidiger spielen sollen. Das ist nicht meine Position. Ich bin Mittelfeldspieler. Daher bin ich nach Dresden gegangen. Leider mit dem Ergebnis, dass ich dort auch als Außenverteidiger gespielt habe. Hier in Fürth hingegen war ich von Anfang an als Mittelfeldspieler eingeplant.“

Fürth hat nur eines der letzten sechs Spiele verloren. Was macht die Mannschaft unter Trainer Stefan Leitl momentan so stark?
Seguin: „Wir haben eine sehr gute Stimmung in der Mannschaft und haben alle Spaß am Fußball. Wir sind eklig zu bespielen, arbeiten gut gegen den Ball, haben Bock den Ball zu jagen, jeder ist für den anderen da. Das ist in der 2. Liga sehr wichtig.“

Fürth hat eine Kaufoption. (über einen möglichen Verbleib)

Ihre Mannschaft steht im gesicherten Mittelfeld, kann nicht mehr aufsteigen, wird aber auch nicht mehr in Abstiegsnot geraten. Worum geht es in den verbleibenden vier Spielen?
Seguin: „Wir wollen einfach jedes Spiel gewinnen. Es geht für den Verein auch um Geld. Je weiter oben wir in der Tabelle stehen, desto mehr Fernseheinnahmen gibt es. Es muss für jeden der Anspruch sein, den bestmöglichen Tabellenplatz zu erreichen.“

Sie haben beim VfL Wolfsburg noch einen Vertrag bis Sommer 2020. Allerdings soll die Spielvereinigung eine Kaufoption haben. Würden Sie gerne in Fürth bleiben?
Seguin: „Ansonsten wäre ich nicht hier (lacht). Fürth hat die Kaufoption, das ist richtig. Der Ball liegt also beim Kleeblatt, ich fühle mich aber wirklich wohl und bin froh, dass ich mich im Winter für Fürth entschieden habe.“

Sein Herz ist blau, aber ich bin sein Sohn. (über die Zwickmühle seines Vaters)

Eine letzte Frage: Würde es Ihnen persönlich und vor allem Ihrem Vater nicht doch etwas Leid tun, wenn Sie Magdeburg zurück in die 3. Liga schießen würden?
Seguin: „Natürlich hoffe ich, dass Magdeburg nicht absteigt. Aber es ist mein Beruf, Vollgas zu geben und mich auf meinen Verein zu konzentrieren.“

Und wem drückt Ihr Vater in diesem Spiel die Daumen?
Seguin: „Das ist eine gute Frage. Sein Herz ist blau und wird das auch immer bleiben. Aber ich bin eben sein Sohn. Von daher ist das wahrscheinlich schwierig für ihn.“

Danke für das Interview, Herr Seguin!

Kleeblatt oder FCM – wer gewinnt? Jetzt gebührenfrei & sicher mit paysafecard Sportwetten auf 2.Bundesliga tippen!