Greuther Fürth: Teamcheck 2019/20

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Dienstag, 16.07.19 | 17:47
Tobias Mohr gibt bei Greuther Fürth Anweisungen

Tobias Mohr avancierte in der vergangenen Saison zum Leistungsträger. ©Imago images/EU images

Erst der 33. Spieltag der vergangenen Saison brachte die finale Erleichterung. Bis dahin musste Greuther Fürth um den Klassenerhalt bangen, nachdem ein guter Start eigentlich für Aufbruchstimmung gesorgt hatte. Doch eine längere Talfahrt ließ die Hoffnung auf eine sorgenfreie Spielzeit platzen.

Nachdem 2017/18 sogar bis zum letzten Spieltag gezittert werden musste, kann das Ziel eigentlich nur lauten, sich diesmal aus dem Abstiegskampf fernzuhalten. Aufgrund der Erfahrungen der letzten beiden Jahre blickt man am Ronhof der neuen Saison indes eher skeptisch entgegen. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de nehmen wir die SpVgg detailliert unter die Lupe und geben unsere Einschätzung ab.

Kader & Transfers

Greuther Fürth hat mit Mario Maloca (Lechia Gdansk) und Richard Magyar (Hammarby IF) zwei gestandene Innenverteidiger abgegeben. Im Gegenzug holte die SpVgg für das Abwehrzentrum Mergim Mavraj (FC Ingolstadt) zurück, der künftig der Hintermannschaft Stabilität verleihen soll.

Der ebenfalls in der Innenverteidigung einsetzbare Defensiv-Allrounder Lukas Gugganig, der unter Trainer Stefan Leitl kaum noch berücksichtigt wurde, schloss sich derweil nach Vertragsende dem VfL Osnabrück an. Eigengewächs Benedikt Kirsch schaffte letztlich den Durchbruch nicht und spielt künftig für Türkgücü München in der Regionalliga.

Während die zuletzt bereits ausgeliehenen Paul Seguin (VfL Wolfsburg) und Hans Nunoo Sarpei (VfB Stuttgart) weiterverpflichtet werden konnten, haben die drei anderen Leihspieler Yosuke Ideguchi (Leeds United), Fabian Reese (FC Schalke 04) und David Atanga (nun Holstein Kiel) den Verein verlassen.

Neben Mavraj ist auch Marvin Stefaniak, eine weitere Wolfsburg-Leihgabe, neu in Fürth. Der ehemalige Dresdner hofft seiner zuletzt ins Stocken geratenen Karriere in Fürth wieder Schwung verleihen zu können. Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer (Waldhof Mannheim) macht dem bislang weitgehenden konkurrenzlosen Maximilian Sauer Druck.

Außerdem wurden Linksverteidiger Alexander Lungwitz (FC Bayern München U19) sowie die Offensivkräfte Robin Kehr (Borussia Dortmund U19) und Benedikt Zahn (FC Schalke 04 II) als Perspektivspieler unter Vertrag genommen. Die eigenen Nachwuchsspieler Mert-Yusuf Torlak, Viktor Miftaraj und Jamie Leweling absolvierten die Vorbereitung ebenfalls mit den Profis und setzten durchaus Duftmarken.

Die aktuelle Form

Zu Beginn der Vorbereitung ist die SpVgg in der Region geblieben und hat die ersten drei Testspiele beim SV Gutenstetten-Steinachgrund (12:0), beim ASV Zirndorf (7:0) und beim SC Eltersdorf (3:1) allesamt mehr oder weniger deutlich gewonnen.

Während des Trainingslagers in Österreich gab es dann gleich zwei Vergleiche mit dem englischen Premier-League-Absteiger Huddersfield Town. Nach einem 1:1 im ersten Aufeinandertreffen zog das Kleeblatt im zweiten Duell mit 0:1 den Kürzeren.

Auf der Heimreise trat die SpVgg zu einem Blitz-Turnier in Heimstetten an. Gegen den FC Augsburg wurde in 45 Minuten mit 0:1 verloren. Der TSV 1860 München wurde dafür mit dem gleichen Ergebnis bezwungen.

Stefan Leitl als Trainer der SpVgg Greuther Fürth

Kleeblatt-Coach Stefan Leitl forderte jüngst noch Verstärkungen für die Offensive. ©Imago images/Eibner Europa

Stärken & Schwächen

Trotz der Abgänge von Maloca und Magyar hat die SpVgg defensiv in den Testspielen einen guten Eindruck hinterlassen. Nicht zuletzt wegen Rückkehrer Mavraj, der der jungen Mannschaft mit seiner Erfahrung in vielerlei Hinsicht gut tut. Der albanische Nationalspieler, der in Heimstetten allerdings eine leichte Schulterblessur erlitt, sollte zusammen mit Marco Caligiuri ein Bollwerk in der Innenverteidigung bilden – allerdings mit Tempodefiziten.

Insgesamt gilt es die Rückwärtsbewegung nach 56 Gegentoren in der vergangenen Spielzeit zu optimieren. Nur noch 17 Gegentreffer in den 14 Partien nach dem Trainerwechsel von Damir Buric zu Stefan Leitl waren diesbezüglich aber schon in der Rückrunde ein deutlicher Fortschritt.

Ein solcher ist in der Offensive hingegen ausgeblieben. Nur Absteiger 1. FC Magdeburg (35) unterbot die Fürther Ausbeute von 37 Toren noch knapp. Einzig Daniel Keita-Ruel erwies sich mit zehn Treffern als regelmäßiger Torschütze, hatte indes auch eine längere Durststrecke zu überwinden. Auf dem Transfermarkt wurde bislang kein Spieler verpflichtet, der die Torgefahr signifikant erhöht.

Um in der Offensive konkurrenzfähig zu sein, müssen noch Verstärkungen her, die Trainer Leitl bereits auch recht offensiv eingefordert hat. Darüber hinaus müssen auch Spieler aus der zweiten Reihe oder dem Defensivverbund häufiger treffen als in der vergangenen Saison. Gefordert sind diesbezüglich vor allem Tobias Mohr, Sebastian Ernst und Paul Seguin, von denen generell die Entwicklung zu Führungsspielern erwartet wird.

Der Trainer

Zu Beginn der Saison 2018/19 wurde Stefan Leitl noch beim FC Ingolstadt entlassen, um dann im Februar dem Ruf aus Fürth zu folgen und die SpVgg letztlich zum Klassenerhalt zu führen. Wie im Vorjahr in Ingolstadt hatte der 41-Jährige nun erneut die Gelegenheit, bei der Kadergestaltung mitzureden und muss sich künftig auch daran messen lassen, dass nach der ersten Vorbereitung „seine“ Mannschaft auf dem Platz steht.

Schon in der Rückrunde war unter Leitls Regie zu erkennen, dass ein besonderer Fokus auf hohem Pressing und einem schnellen Umschaltspiel liegt. Daran wird sich auch in der neuen Saison nichts ändern, wobei in der Umsetzung schon noch Luft nach oben war.

Die mögliche Startelf

Mit Sebastian Ernst, den nach einem Mittelfußbruch aus der Vorsaison noch immer Probleme plagen, wird ein potentieller Leistungsträger den Saisonstart wohl verpassen. Für Mavraj sollte es trotz einer Schulterverletzung reichen. Von den Neuen dürfte neben Mavraj Marvin Stefaniak die besten Karten haben, aber auch Youngster Jamie Leweling darf auf dem Flügel auf eine Nominierung hoffen.

Trainer Leitl setzt auf ein recht offensiv ausgerichtetes 4-3-3, in dem Seguin als einzigem Sechser eine Schlüsselrolle zufällt. Generell erfordert dieses System viel Laufarbeit, insbesondere von den Achtern und den Akteuren auf der Außenbahn. Darauf wurde bei der Kaderzusammenstellung aber offenkundig geachtet, sodass die entsprechenden Voraussetzungen vorhanden sind.

Die mögliche Startelf: Burchert – Sauer, Caligiuri, Mavraj, Wittek – Seguin – Green, Mohr – Stefaniak, Keita-Ruel, Redondo

Fazit & Prognose

Zweimal in Folge war der Klassenerhalt erst spät perfekt. Weil die großen Defizite im Spiel nach vorne bislang nicht behoben wurden, steht der SpVgg das nächste schwierige Jahr bevor. Finden sich die dringend nötigen Verstärkungen für die Offensive nicht, könnte ein Happy End diesmal ausbleiben.