Greuther Fürth Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Freitag, 11.09.2020 | 11:30
Anton Stach von Greuther Fürth

Anton Stach ist einer von wenigen Zugängen beim Kleeblatt. ©Imago images/ Chai v.d. Laage

Die Rückrunde verlief zwar mit 19 Punkten eher durchwachsen, doch dank der 25 Hinrundenzähler konnte Greuther Fürth im Endspurt den Abstiegskampf aus sicherer Entfernung verfolgen. Das war in den Jahren zuvor nicht der Fall und schon alleine deshalb fiel das Fazit unter dem Strich positiv aus.

Aufgrund der im Ligavergleich weiterhin eher geringen wirtschaftlichen Mittel dürfte trotz einer angestrebten Weiterentwicklung nun auch in der neuen Spielzeit die oberste Priorität darauf liegen, sich in sicherem Abstand zur gefährdeten Zone aufzuhalten. Im Teamcheck von Liga-Zwei.de blicken wir darauf, was sich bei der SpVgg in den letzten Wochen getan hat und wie die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl gerüstet ist.

Kader & Transfers

Während bei anderen Vereinen eine zweistellige Anzahl an Zu- und Abgängen zu vermelden ist, hat sich bei Greuther Fürth in personeller Hinsicht vergleichsweise wenig verändert. Sechs Profis werden auf der Seite der Abgänge geführt, wobei der nun endgültig zu den Würzburger Kickers transferierte Patrick Sontheimer bereits vergangene Saison als Leihspieler zum Aufstieg des neuen Ligarivalen beigetragen hat.

Mit dem von Werder Bremen ausgeliehenen Felix Beijmo (jetzt Malmö FF) und Maximilian Sauer (MSV Duisburg) haben gleich zwei Rechtsverteidiger dem Ronhof den Rücken gekehrt, für die letztlich Vorjahreseinkauf Marco Meyerhöfer ein zu starker Konkurrent war. Mehr Einsatzzeiten und Einfluss hatten Linksverteidiger Maximilian Wittek (Vitesse Arnheim), Innenverteidiger Marco Caligiuri (Karriereende) und Angreifer Daniel Keita-Ruel (SV Sandhausen), deren Abgänge weitaus schwieriger zu kompensieren sein dürften.

Neu im Kader sind bislang lediglich drei junge Akteure ohne Zweitliga-Erfahrung, aber mit Potential. Während sich der aus der fünftklassigen Bayernliga gekommene Stürmer Dickson Abiama (SC Eltersdorf) in der Vorbereitung schon treffersicher gezeigt hat, bewirbt sich der bei Paris St. Germain ausgebildete und zuletzt in Österreichs zweiter Liga für den FC Liefering aktive Abdourahmane Barry als einer von drei jungen Innenverteidigern neben Paul Jaeckel und Maximilian Bauer um den Platz im Abwehrzentrum neben Routinier Mergim Mavraj.

Anton Stach, der von der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg verpflichtet wurde, heizt den ohnehin großen Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld weiter an und könnte auch ein Vorgriff für den Fall sein, dass der bereits in den vergangenen Wochen von anderen Klubs umworbene Paul Seguin nicht auf Dauer gehalten werden kann.

Die aktuelle Form

Mit einem 2:2 gegen den SV Wehen Wiesbaden und einen 3:0-Sieg gegen die SpVgg Unterhaching begann die Phase der Testspiele mit zwei ordentlichen bzw. guten Ergebnissen gegen Drittligisten, ehe die Partien gegen die TSG 1899 Hoffenheim (0:1) und den Halleschen FC (0:1) nicht den erhofften Verlauf nahmen.

Dafür aber nutzte die SpVgg die letzten drei Testspiele, um richtig Selbstvertrauen zu tanken. Mit einem durchaus überraschenden 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach setzte die Leitl-Elf ein erstes Ausrufezeichen und ließ im ligainternen Test gegen Jahn Regensburg ein 3:0 folgen. Noch einmal getoppt wurde dieser Erfolg dann am vergangenen Wochenende, als die Generalprobe gegen den österreichischen Erstligisten SCR Altach sogar mit einem 5:0-Kantersieg endete.

Stärken & Schwächen

In den letzten Testspielen hat sich Fürth zumindest den Ergebnissen nach zu urteilen defensiv wie offensiv in einer exzellenten Frühform präsentiert. Viele Details zu diesen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragenen Partien hat der Verein aber nicht verraten, sodass doch das eine oder andere offene Frage bleibt. Dazu gehört sicherlich, ob der Abgang von Kapitän Caligiuri zum einen als Abwehrchef, zum anderen aber auch als Leader aufgefangen werden kann.

Auch fehlen die Tore von Keita-Ruel, der in den vergangenen beiden Spielzeiten 19 Mal einnetzte und für den bislang kein gestandener Ersatz gekommen ist. Der aus der Bayernliga gekommene Abiama hat zwar in der Vorbereitung regelmäßig getroffen, muss sich aber wie auch die übrigen Neuzugänge Stach und Barry erst noch in der 2. Bundesliga beweisen. Mit Havard Nielsen und Branimir Hrgota verfügt die SpVgg aber über zwei erfahrene Angreifer, die auch künftig für einige Tore gut sein sollten.

Zudem schlummert im Kader jede Menge Potential. Akteure wie Jamie Leweling, David Raum, Paul Seguin, Timothy Tillman oder auch der in der Vorbereitung starke Julian Green sind noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Gelingt einem der genannten Akteure oder auch einem anderen der vielen jungen Profis der nächste Schritt, würde es für die SpVgg freilich wohl nicht ganz leicht, einen Abschied in Richtung Bundesliga zu verhindern.

Stefan Leitl

Seit Februar 2019 Trainer in Fürth: Stefan Leitl. © imago images / Eibner Europa

Der Trainer

Nach der erfolgreichen Rettermission in der Rückrunde 2018/19 war die vergangene Spielzeit die erste, in der Stefan Leitl von Anfang an seine Vorstellungen in personeller wie taktischer Hinsicht einbringen konnte. Hohes Pressing ist in Leitls Philosophie nach wie vor ein zentraler Punkt, woraus sich automatisch ein ebenso mutiger wir riskanter Ansatz ergibt. Den eigenen Ballbesitz nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu steigern, steht für die neue Saison aber weiterhin auf der Agenda.

Leitl, der anfänglich als ehemaliger Profi des 1. FC Nürnberg mit gewissen Vorbehalten insbesondere beim Anhang zu kämpfen hatte, dank seiner Arbeit aber beim Großteil der Fans längst anerkannt ist, geht mit einem auslaufenden Vertrag in die neue Saison. Das allerdings ist nichts Neues, erfolgte die letzte Verlängerung des 43 Jahre alten Fußball-Lehrers auch erst im November 2019.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung von Greuther Fürth

Mögliche Aufstellung von Greuther Fürth

Fazit & Prognose

Ob die durchaus schmerzhaften Abgänge von Caligiuri, Wittek und Keita-Ruel vollends kompensiert werden können, bleibt abzuwarten. Ungeachtet dessen verfügt Fürth über ausreichend Qualität, um sich aus dem Abstiegskampf fernhalten zu können. Ein Trumpf dürfte dabei sein, dass sich insgesamt im Kader nur wenig verändert hat und damit viele Automatismen sitzen. Letztlich erwarten wir die SpVgg im Tabellenmittelfeld, allerdings eher auf einem zweistelligen Platz.

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