Neue DFB-Regel trägt Butscher-Vorstoß

Interimstrainer kann zur Dauerlösung werden

Heiko Butscher beim Training des VfL Bochum

Dürfte den VfL auch dauerhaft trainieren. Die DFB-Regelanpassung würde den ‚Cheftrainer Heiko Butscher‘ erlauben. ©imago images/MaBoSport

Heiko Butscher nutzte die Gunst der Stunde, mehr noch: Die Gunst der neuen Regelung. Ja, der VfL Bochum hatte soeben einen erstaunlich starken Auftritt hingelegt beim hauchdünnen 1:2 in Stuttgart, doch noch überraschender war dann das, was der vermeintliche Interimstrainer des VfL Bochum im Interview mit den Reportern von ‚Sky‘ verkündete.

Als er spürte, wieviel Anerkennung die Leistung des VfL an diesem Abend ausgelöst hat, ergriff er entschlossen die Chance, um einiges klarzustellen. Weitaus entschlossener als seine Stürmer beim Versuch, Stuttgarts Kobel ein zweites Mal zu überwinden.

Ausbildungs-Teilnahme gilt als Berechtigung

„Theoretisch könnte ich die Mannschaft weiter trainieren, da ich derzeit schon im Lehrgang bin“, sagte Butscher und er ließ bei dieser Gelegenheit durchaus durchblicken, dass er sich diesen Job bereits zutraue. Butscher ist Insider einerseits und ein gutes Stück guter, alter VfL-Geschichte anderseits. „Der Verein weiß hoffentlich, was er an mir hat“, sagt Butscher, als wollte er betonen: Ja, ich kenne den VfL, das Team, die Probleme und den neuen Weg. Rums – das hatte gesessen und so manchen Zuhörer sprachlos gemacht.

Butscher hat Recht. In der Tat ist es so, dass die Teilnehmer der aktuellen Ausbildung zum Fußball-Lehrer darüber informiert sind, dass bereits mit ihrer Ausbildungs-Teilnahme die Berechtigung existiert, dort zu arbeiten, wo die Fußball-Lehrer-Lizenz Bedingung ist. Diese Regelung hatte erstmals im vorigen Lehrgang bestand. So war es möglich, dass Cristian Fiel für seine Arbeit mit Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga die Zulassung erhielt, obwohl er die Lizenz noch gar nicht hatte. Dies freilich korrespondierte bereits mit der finalen Phase der Ausbildung.

Praxis sammeln liegt im Trend

Auf der Basis dieser neuen Regelung hat nun Bochums Butscher seinen Hut zu einem bereits sehr frühen Zeitpunkt der Ausbildung in den Ring geworfen. Ist das realistisch? Von Montag bis Mittwoch gilt an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef die Anwesenheitspflicht.

Doch Butscher scheint zu ahnen, dass es weitere Nischen geben könnte: „Da müsste man Lösungen finden.“ Ein glücklicher Umstand wäre die kurze Distanz zwischen Bochum und Hennef. Und Fakt ist auch: Praxis sammeln liegt genau im Trend der Ausbildung. Auch Tim Borowski, der bei Werder Bremen Florian Kohfeldt assistiert, verbringt seine Ausbildung häufiger am Weserstadion als dies noch unter Frank Wormuth möglich war.

Ich hätte diese Regelung nicht zugelassen, hätte sie konsequent rausgekegelt (Ex-DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth)

Liga-Zwei.de befragte Wormuth, der über ein Jahrzehnt die Fußball-Lehrer-Ausbildung leitete und im vorigen Jahr beim DFB ausstieg, um den niederländischen Erstligaklub Heracles Almelo zu trainieren. Wormuth bestätigte, dass DFL und DFB diese Vereinbarung getroffen hätten. Er gibt im gleichen Atemzug freilich zu, dass er diese Vereinbarung in seiner früheren Funktion als Chefausbilder des DFB nicht zugelassen hätte.

„Welche Funktionen haben dann überhaupt noch Prüfungen und Leistungstests, wenn jeder Teilnehmer bereits von Beginn an mit dem Status des Fußball-Lehrers agieren kann?“, fragte Wormuth damals und dies tut er auch heute noch. Somit stellt er klar: „Ich hätte diese Regelung nicht zugelassen, hätte sie konsequent rausgekegelt.“

Der aktuelle Lehrgangschef Daniel Niedzkowski hat sich und sein Ausbildungsprogramm eingestellt auf die neuen praxisorientierten Freiheiten der Ausbildung. Heiko Butscher glaubt sie erkannt zu haben. Ob er sie auch nutzen kann, dies liegt nun tatsächlich allein in den Händen des VfL Bochum…

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