SC Paderborn: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Ein halber Neuzugang, ein Rückkehrer und ein Talent in Lauerstellung

Autor: Christian Slotta Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.18 | 07:41
Klaus Gjasula hat sich in seiner ersten Zweitliga-Saison direkt als Stammspieler bewiesen.

Zeigt auch in Paderborn seine Zweikampfstärke und Übersicht: KLaus Gjasula. ©Imago/Christian Schroedter

Ein Aufstieg hat oftmals personelle Nachrüstungen zur Folge, um sich dem Leistungsniveau der höheren Liga anpassen zu können. So auch beim SC Paderborn, der sich nach seinem Aufstieg in Liga zwei gleich mehrfach auf dem Transfermarkt bediente.

Mit Klaus Gjasula gelang es einem Zweitliga-Debütanten sich direkt im defensiven Mittelfeld festzusetzen und einen Stammplatz zu erkämpfen. Liga-Zwei.de hat mit seinem Ex-Trainer Rico Schmitt darüber gesprochen, was Gjasula so stark macht und woran er noch arbeiten sollte. Außerdem gibt es von uns auch die Bewertungen der anderen Neuzugänge des SCP.

Herr Schmitt, was sind die drei größten Stärken von Klaus Gjasula?
Rico Schmitt: „Der Wille. Das ist eine absolute Stärke von ihm. Außerdem zeigt er Demut, weil er schon viele Höhen und Tiefen des Fußballsports mitgemacht hat. Er weiß, wo er herkommt. Und er weiß auch ganz genau, wie er andere Leute mitreißen kann. Das ist seine dritte große Qualität.“ 

Sie haben ihn in Offenbach trainiert und später nach Halle geholt. Kann man sagen, dass Klaus Gjasula so eine Art Lieblingsspieler von Ihnen ist?
Schmitt: „Er verkörpert ganz viele Dinge, die mir im Fußball gefallen. Er hat ein ausgeprägtes strategisches Bewusstsein auf seiner Position, eine starke Persönlichkeit und eine hohe spielerische Qualität. Außerdem will er permanent noch lernen und sich weiterentwickeln.“

„ Der Junge hat das Funkeln in den Augen. ”
Rico Schmitt über Gjasulas Ehrgeiz

Apropos lernen und sich weiterentwickeln – Klaus Gjasula ist nun erstmals in der Zweiten Liga angekommen. Als Sie gehört haben, dass er zum SC Paderborn wechselt, wie sicher waren Sie sich, dass er sich als 28jähriger Debütant auch noch in Liga zwei durchsetzen kann?
Schmitt: „Hundert prozentig sicher. Weil er eben den angesprochenen Willen, seine stark zielfokussierte Persönlichkeit und die Demut mit sich bringt. Er stellt sich dem Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft und auch innerhalb der gesamten Liga. Ihm ist bewusst, dass er einen guten Job machen muss, um auch zu spielen. Der Junge hat das Funkeln in den Augen. Das hatte er schon, als ich ihn nach Offenbach geholt habe, und das hat er sich auch immer noch bewahrt.“

Der SC Paderborn begeistert als Aufsteiger durchaus mit seinem Offensivfußball. Welche Rolle spielt Gjasula dabei?
Schmitt: „Er ist der Center-Spieler. Eben auch mit dem dritten oder gar vierten Auge. Er sichert dieses extrem schnelle Umschaltspiel, das die Paderborner auszeichnet, ab und entwickelt zudem immer mal wieder Torgefahr. Das ist eine Sache, die ich ihm selbst auch ans Herz gelegt habe, als zentraler Mittelfeldspieler auch entsprechend Torgefahr zu kreieren. Und seine primäre Aufgabe als Spielentwickler und Ankerspieler löst er in Paderborn bisher sehr gut. Ich hoffe und denke, dass mein Kollege Steffen Baumgart mit ihm zufrieden ist.“

Als Neuzugang zählt er direkt zum Mannschaftsrat. Was macht den Spieler zu solch einer Führungsfigur?
Schmitt: „Zum einen kann er, wie schon gesagt, Mitspieler begeistern. Er geht voran. Ob das im Training ist oder auch im Wettkampf. Seine Ansprachen im Kreis vor dem Spiel sind immer herausragend gewesen. Zum anderen ist er mit seiner Vorbildfunktion auch neben dem Platz für andere Spieler da. Er ist Vollprofi. Ein Spieler, der sich hochgekämpft hat. Kein arrivierter Spieler, der schon 200 Zweitligaspiele hat. Er ist im besten Fußballeralter und will immer noch was erreichen. Jetzt eben mit dem SC Paderborn. Es spricht für seine Persönlichkeit und seinen Charakter, dass er dort sofort Bestandteil des Mannschaftsrats ist.“

„ Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, tut er das auch kund. ”
Rico Schmitt über Gjasulas Gerechtigkeitssinn

Kommen wir mal zu einem Fakt, den man ihm vielleicht negativ auslegen könnte.
Schmitt: „Die gelben Karten. (lacht)“

Genau die meine ich. Was sagt man denn zu einem Spieler, der so wichtig ist für sein Team, aber zwei- bis dreimal pro Saison aufgrund einer Gelbsperre fehlt?
Schmitt: „Das ist sein großer Optimierungsbereich. Da kommt seine Mentalität immer wieder heraus. Wenn der FI-Schutzschalter, so habe ich immer gesagt, beim Klaus ausgefallen ist, dann gibt es kein Halten mehr. Er ist ein Mensch, der sehr auf Gerechtigkeit gepolt ist – eben auch im Wettkampf, im Spiel. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, ob es nun vom Gegner oder auch eine Entscheidung des Schiedsrichters ist, tut er das auch kund. Das begleitet ihn durch seine gesamte Karriere.

Ich denke, dass er da in Paderborn bestens aufgehoben ist, um doch noch mal an dieser Stellschraube zu drehen: im Personal-Coaching mit Martin Daxl (Anm. d. Red.: Leiter der DAVITASPORTS Akademie und Potenzial- und Persönlichkeits-Trainer des SCP), seinem Trainerteam oder auch durch den Manager Markus Krösche. Den gegnerischen Trainern ist diese Thematik ja auch bewusst. Da darf er sich dann auch nicht mehr zu schnell locken lassen, sage ich mal. Ich gehe davon aus, dass er in Paderborn an diesem Potential arbeitet“

Sein Helm beweist es: Klaus Gjasula ist hart im Nehmen. Gab es für Sie als seinen Trainer mal Situationen, in denen Sie ihn schon mal vor sich selbst schützen mussten, weil er zum Beispiel zu ungeduldig war?
Schmitt: „Nach seiner schweren Verletzung letzte Saison musste man ihn schon bremsen. Er wollte nach dem schweren Start unbedingt der Mannschaft helfen. Doch aufgrund anderer warnender Beispiele wollten wir ihm nach seinem Mittelfußbruch unbedingt genügend Zeit zur Gesundung lassen. Es hätte uns nichts gebracht, wenn er zwei Spiele spielt und dann wieder hätte aussetzen müssen. Doch diese Geduld zu bewahren, fiel ihm nicht leicht. Das waren dann auch anspruchsvolle Gespräche mit ihm.“

Unsere Bewertungen der Paderborner Neuzugänge

Marlon Ritter kam an seine starke Leistung der letzten Saison noch nicht heran.

Letzte Saison noch geliehen, dieses Jahr fest vom SC Paderborn verpflichtet: Marlon Ritter. ©Imago/PMK

Volltreffer:
Klaus Gjasula – Obwohl der 28-Jährige für den SC Paderborn erstmals in der Zweiten Liga aufläuft, hat er sich zügig in der Stammelf festgespielt und fungiert als wichtige Schaltzentrale und Führungsfigur auf und neben dem Platz in Ostwestfalen.

Bernard Tekpetey – Der Stürmer, der zumeist über die rechte Angriffsseite kommt, ist nach kurzer Eingewöhnungszeit immer besser in Tritt gekommen. Seit dem fünften Spieltag gelangen ihm vier Treffer für den SCP.

Mohamed Dräger – Mit einer Ausnahme stand der Rechtsverteidiger immer in der Startelf: Am vierten Spieltag musste der Leihspieler vom SC Freiburg aufgrund einer Gelb-Rot-Sperre aussetzen. In seinen zehn Partien gelangen Dräger bereits drei Torvorlagen.

Guter Griff:
Tobias Schwede – Der Neuzugang vom Mitaufsteiger 1. FC Magdeburg stand in acht der elf Partien in der Startfelf. Auf der Position im linken Mittelfeld konnte der 24-Jährige bisher einen Treffer und eine Torvorlage beitragen.

Sebastian Vasiliadis – Der 21jährige Mittelfeldspieler durfte nach fünf Einwechslungen zuletzt zwei Mal von Beginn an ran und zeigte dabei, was für großes Potential in ihm steckt. Gegen Sandhausen bereitete er gar alle drei Tore vor.

Babacar Gueye – Der aus Hannover gekommene Stürmer könnte sicher noch seine Torausbeute (zwei Tore in sechs Spielen) nach oben schrauben, doch der Senegalese bewies auch durch seinen Kampfgeist seine Wichtigkeit für die Paderborner Offensive.

Ausbaufähig:
Uwe Hünemeier – Nach drei Jahren England kam der 32-Jährige von Brighton & Hove zurück zum SCP. Nachdem er sich zwischenzeitlich seinen Stammplatz erkämpfte, hat er diesen nach nur vier Spielen wieder verloren und muss mit der Bank vorlieb nehmen.

Marlon Ritter – Der Neuzugang, der letztes Jahr schon das Paderborner Trikot trug, wurde diese Saison fest nach seiner Leihe aus Düsseldorf verpflichtet. An seine Leistungen der letzten Saison kam er bisher aber noch nicht heran.

Leon Brüggemeier – Der 21-Jährige, der von Herthas zweiter Mannschaft kam, schaffte es bisher nicht über den Status des dritten Keepers hinaus und kam lediglich in der Oberliga-Mannschaft Paderborns zum Einsatz.

Julius Düker – Wie Schwede kam auch Julius Düker vom Mitaufsteiger aus Magdeburg. Doch bisher konnte sich der 22-jährige Stürmer noch nicht durchsetzen und kam lediglich auf zwei Kurzeinsätze nach Einwechslung.

Noch kein Mitglied beim SCP-Sponsor? Jetzt aktuelle sunmaker Erfahrungen lesen & bis zu 200€ Willkommensbonus sichern!