SpVgg Greuther Fürth: Der Liga-Zwei Teamcheck

Geht der Trend wieder nach oben?

Autor: Christian Slotta Veröffentlicht: Samstag, 30.07.16 | 08:42
Sebastian Freis war in der vergangenen Saison Top-Torschütze von Greuther Fürth.

Kann er Greuther Fürth wieder weiter nach oben ballern? Torjäger Sebastian Freis (2.v.l.). ©Imago

Nach vier Siegen hintereinander im September 2015 schien es so, als könnte die SpVgg Greuther Fürth mal wieder an die Tür zur Bundesliga anklopfen. Anschließend waren die Leistungen der Mannschaft aber einfach nicht konstant genug, es gab zwischendurch – teils herbe – Niederlagen wie beim 0:5 gegen den VfL Bochum und dem 2:5 in Freiburg.

Am Ende der vergangenen Saison stand ein 9. Platz, weder Fisch noch Fleisch. Jetzt will sich der ehemalige Bundesligist wieder an die oberen Tabellen-Regionen heranpirschen. Ob das klappen kann, haben wir in unserer Saisonvorschau für Euch gecheckt – lest hier unsere Analyse zu Greuther Fürth!

Der Kader

Gleich drei Spieler hat das „Kleebatt“ an Bochum abgegeben, allerdings war von denen nur Marco Stiepermann ein wichtiger Stammspieler. Der offensive Mittelfeldmann, der oft auch auf Rechtsaußen zum Einsatz kam, erzielte in der abgelaufenen Spielzeit fünf Tore. Die Abgänge von Johannes Wurtz und Tom Weilandt dürften deutlich leichter zu verkraften sein: Beide wurden nach einem guten Saisonstart immer wieder durch Verletzungen und Krankheiten zurückgeworfen.

Verlassen hat den Klub auch Benedikt Röcker. Der Innenverteidiger absolvierte die ersten 20 Spiele der Saison 2015/16 über die vollen 90 Minuten. Danach setzte Trainer Stefan Ruthenbeck nicht mehr ganz so häufig auf ihn. Im Sommer folgte der Wechsel zu Bröndby IF und Coach Alexander Zorniger. Adäquaten Ersatz konnte das Kleeblatt aber im österreichischen U21-Nationalspieler Lukas Gugganig holen, der vom FSV Frankfurt kam, sich aber wohl erst hinter Caliguiri/Franke anstellen muss.

In der vergangenen Saison bekam Fürth 55 Gegentreffer, nur der Absteiger FSV Frankfurt war in dieser Hinsicht noch anfälliger. Es musste also etwas passieren. Die Lösung: Mit Balasz Megyeri (FC Getafe) und Sascha Burchert (Hertha BSC) kamen zwei neue Torhüter. Der Stammkeeper der vergangenen Spielzeit, Sebastian Mielitz, soll sich einen neuen Verein suchen – das will er aber gar nicht.

Neu im Kader sind auch zwei Außenbahn-Spieler, die zuletzt für Fortuna Düsseldorf aufliefen: Mathis Bolly, der momentan noch eine Patellasehnenreizung auskurieren muss, und Sercan Sararer, der schon bis 2013 am Ronhof spielte und sich jetzt für eine Rückkehr entschieden hat. Vielversprechend ist auch die Verpflichtung von Khaled Narey, einem talentierten Rechtsverteidiger. Der 22-Jährige spielte bisher für Borussia Dortmund II.

Die aktuelle Form

Insgesamt war die Vorbereitung der Franken ganz in Ordnung. Es gab nur eine einzige Niederlage, ein 2:3 beim Zweitliga-Absteiger SC Paderborn 07. Bisheriges Highlight war der 1:0-Erfolg gegen den türkischen Erstligisten Caykur Rizespor. Trotzdem bleibt abzuwarten, wie gut die Fürther wirklich sind – die Testspiele lieferten dahingehend noch keine großen Erkenntnisse.

Stärken & Schwächen

Die SpVgg hat eine extrem eingespielte Mannschaft, aus der Stammformation des Vorjahres hat nur Stiepermann den Verein verlassen. Wir rechnen damit, dass Ruthenbeck zunächst höchstens drei neue Spieler in die erste Elf berufen wird. Sicher ist, dass Greuther Fürth über eine gute Mischung aus jungen Leuten wie Narey und Innenverteidiger Marcel Franke sowie erfahrenen Akteuren wie Jurgen Gjasula und den letztjährigen Top-Torjäger Sebastian Freis verfügt.

Wie bereits angesprochen, war die Defensive das große Problem in der Spielzeit 2015/16. Es bleibt aber fraglich, ob die Sorgen des „Kleeblatts“ nur mit der Verpflichtung neuer Torhüter abgestellt werden kann. Zumal die beiden, die sich wohl um den Status als Nummer 1 streiten werden, bei ihren bisherigen Klubs kaum zum Einsatz gekommen sind: Megyeri machte für den FC Getafe in der abgelaufenen Spielzeit lediglich zwei Spiele im spanischen Pokal, Burchert wurde seinerseits nur 2-mal in der Regionalliga-Mannschaft von Hertha BSC eingesetzt.

Stefan Ruthenbeck, Trainer von Greuther Fürth.

Stefan Ruthenbeck erlebt in seinem 1. Jahr am Ronhof eine Saison mit Höhen und Tiefen. ©Imago

Der Trainer

Stefan Ruthenbeck kam vor der vergangenen Saison vom VfR Aalen an den Ronhof. Sein Ziel für das 2. Jahr dürfte sein, dieses nicht wieder mit einer negativen Bilanz wie in seiner Premieren-Spielzeit (13 Siege, 14 Niederlagen) abzuschließen. Der gebürtige Kölner ist dafür bekannt, einen sehr engen Kontakt zu seiner Mannschaft zu pflegen.

Die mögliche Startelf

Ruthenbecks bevorzugtes Spielsystem ist ein 4-2-3-1. Er verlangt von seinen Spielern ein starkes Pressing und will, dass sein Team möglichst immer mehr Ballbesitz hat als der Gegner. Im Großen und Ganzen dürften die Positionen vergeben sein, nur im Tor hat der Trainer wohl noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Wir sehen Megyeri aber leicht vorne.

Denkbar ist für uns auch, dass Rückkehrer Sararer auf der rechten offensiven Außenbahn spielt. In dem Fall könnte der hochveranlagte Veton Berisha auf seiner angestammten Position als Mittelstürmer beginnen. Aktuell rechnen wir dieser Startaufstellung:
Megyeri – Gießelmann, Caligiuri, Franke, Narey – Hofmann, Gjasula – Freis, Zulj, Sararer – Berisha.

Unser Fazit

Zugegeben: Es fällt uns recht schwer, die Stärke der SpVgg Greuther Fürth einzuschätzen. Wenn das Team in einen Lauf kommt, dann kann es für jeden Gegner in der 2. Bundesliga unangenehm werden. Allerdings muss man abwarten, ob sich die Defensive stabilisiert. Erste Aufschlüsse darüber dürfte es nach dem Saisonauftakt mit den Partien gegen 1860 München, Hannover 96, Erzgebirge Aue und Fortuna Düsseldorf geben.

Liga-Zwei Tipp: Platz 10 bis 15.