SV Sandhausen Teamcheck

Analyse & Prognose zur neuen Saison

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Samstag, 29.08.2020 | 09:30
Leart Paqarada, Kevin Behrens und Julius Biada beim SV Sandhausen

Eingespieltes Team – doch auf Leart Paqarada (l.) müssen Behrens (Mitte) und Co. verzichten. ©Imago images/foto2press

Wegen einer Negativ-Serie in der Rückrunde der vergangenen Saison sah es beim SV Sandhausen so aus, als würde er über kurz oder lang noch auf die Abstiegsränge rutschen – doch der SVS stieß den Bock wieder um, sicherte sich den Klassenerhalt und verabschiedete sich mit einem 10. Platz sowie einem 5:1 über den HSV äußerst positiv aus der Spielzeit 2019/20.

Für den SV Sandhausen steht nun die neunte Saison in der 2. Bundesliga an – ein Erfolg, wird er doch vor nahezu jedem Jahr als Abstiegskandidat gehandelt. Wie läuft es diesmal? Wir haben den SV Sandhausen in unserem Teamcheck unter die Lupe genommen.

Kader & Transfers

Der SV Sandhausen trennte sich bewusst von einigen Ergänzungsspielern, weitere Abgänge sollen noch folgen. Einzig eine Veränderung fällt ins Gewicht: Leart Paqarada schloss sich bekanntlich dem FC St. Pauli an. Er wird dem SVS vor allem auch als Flankengeber bei Standard-Situationen fehlen.

Was bleibt beim SVS ist eine eingeschworene Gemeinschaft der bisherigen Leistungsträger wie Torhüter Martin Fraisl, Dennis Diekmeier, Denis Linsmayer oder Stürmer Kevin Behrens, die allesamt gehörig Zweitliga-Erfahrung mitbringen. Bereits in der vergangenen Saison gehörte Sandhausen was die Anzahl an Einsätzen in der 2. Bundesliga betraf zu den Spitzenteams in dieser Statistik.

Verstärkt wurde der Kader punktuell. Diego Contento soll den Abgang von Paqarada auffangen, sammelte allerdings in den vergangenen drei Spielzeiten in Bordeaux und Düsseldorf kaum Spielpraxis. Anas Ouahim bringt Kreativität mit und hat das Potential, Julius Biada auf der „Zehn“ Druck zu machen. Mit Nils Röseler kommt ein Abwehrmann, der auf über 120 Einsätze in der ersten holländischen Liga verweisen kann und zum Typus „gestandener Innenverteidiger“ gehört, der in Sandhausen gerne gesehen ist.

Röseler ist ein Startelf-Platz genauso zuzutrauen wie Nikolas Nartey und Daniel Keita-Ruel. Beide strahlen Präsenz auf dem Platz aus, sind lauffreudig, Nartey im zentralen Mittelfeld, Keita-Ruel im Angriff. Durch die Verpflichtung von letzterem verteilt sich die Offensiv-Last des SVS auf mehrere Schultern. Dazu kommt: Keita-Ruel wechselt zu seinem Förderer aus früheren Tagen, nämlich Trainer Uwe Koschinat – kann er dadurch seine in den letzten beiden Jahren konstante Torquote in der 2. Bundesliga noch steigern?

Die aktuelle Form

Die Vorbereitung begann mit einer herben Niederlage: Mit 1:6 musste sich der SV Sandhausen dem VfB Stuttgart geschlagen geben. Torreich blieb es auch beim 3:3 gegen den französischen Zweitligsten AS Nancy, während der SVS jüngst aufhorchen ließ: Mit 1:0 bezwang er den Bundesligisten Mainz 05. Dabei agierte Sandhausen in seinem nach dem Re-Start gezeigten 3-5-2-System, mit einigen personellen Kniffen. So bot Koschinat Mittelfeldmann Erik Zenga in der defensiven Dreier-Reihe auf. Für den Treffer des Tages sorgte Daniel Keita-Ruel per Elfmeter.

Interessant: Nach dem Testspiel gegen Mainz 05 legte der SV Sandhausen eine Mannschaftstrainings-Pause ein, ließ seine Profis eine Woche lang mit individuellen Trainingsplänen arbeiten, ehe die Vorbereitung Ende August in ihre zweite Phase ging. Darin ist nochmals ein Trainingslager geplant. Der SVS ist damit der einzige Zweitligist, der gleich zweimal abseits der Heimat übt.

Stärken & Schwächen

Die Spieler des SV Sandhausen sind erfahren, kennen die zweite Liga und ihre Eigenheiten wie kaum eine andere Mannschaft. Der SVS legte bei der Auswahl der Neuzugänge Wert auf den Willen, die spezielle SVS-Mentalität zu verinnerlichen, was Spielern wie Daniel Keita-Ruel zuzutrauen ist. Dass Sandhausen ein unbequemer Gegner bleibt – was den Verein über Jahre auszeichnete – ist wahrscheinlich.

Gleichzeitig entwickelte Uwe Koschinat die Mannschaft auch spielerisch weiter, kann auf sich verändernde Situationen reagieren, wie in der Rückrunde der vergangenen Saison zu sehen war. In Sandhausen hat er ein ruhiges Umfeld, um seine Spielidee zu implementieren – ein klarer Vorteil, zumal das Hardtwaldstadion selbst ein gutes Pflaster für seine Schützlinge ist. Nur vier Heim-Niederlagen musste der SVS in der letzten Saison hinnehmen.

Zum Boomerang könnte die häufig offensive Ausrichtung werden. Klappt das Pressing nicht oder wird es vom Gegner umspielt, geht das zu Lasten der Defensive – die in der Vorbereitung wie gegen Stuttgart oder Nancy zu sehen noch nicht sattelfest wirkte.

Dennis Diekmeier und Uwe Koschinat

Zuckerbrot und Peitsche: Uwe Koschinat (hinten) hat seine Mannschaft um Kapitän Dennis Diekmeier im Griff. ©Imago images/

Der Trainer

In seiner ersten Saison beim SV Sandhausen sicherte Uwe Koschinat mit einem Kraftakt den Klassenerhalt, stabilisierte sein Team in der Hinrunde der folgenden Spielzeit, nur um in der Rückserie erneut in Abstiegsgefahr zu geraten. Am eigenen Schopf zog sich Koschinat mit dem SVS allerdings heraus, wofür sich auch seine taktischen Umstellungen verantwortlich zeichneten.

Er führt am Hardtwald ein strenges Regiment, ist an der Seitenlinie oftmals aufbrausend, benennt Fehler auch in Interviews oft unmissverständlich – das kommt bei der Mannschaft offenbar gut an. Der Erfolg gibt Koschinat Recht. Nicht nur seinen Ex-Spielern wie Biada, den er wie nun Keita-Ruel nach Sandhausen lotste, sondern auch Kräften wie Dennis Diekmeier schenkt Koschinat vertrauen und schaffte es, sie weiterzuentwickeln.

Die mögliche Startelf

Mögliche Aufstellung SV Sandhausen

Mögliche Aufstellung SV Sandhausen

Fazit & Prognose

Der SV Sandhausen kann auf eine eingespielte Mannschaft zurückgreifen, die mit Trainer Uwe Koschinat einen Trainer an der Seitenlinie hat, der das uneingeschränkte Vertrauen besitzt und den SVS in taktischer Hinsicht nochmal ein Stück nach vorne brachte.

Wollte der SVS in der vergangenen Saison allerdings zuviel, ging der Schuss nach hinten los, zudem macht die Defensive aktuell noch nicht den sichersten Eindruck. Nichtsdestotrotz: Der SV Sandhausen hat die Sommerpause gut genutzt und die Voraussetzungen für eine sorgenfreie Saison geschaffen. Wir erwarten Sandhausen im gesicherten Mittelfeld.

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