Thomas Pledl: „Bei uns hat niemand vom Aufstieg gesprochen“

Interview mit dem Offensivmann des FC Ingolstadt

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Sonntag, 14.10.18 | 11:35
Thomas Pledl am Ball für den FC Ingolstadt.

Fokussiert auf den Ball und die schwere Situation des FCI: Thomas Pledl. ©Imago/DeFodi

Als Mitfavorit um den Aufstieg gestartet, steht der FC Ingolstadt momentan auf dem letzten Platz. Auch für Offensivspieler Thomas Pledl keine einfache Situation. Der 24-Jährige bestritt in seiner Karriere bislang 54 Partien für die Schanzer, nun muss er sich in einer neuen Situation und auch in einem neuen System zurechtfinden.

Wie ihm das gelingt, wie der FC Ingolstadt den Abstiegskampf annimmt und wie er die Situation bei seinem Ex-Klub SV Sandhausen einschätzt, verrät er uns im Interview. Außerdem spricht Pledl über die Fan-Unterstützung beim FCI.

Herr Pledl, wie sehr schmerzt der Blick auf die Tabelle derzeit?
Thomas Pledl: „Klar, der letzte Platz ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Nach dem neunten Spieltag ist der Tabellenplatz aber zweitrangig, relevanter ist, wie viele Punkte man holt. Das sind aktuell zu wenig. Daran wollen und werden wir arbeiten. Da heißt es Gas geben.“

Der FCI ist Tabellenletzter, galt vor der Saison allerdings wegen seiner relativ großen Möglichkeiten als Aufstiegskandidat. War der Druck von außen zu hoch?
Pledl: „Wir selbst haben uns keinen Druck gemacht. Bei uns hat niemand vom Aufstieg gesprochen. Es gibt im Umfeld viele Meinungen und Einschätzungen im Fußball und jeder weiß es besser, als der andere, das gehört dazu und macht den Fußball ja so beliebt. Das Thema, dass man jetzt enttäuscht ist, weil man nicht auf einem Aufstiegsplatz steht, gibt es bei uns nicht.“

„ Der letzte Platz hat jedem aufgezeigt, wie die Situation wirklich ist. ”
über das neue Saisonziel

Den Ex-Coach Stefan Leitl kannten Sie noch aus der zweiten Mannschaft, also eine lange Zeit. Wieso konnte er am Ende die Wende nicht herbeiführen?
Pledl: „Das ist schwer zu sagen. Es lag an vielen Kleinigkeiten. Wir haben gute Spiele gemacht, den Sieg aber dann durch zu einfache Fehler oder Standard-Gegentore hergeschenkt. Im Fußball ist es dann oft so: Wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht. Man betreibt viel Aufwand, man marschiert, gibt Gas, aber bekommt die Tore vorne nicht rein und stattdessen ein Gegentor. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison.“

Das neue Ziel heißt Klassenerhalt. Wie nimmt die Mannschaft diese Situation an?
Pledl: „Wir wollen alle da unten raus. Von daher geht es jetzt erstmal knallhart um den Klassenerhalt, das kann man schon so sagen. Der letzte Platz hat jedem aufgezeigt, wie die Situation wirklich ist. Wir haben jetzt in der Länderspielpause Zeit, die wir nutzen werden, um das neue System des Trainers einzustudieren.“

Der Trainerwechsel brachte kurzfristig keinen Erfolg. Was stimmt Sie optimistisch, dass es mit Alexander Nouri dennoch bergauf geht?
Pledl: „Der Trainer hat einen klaren Plan. Davon sind wir alle überzeugt. In den letzten Spielen hat man schon viel davon gesehen. In Köln verlieren wir unglücklich, durch einen Elfmeter und ein Standard-Gegentor. Da war mehr drin. Gegen Union haben wir in der ersten Halbzeit nicht unser bestes Spiel gemacht, aber dann nach der Pause eine Reaktion gezeigt. Gegen Paderborn wäre auch mehr drin gewesen.

Es ist also nicht so, dass wir in unseren Spielen keine Chance hätten. Wir müssen unsere Möglichkeiten einfach nutzen und die einfachen Gegentore vermeiden. In der Länderspielpause können wir das neue System und die Automatismen jetzt verinnerlichen.“

„ Davon sind wir alle überzeugt. ”
über den Plan von Alexander Nouri

Gibt das neue System der Mannschaft Sicherheit?
Pledl: „Auf jeden Fall. Es war aber jetzt nicht so, dass wir uns in dem System von Stefan Leitl nicht wohlgefühlt haben. Damit haben wir ja auch lange gut gespielt. Das ist aber vorbei, jetzt kommt was anderes. Ich glaube, das System liegt uns von den Spielertypen her sehr gut. Von daher sind wir positiv gestimmt.“

Sie selbst standen bisher in jeder Partie in der Startelf, ein Assist steht zu Buche. Was müssen Sie persönlich noch verbessern?
Pledl: „Ich will noch torgefährlicher werden. Auf der neuen Position muss ich mich erst wieder einfinden, also die rechte Seite im 3-5-2 alleine zu spielen und damit auch Verteidiger zu sein. Daran will ich auf jeden Fall intensiv arbeiten.“

Mit im Tabellenkeller ist auch der Zuschauerschnitt beim FC Ingolstadt. Würde sich das Team mehr Unterstützung von den Rängen wünschen?
Pledl: „Klar wäre es schön, wenn noch mehr Zuschauer kommen würden. Ich glaube aber, diejenigen, die ins Stadion gehen, stehen voll hinter uns – und das ist das Entscheidende. Von daher gehen wir gemeinsam durch diese schwierige Zeit und werden sie auch gemeinsam mit den Fans durchstehen.“

„ Diejenigen, die ins Stadion gehen, stehen voll hinter uns. ”
über die FCI-Fans

Den kommenden Gegner Sandhausen kennen Sie genau, haben dort eineinhalb Jahre gespielt, unter Kenan Kocak. Der wurde kürzlich entlassen. Wie sehr hat Sie das überrascht?
Pledl: „Das hat mich sehr überrascht. Aber so ist der Fußball. Er ist ein super Trainer, wir haben mit ihm immer einen guten Fußball gespielt. Bei Sandhausen war es ähnlich wie bei uns: Viel Aufwand, wenig Ertrag. Für den SVS ist das auch keine leichte Zeit.“

Das Spiel findet unter Flutlicht an einem Freitag im ungemütlichen Hardtwaldstadion statt. Wie stellen Sie Ihre Kollegen auf die erwartet raue Atmosphäre dort ein?
Pledl: „Ich habe eineinhalb Jahre dort gespielt und freue mich darauf. Es wird ein geiles Spiel, denn es geht für beide Mannschaften um wichtige Punkte. Meine Kollegen freuen sich auch darauf.“

Nach Sandhausen wartet mit Duisburg das nächste Kellerkind. Muss das Ziel in diesen Spielen für den FCI nicht zwei Siege und damit sechs Punkte lauten?
Pledl: „Das hört sich immer so einfach an. Wir wollen möglichst viele  Punkte aus den nächsten zwei Spielen holen, das ist richtig, aber der Fokus liegt jetzt ganz klar auf dem Spiel in Sandhausen. Dafür werden wir alles tun, also im Training und in den Spielen Gas geben. Mit wie vielen Punkten wir dann aus den Spielen gehen, wird man sehen.“

Herr Pledl, vielen Dank für das Gespräch!

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