Transferfenster: Sind längere Phasen richtig?

Kürzung brächte Nachteile für Vereine & Spieler

Braunschweigs Yildirim und Dynamos Mlapa

Sind Nachverpflichtungen wie Yildirim (l.) oder Mlapa künftig nicht mehr möglich? ©Imago/Hübner/Hentschel

In der vergangenen Wochen votierten 80% der Liga-Zwei.de-Leser für eine frühere Schließung des Transferfensters. Sport-Funktionäre wie Dr. Reinhard Rauball wollen sich dafür stark machen, dass das aktuelle Transferende (31.08.) künftig nach vorne datiert wird.

Viele Fußball-Fans würden dies gewiss begrüßen, sehen sie aktuell durch Verpflichtungen nach Saisonstart einen Wettbewerbsnachteil für ihre Vereine. Dass aber gerade Spieler in unteren Ligen (wie der 2. oder 3.) durch eine Verkürzung der Phase Nachteile hätten, wurde bislang nicht diskutiert.

Spieler brauchen Zeit bei Vereinsuche

Sascha Günter, seit 15 Jahren als Spielervermittler tätig, hält es für elementar wichtig, an den aktuellen Transferfristen festzuhalten, wie er im Gespräch mit Liga-Zwei.de erläutert: „Der Markt ist für viele Spieler – und wir reden hier nicht von hoch-bezahlten Bundesliga-Stars, überlaufen.“ 

Diese Akteure, die sich ihre Vereine nicht nach Belieben aussuchen können, bräuchten zusammen mit ihren Beratern Zeit, das für sie passende Gesamtpaket zu finden.

Es geht nicht immer nur um Geld (Berater Sascha Günter)

„Dabei geht es nicht immer nur um Geld, sondern auch um familiäre Abhängigkeiten“, schließlich steht bei einem Transfer auch ein Wohnortwechsel an. Und dass die Partnerinnen woanders einen neuen Job finden, ist für viele Akteure ebenso wichtig.

Den Vorwurf, dass eine längere Transferphase in erster Linie den Beratern in die Karten spielt, damit sie noch mehr Geld verdienen, entkräftet Günter: „Klar gibt es schwarze Schafe in unserer Branche, die nur an ihren eigenen Profit denken, aber für einen Großteil meiner Kollegen geht es nicht um Millionen-Beträge, die wir durch Provisionen kassieren“.

Bei ablösefreien Spielern wird in der Regel ein Prozentsatz zwischen acht und zehn des ersten Jahresgehalt als Vermittlungsgebühr bezahlt.

Was passiert bei Verletzungen nach Saisonstart?

Auch für die Vereine wäre ein Festhalten am jetzigen System von Vorteil: „Die meisten professionellen Vereine scouten rund ums Jahr und es finden permanent Entscheidungsprozesse bezüglich der Transferziele statt.“. Im Idealfall habe natürlich jeder Verein sehr früh seinen Bedarf erkannt und seine Ziele festgelegt. „Die Realität sieht aber anders aus“, spricht Günter aus seiner langjährigen Erfahrung.

Oftmals überschneiden sich die Wunschspieler bei vielen Vereinen, sodass jeder Klub die Zeit und Möglichkeit benötigt, sich anderweitig zu orientieren. Und oftmals treten in den ersten Saisonspielen noch schwerwiegende Verletzungen auf, die selten mit vorhandenem Spieler-Material kompensiert werden können.

„Letztlich will der Fan doch, dass seine Mannschaft die besten Spieler zur Verfügung stehen hat, um ihre Ziele zu erreichen“, hofft Günter darauf, dass sich die Anhänger in der bislang einseitig geführten Diskussion auch mit den Argumenten für eine lange Transferphase auseinander setzen.

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