Union Berlin: Zwischenbilanz der Neuzugänge 2018

Neuer Keeper als doppelter Volltreffer

Autor: Christoph Volk Veröffentlicht: Samstag, 03.11.18 | 07:44
Sebastian Andersson bringt den Ball gegen Timo Horn im Netz unter.

Beim 1. FC Köln gelang Sebastian Andersson mit dem Ausgleich sein erstes Saisontor. ©Imago/Contrast

In der Saison 2017/18 sind die Köpenicker sicher auch ein großes Stück weit an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert. Einer durchaus guten Hinrunde und Platz vier folgte die Trainerentlassung und eine Rückrunde, die am Ende lediglich zu Tabellenplatz acht reichte.

Mit mehr Demut und wieder neuem Trainer suchte man auf dem Transfermarkt nach der passenden Verstärkung. Dabei fand man unter anderem Sebastian Andersson. Liga-Zwei.de hat mit seinem ehemaligen Trainer Jens Gustafsson (IFK Norrköping) gesprochen und gefragt, was den Stürmer bei Union so gut macht? Die Einordnung der weiteren Neuzugänge findet Ihr weiter unten.

Herr Gustafsson, was ist das Erste, woran Sie denken, wenn sie den Namen Sebastian Andersson hören?
Jens Gustafsson: „Er überrascht immer wieder mit seinen Leistungen. Ich verfolge Sebastian, seitdem er in der zweiten schwedischen Liga bei Ängelholm gespielt hat. Da stand er schon als Stürmer im Notizheft eines jeden Erstligisten. Ich glaube, er war der Top-Torjäger der Liga. Er ging dann zum Erstligisten Kalmar, wo er eine harte Zeit hatte. Nach seinem Wechsel zu Djurgardens IF wurde es auch noch nicht besser.

Aufgrund dessen dachten viele bei seinem Wechsel zu Norrköping, dass er bereits seinen Zenit überschritten hätte. Doch dann wurde er zu einem der besten Torschützen in ganz Schweden. Dann ging er zum 1. FC Kaiserslautern und wurde auch dort zum besten Torschützen. Und jetzt bringt er seine Leistung bei Union Berlin. Ich denke, er hat viele Leute überrascht, die ihn schon abgeschrieben hatten.“

Sie haben ihn anderthalb Jahre in Norrköping trainiert. Welchen Fortschritt hat er in dieser Zeit gemacht?
Gustafsson: „Sein Selbstvertrauen wurde besser und besser. Auch sein Torabschluss und seine Fähigkeit, den Ball zu behaupten, haben sich immer mehr verbessert. Er ist immer mit gutem Beispiel vorweggangen und hat hart gearbeitet auf dem Platz. Er hat uns sehr gut getan in Norrköping.“

„ In Lautern hat er bewiesen, dass er in der Liga bestehen kann. ”
über Anderssons Können

Wie Sie schon sagten, ist der Stürmer in diesem Sommer zu Union Berlin gewechselt. Gleich in den ersten drei Spielen traf er dreimal. Wie wichtig war es für ihn, mit solch einem Erfolgserlebnis in die Saison zu starten?
Gustafsson: „Um das zu beantworten, muss ich ein Jahr zurückgehen. Sein Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern im August 2017 war ein sehr wichtiger Schritt in seiner Karriere – sich in einem neuem Umfeld zu beweisen. In meinen Augen war es für seine jetzige Leistung viel wichtiger, wie er dort startete. Denn in Kaiserslautern hat er allen bewiesen, dass er in dieser Liga bestehen kann und für jedes Team ein guter Stürmer wäre. Daher konnte er mit großem Selbstvertrauen zu Union wechseln.“

Union hat das Ziel in die Erste Liga aufzusteigen. Hat Sebastian Andersson das nötige Zeug dazu, auch in der Bundesliga mithalten zu können?
Gustafsson: „Viele würden nein sagen. Doch so wie ich Sebastian kenne, würde er wieder alle überraschen. (lacht) Ich würde auf diese Frage niemals mit einem Nein antworten. Ich weiß auch nicht, wo das Ende seiner Entwicklung liegt. Er hat immer wieder Außergewöhnliches leisten können, um mehr zu erreichen, als die Meisten von ihm erwartet haben.“

„ Er besitzt die Fähigkeit mit nur einer Ballberührung das Tor zu machen. ”
über Anderssons Torriecher

Welche Qualitäten besitzt er genau?
Gustafsson: „Er ist kräftig und hat die Stärke, stets hart an sich zu arbeiten. Sein Wille, nicht aufzugeben und immer weiter zu kämpfen, hat sich seit seinem Wechsel nach Deutschland bemerkenswert entwickelt. Zudem ist er sehr, sehr laufstark und er besitzt die Fähigkeit, mit nur einer Ballberührung – egal ob Kopf oder Fuß – das Tor zu machen.“

Welche Fähigkeiten muss er unbedingt noch verbessern?
Gustafsson: „Er kann auf jeden Fall noch weiter daran arbeiten, den Ball besser zu halten und zu behaupten. Auch seine Technik könnte er noch verbessern. Dass ihm das auch gelingt, an sich zu arbeiten, hat er ja schon mehrfach bewiesen.“

Nach fast zwei Jahren hat er im Oktober sein Comeback in der schwedischen Nationalmannschaft gegeben. Wie bewerten Sie seine Chancen, sich dort auf Dauer zu etablieren?
Gustafsson: „Das ist schwer für mich zu sagen. Ich kenne nicht all seine Konkurrenz auf der Mittelstürmerposition. Aber wenn man solche Anlagen besitzt, wie Sebastian sie hat, dann ist man auch immer im Rennen um einen Platz. Wenn er seine Leistung bei Union bestätigt, dann wird er auch wieder nominiert. Ohne Zweifel!“

Unsere Bewertungen der Union-Neuzugänge

Ken Reichel bringt für Union den Ball nach vorne.

Hat sich nach elf Jahren Braunschweig ziemlich schnell in Berlin zurechtgefunden: Ken Reichel. ©Imago/Bernd König

Volltreffer:
Manuel Schmiedebach – Die Leihe des 29-Jährigen aus Hannover hat sich bisher vollends gelohnt. Schmiedebach zog bisher in allen elf Ligaspielen von Beginn an die Fäden im defensiven Mittelfeld und zeigte sich als Schaltzentrale der Köpenicker. Auch als Abräumer trägt er seinen Teil zur aktuell besten Defensive der Liga bei.

Florian Hübner – Der ebenfalls aus Hannover gekommene, aber fix verpflichtete Innenverteidiger zeigt sich als mindestens genauso wichtige Verpflichtung. Setzte Hübner die ersten beiden Spieltage noch aus, fehlte er seit dem dritten keine einzige Minute und machte sich so in der Innenverteidigung unverzichtbar sowie den Abgang von Toni Leistner fast vergessen.

Rafal Gikiewicz – Fünfmal in elf Spielen hielt Gikiewicz seinen Kasten in dieser Saison schon sauber, insgesamt nur sieben Gegentreffer kassiert. Damit ist der neue Mann aus Freiburg ganz vorne dabei. Und selbst in die Offensive hat er sich beachtlich eingeschaltet: ein Tor zum Ausgleich gegen Heidenheim und eine Torvorlage gegen Duisburg.

Guter Griff:
Ken Reichel – Das Braunschweiger Urgestein ist gut angekommen in der Hauptstadt und hat sich schnell seinen Stammplatz auf der linken Abwehrseite ergattert. Dort erledigt er seinen Job, wie gewohnt, mehr als zuverlässig und souverän und hält dabei seine Seite weitestgehend dicht. Doch die Gefahr nach vorne, die er lange Zeit ausstrahlte, scheint im zurzeit abhanden gekommen.

Sebastian Andersson – Bisher konnte der Schwede sich und seinen Platz behaupten. Er startete in jedem Spiel und erzielte immerhin schon vier Treffer. Doch so langsam spürt er den Atem von dem wieder genesenden Namensvetter und Sturmkollegen Sebastian Polter. Andersson muss nun auch unbedingt wieder treffen, um sich weiter zu behaupten.

Ausbaufähig:
Robert Zulj – Der Leihspieler von der TSG Hoffenheim kam zwar regelmäßig zum Einsatz, aber konnte sicher noch nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen. Seine Torvorlage bei seinem ersten Einsatz blieb bisher der einzige Scorerpunkt, den Zulj diese Saison erlangen konnte. So kommt der Österreicher zumeist auch nur von der Bank.

Joshua Mees – Nach einer Einwechslung am ersten Spieltag zog sich Mees eine Oberschenkelverletzung zu, die ihn wochenlang außer Gefecht setzte. In den letzten zwei Spielen kam er aber wieder zum Einsatz und konnte nach erneuten Einwechslungen durchaus mit guter Leistung das Spiel beleben.

Suleiman Abdullahi – Eine Leihe, die sich für beide Seiten noch nicht bezahlt gemacht hat. Was allerdings in erster Linie an der Sprunggelenksverletzung gelegen hat, die Abdullahi zu Saisonbeginn erlitten hat. Am letzten Spieltag stand er dann erstmals für seinen neuen Klub im Kader und wurde für eine gute halbe Stunde eingewechselt.

Julian Ryerson – Der junge Norweger kommt nur auf drei Kurzeinsätze und zusammengerechnet lediglich sechs Minuten Einsatzzeit. Der Rechtsaußen dient aktuell nur als Ergänzungsspieler unter Trainer Urs Fischer.

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