VfL Bochum: Interview mit Anthony Losilla

"Der offensive Mut hat gefehlt."

Anthony Losilla (l.) gegen David Kinsombi.

Erst ein Punkt aus drei Spielen: Anthony Losilla (l.) und der VfL Bochum stehen bereits früh unter Druck. ©imago images/Michael Schwarz

Nur ein Punkt aus drei Saisonspielen. Der VfL Bochum hat einen Fehlstart in die Spielzeit 2019/20 hingelegt. Beim 0:1 am Freitagabend beim Hamburger SV hat die Mannschaft von Trainer Robin Dutt zwar stark verteidigt, fand im Spiel nach vorne allerdings überhaupt nicht statt. Nach der Niederlage stellte sich Kapitän Anthony Losilla den kritischen Fragen.

Herr Losilla, der VfL Bochum hat zumindest bis zum Gegentor in der 60. Minute gut verteidigt, ist offensiv aber nie groß ins Risiko gegangen. Wie fällt Ihr Fazit zum Spiel aus?
Anthony Losilla: „Ich denke auch, dass wir defensiv gut waren. Aber wenn man so lange dem Ball hinterherläuft, entsteht irgendwann einmal eine freie Lücke und man kassiert das Gegentor. Offensiv war das heute zu wenig.

Wir wollten zunächst einmal gut in der Defensive stehen, haben dabei aber vielleicht das Spiel nach vorne vergessen. Die Umschaltsituationen hätten wir besser lösen müssen. Das hat uns gefehlt. Trotzdem nehmen wir auch positive Dinge aus dem Spiel mit. Die Defensive war stabiler als sonst. Das müssen wir beibehalten.“

Die Mannschaft fand in der Offensive über weite Strecken überhaupt nicht statt. Lag die taktische Ausrichtung gegen den Hamburger SV einzig und allein darin, hinten sicher zu stehen und keine Chancen zuzulassen?
Losilla: „Ja, es war unser erster Gedanke, defensiv stabil zu stehen. Wir hatten in den vorherigen drei Spielen einfach zu viele Gegentore kassiert. Daher war uns die Stabilität wichtig. Trotzdem wollen wir offensiv noch mutiger sein. Das hat uns gefehlt.“

Zu Hause müssen wir einfach Punkte holen. (über das Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden)

Was lief beim Gegentor schief, als der Ex-Bochumer Lukas Hinterseer relativ unbedrängt zum Schuss kam?
Losilla: „Wie gesagt: Wenn man 60 Minuten dem Ball hinterherläuft, kommen irgendwann solche Lücken auf. Das Gegentor entstand ja kurz nach einem Standard. Wir haben die Ordnung verloren und vergessen, ‚Luki‘ zu decken. Dabei wissen wir eigentlich, wie gefährlich er im Strafraum ist. Er hat das Ding dann einfach reingemacht.“ 

Drei Spiele, nur ein Punkt, dazu noch der schwache Auftritt im DFB-Pokal. Wie blicken Sie angesichts dieser Ausgangssituation der Zukunft entgegen? Nun steht das Spiel gegen Wehen Wiesbaden bevor…
Losilla: „Es gibt in dieser Liga keine einfachen Spiele. Dass wir nur einen Punkt geholt haben, ist Fakt. Aber die Saison ist noch lang und wir befinden uns in einem Prozess. Heute haben wir bereits ein besseres Gesicht gezeigt als im DFB-Pokal. Ich bin davon überzeugt, dass wir zu Hause im nächsten Spiel drei Punkte holen können, wenn wir in der Offensive besser spielen.“ 

Ist die Mannschaft nun gegen Wiesbaden zum Siegen verdammt, weil Sie lediglich einen Punkt geholt haben und der Gegner „nur“ ein Aufsteiger ist? Andererseits darf man sich von dem Siegesdruck ja nicht kaputt machen lassen…
Losilla: „Ja, das haben sie gut zusammengefasst. Zu Hause müssen wir einfach Punkte holen. Auch wenn die Saison noch lange ist, müssen wir endlich mal punkten. Die anderen Mannschaften werden nicht auf uns warten.“