VfL Bochum: Thomas Reis kommt mit zwei Gesichtern

Die zwiespältige Vision mit der Generation Ausbildungstrainer

Thomas Reis beim Training des VfL Bochum

Unter Beobachtung. Thomas Reis will beim VfL Bochum zeigen, dass er mehr als Ausbildungsfußball kann. ©imago images/Reviertofoto

Es gab eine Zeit beim VfL Wolfsburg, in der die dort ausgebildeten Fußball-Azubis beinahe so regelmäßig Deutsche Junioren-Meisterschaften in die VW-Metropole holten wie der Golf des Hauses zum meistverkauften Pkw des Jahres gekürt wurde. Doch seit einigen Jahren landen diese wertvollsten Trophäen des Ausbildungsfußballs nicht mehr in Wolfsburg. Ärgerlich für den Fußball-Lehrer Thomas Reis. Doch kein Karriereknick, kein nachhaltiger Makel, allenfalls Künstlerpech.

Reis entspricht dem Zeitgeist

Im Gegenteil: Wer wie Thomas Reis in einer der anerkanntesten Hochburgen des hiesigen Ausbildungsfußballs gearbeitet hat, entspricht dem Zeitgeist, ist privilegiert und gilt als Träger von Visionen. So nimmt Thomas Reis beim VfL Bochum — einer Art Drei-Ligen-Sprung zum Trotz — seine Arbeit auf. Mehr noch: Eine schwierige Arbeit in einem schwierigen Umfeld mit einer schwierigen Mannschaft, so glauben Insider der Castroper Straße.

Doch Thomas Reis kennt diesen Klub von A bis Z, von vorne bis hinten, von oben bis unten. Insgesamt 13 Jahre lang war er dort. Erst acht Spielzeiten Profi, dann fünf Spielzeiten mal Co- und mal Juniorentrainer. Und nun — retour aus Wolfsburg — zum Chef befördert.

Thomas weiß, wie er eine Mannschaft formiert, begeistert & verbessert (Pablo Thiam)

Mit starken Argumenten und vielen Potenzialen. Dies berichtet Pablo Thiam, sportlicher Direktor der VfL Wolfsburg-Akademie, im Gespräch mit Liga-Zwei.de: Reis bringt wichtige Voraussetzungen mit nach Bochum: Thomas ist ein sehr offener Mensch. Er weiß, wie er die vielen jungen Spieler anpacken muss und wie er eine Mannschaft formiert, begeistert und verbessert. Und obendrein trägt er diesen speziellen Bochumer Stallgeruch.“

Thiam kennt Reis seit 1990, seit dem deutschen U17-Finale damals. Thiam spielte für 1.FC Köln, Reis für den VfB Stuttgart. Der FC siegte 2:1. „Thomas ist von der Pieke auf durch und durch Fußballer. Der kennt das gesamte Repertoire“, sagt Thiam.

Im entscheidenden Moment nervenstark?

Was der jahrzehntelang in der Bundesliga erfolgreiche Thiam nicht anspricht: In der 2. Bundesliga — und speziell in Bochum — braucht es vor allem auch starke Nerven. Ob Reis die notwendige Widerstandsfähigkeit in brenzligen Phasen verlässlich aufzubringen in der Lage sein wird, ist nicht erwiesen. Derartige Stahlbäder des Kräftemessens durchlaufen Ausbildungstrainer erst in den Endspielen gegen die anderen Bundesligabesten.

Und hier blieb Reis stets glücklos und neutrale Beobachter solcher Alles-oder-nichts-Matches glauben erkannt zu haben, dass er dabei von seinen sonst so großartigen Coachingpotenzialen verlassen werde. Sie erinnern sich an ein zweites Gesicht des Thomas Reis: Recht aktionslos wirke er stattdessen in solchen Momenten des Extrem-Stresses.

Interessant, denn dies ist kein Einzelfall in der eher stressfreien Trainerwelt des Ausbildungsfußballs. Ähnliche Defizite in Hop-oder-top-Situationen waren einst auch bei Valerien Ismael sichtbar: Als sein U23-Team in der Aufstiegsrelegation im Feuerwerk der Regensburger Angriffslust unterging, verschwand auch er in den Tiefen der Wortlosigkeit.

Das Problem: Im erfolgreichen Liga-Alltag bedienen sich beide Trainer an den Mitteln des lebendigen Coachings. Doch hier, wenn es besonders darauf ankommt, warten die Spieler auf diesen Support vergeblich. Dieser unerwartete Verlust kann auf die Leistungsfähigkeit der Spieler drücken.

Wiedersehen mit Vertrautem

Wenn es richtig ernst, quasi existenziell wird, dann ist auf den Vater dreier Töchter jedoch allemal Verlass. Als Thiam-Vorgänger Rebbe Wolfsburgs kompetentesten Physiotherapeuten Norbert Lemcke kündigte, kämpfte Reis in Wolfsburg um dessen Verbleib. Doch vergeblich. So landete bereits sein Mitarbeiter beim VfL Bochum. Bewährte, jüngere Kräfte sind in medizinischen Abteilungen des Profifußballs eher rar. Nun freut sich Thomas Reis auch auf diese Fortsetzung der Zusammenarbeit.

Und der neue VfL-Coach wird sich zu präparieren wissen im Fegefeuer des Bochumer Fußballs. Und die Vision mit der Generation Ausbildungstrainer lebt allemal…

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