VfL Osnabrück: Dercho sieht Pokalchancen

Interview mit Ex-Kicker Alexander Dercho

Alexander Dercho (r.) gegen Würzburg.

In 248 Pflichtspielen lief Alexander Dercho in lila-weiß auf. ©imago images/Kirchner-Media

Im Trikot des VfL Osnabrück hat Alexander Dercho einige Schlachten geschlagen. Trotzdem zog er im Sommer nach neun Jahren an der Bremer Brücke einen Schlussstrich, Verletzungen zwangen ihn dazu. Im Interview mit Liga-Zwei.de spricht der 32-Jährige vor dem Pokal-Duell zwischen Osnabrück und Leipzig über den Saisonstart des VfL, das letzte Aufeinandertreffen im Pokal 2015 und gibt seinen Tipp ab.

Herr Dercho, Anfang Juli gaben sie das verletzungsbedingte Ende Ihrer Profi-Karriere bekannt. Haben Sie das sonst übliche Sommerprogramm aus Trainingslager, Testspielen und Kondition bolzen vermisst?
Alexander Dercho: „Ja, auf jeden Fall. Es ist schon eine große Umgewöhnung, schließlich war mein Sommer über ein Jahrzehnt lang immer gleich aufgebaut. Jetzt ist es etwas anderes und hat auch was Positives, ich kann am Wochenende was mit meiner Freundin oder mit Freunden unternehmen, was sonst immer zu kurz kam. Aber ich vermisse es natürlich, schließlich konnte ich mein Hobby zum Beruf machen.“

Beim Osnabrücker Saisonstart waren sie im Stadion und wurden offiziell verabschiedet. Was ging Ihnen durch den Kopf, als sie auf dem Rasen der Bremer Brücke standen?
Dercho: „Ich habe versucht, jeden Schritt auf dem Grün zu genießen. Ich habe mich über die herzliche Verabschiedung der Fans sehr gefreut, darauf kommt es an, wenn man so lange bei einem Verein spielt. Wenn man es da ein Stück weit schafft, die Herzen der Fans zu gewinnen, ist es etwas Schönes.“

Die Mannschaft hat sich super präsentiert. (über den Saisonstart des VfL)

Auf die Niederlage gegen Heidenheim folgte ein Sieg in Sandhausen. Wie haben Sie den Saisonstart Ihrer Ex-Kollegen erlebt?
Dercho: „Ich denke, wir haben ein gutes Spiel gemacht gegen Heidenheim, auch wenn es verloren ging. Die Mannschaft hat sich super präsentiert, umso wichtiger war der Auswärtssieg in Sandhausen, um diesen positiven Flow weiter zu tragen.“

In der ersten Runde des DFB-Pokals wartet mit RB Leipzig ein Bundesligist. Was für ein Spiel erwarten Sie?
Dercho: „Leipzig ist bekannt dafür, offensiven Fußball zu spielen und ich erwarte einen offenen Schlagabtausch. Natürlich ist die Mannschaft von RB mit Stars gespickt, ich glaube bzw. hoffe, dass wir ein schönes Fußballspiel sehen.“

Osnabrück hat bereits zwei Pflichtspiele in dieser Saison absolviert, für Leipzig ist es das erste. Ein Vorteil?
Dercho: „Definitiv. Das sehen wir jedes Jahr aufs Neue, wenn immer wieder Favoriten in der ersten Pokal-Runde ausscheiden. Sie sind noch nicht in Wettkampfform und haben auch noch keine Wettkampfpraxis, das kann ein Vorteil für die Mannschaften aus unteren Ligen sein, den man nicht unterschätzen darf.“

Das hätte so ein Tag werden können, an dem wir als Underdog den Großen hätten schlagen können. (über das Pokalspiel gegen Leipzig 2015)

Daniel Thioune ist seit bald zwei Jahren in Osnabrück, sein Gegenüber Julian Nagelsmann hat gerade erst in Leipzig übernommen. Ein weiterer Vorteil für den VfL?
Dercho: „Das kann ein Pluspunkt sein, klar. Man muss aber auch abwarten, wie Julian Nagelsmann Leipzig verändert hat, was Spielidee und Spielphilosophie angeht. Vielleicht müssen sich die Spieler noch an ein neues Konzept gewöhnen. Das sind dann alles kleine Mosaiksteine, die uns hoffentlich einen Sieg bescheren, denn bei uns kennt eigentlich jeder den Spielstil.“

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie von Osnabrück immer noch in der Wir-Form sprechen?
Dercho: „Ja, das ist mir bewusst (lacht). Es steckt einfach immer noch drin, dass ich neun Jahre Teil des Klubs war. Es ist einfach ungewohnt und fällt mir schwer, vom VfL als ‚sie‘ zu sprechen.“

Erinnern Sie sich noch an den 10. August 2015?
Dercho: „Da war wahrscheinlich das Pokalspiel gegen RB Leipzig, in dem ich mitgewirkt habe. Der Feuerzeug-Wurf, richtig?“

Richtig.
Dercho: „Das hätte so ein Tag werden können, an dem wir als Underdog den Großen hätten schlagen können. Wir sind famos gestartet und auch recht früh in Führung gegangen (Halil Savran erzielte in der 1. Spielminute das 1:0, Anm. d. Red.), und dann kam leider dieser Feuerzeug-Wurf. Der hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Martin Petersen (m.) nach dem Feuerzeug-Wurf.

Schiedsrichter Martin Petersen pfiff die Partie nach dem Feuerzeug-Wurf nicht mehr an. ©imago images/foto2press

Schiedsrichter Martin Petersen wurde von besagtem Feuerzeug am Kopf getroffen und brach die Partie beim Stand von 1:0 für Osnabrück ab, später wurde es mit 2:0 für Leipzig gewertet. Wie haben Sie den Spielabbruch auf dem Rasen erlebt?
Dercho: „Ich habe gar nicht richtig gesehen, was da geworfen wurde. Ich habe nur gesehen, dass sich der Schiedsrichter die Hand an den Kopf hält. Dann wurden beide Teams in die Kabine geschickt und ich ging davon aus, dass sich der Schiedsrichter kurz behandeln lässt und es dann weiter geht. Nach zehn Minuten sagte dann jemand aus der Mannschaft: ‚Die RB-Spieler steigen in den Mannschaftsbus und fahren nach Hause.‘

Wie geht man als Spieler mit solch einer Situation um, das Spiel am grünen Tisch zu verlieren?
Dercho: „Wenn man nicht gut gespielt hat und verliert, dann kann man das schneller aufarbeiten und abhaken. Wir als Mannschaft haben damals alles richtig gemacht, trotzdem standen wir nicht in der zweiten DFB-Pokal-Runde. Das nagt dann an Dir und macht es schwer zu verarbeiten.“

Den entscheidenden Elfmeter haut Álvarez rein. (über seinen Tipp für das Spiel)

Aus dem damaligen VfL-Kader ist nur noch Marcos Álvarez übrig. Sind die Geschehnisse bei der aktuellen Mannschaft damit überhaupt noch ein Thema?
Dercho: „Nein. Es ist einfach eine Anekdote, die eben erzählt wird und auch ein paar Gefühle und Emotionen hervorruft, aber eher im Umfeld. Was ich von meinen ehemaligen Teamkollegen so gehört habe, ist das kein Thema in der Mannschaft.“

Zum Abschluss interessiert uns natürlich noch Ihr Tipp: Wie geht das Spiel aus?
Dercho: „Nach 90 Minuten steht es 1:1, in der Verlängerung fallen keine Tore und wir sehen ein spannendes Elfmeterschießen, das zu unseren Gunsten ausgeht. Den entscheidenden Elfmeter haut Álvarez rein.“

Herr Dercho, vielen Dank für das Gespräch!

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