Wie Gerd Schädlich den Derby-König entdeckte

Fabian Müller spielte 13 Mal Aue gegen Dynamo

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Freitag, 27.09.2019 | 15:17
Fabian Müller (l.) gegen Dresdens Idir Ouali.

185 Mal streifte sich Fabian Müller (l.) das Trikot von Erzgebirge Aue über. ©imago images/Robert Michael

Im Berchtesgadener Land gab es einmal ein großes Skispringer-Talent. Ein ganz besonderes Talent. Denn die sportlichen Begabungen bestanden nicht nur aus dieser tollkühnen Disziplin, sondern sie waren genauso optimistisch auch im Fußballsport angesiedelt. Somit musste sich der junge Mann eines Tages entscheiden.

Und diese Entscheidung geriet zu einer ebenso einzigartigen wie schwierigen Qual der Wahl: Will ich weiter durch die Lüfte fliegen oder lieber Fußball spielen? Trainieren für Olympia oder für die Fußball-Bundesliga?

Als Zwölfjähriger zum FC Bayern

Ja, diese Gegenentwürfe beanspruchten einen ganzen Mann, doch der war er eben noch nicht. So liebte er so lange wie möglich beides. Denn in beidem war er gut und erfolgreich als Kind im Wintersport-Idyll Berchtesgaden, rund siebenhundert Meter über dem Meeresspiegel gelegen.

Die Entscheidung nahmen ihm die Talente-Scouts des großen FC Bayern ab: Als er zwölf war, ist er Ihnen aufgefallen. So ist er dann rüber in die Großstadt, an die Säbener Straße, in die Ausbildung des FC Bayern. Und von den Bayern ist auch der Weg zum DFB ein sehr kurzer: Im Fußballalter zwischen 15 und 21 spielte er regelmäßig in allen Auswahlteams des DFB.

Doch der weite Sprung in die Bundesliga, der blieb diesem skispringenden Fußballer verwehrt. Diesem drahtigen, leichtfüßigen jungen Mann mit dem Skispringertalent wurde die sichere Landung im Eliteteam der Bayern nicht zugetraut.

„ Am Ende war ich mir sicher: Den brauchen wir in Aue. ”
Gerd Schädlich über Fabian Müller

So ist er mit 19 erstmals im Erzgebirge gelandet. Gerd Schädlich war damals Trainer dort. Ist eigens zu einem Ligaspiel des U23-Teams der Bayern auf den Betzenberg nach Kaiserslautern gereist. „Doch nach 20 Spielminuten war die Reise für die Katz‘: Müller musste mit einer Kopfverletzung vom Platz“, berichtet Schädlich, als sei es erst gestern gewesen.

Doch abhaken mochte Schädlich die Idee, diesen jungen, lebendigen Sprinter ins Erzgebirge zu holen, dennoch nicht: „So habe ich mich dann lange mit Hermann Gerland über Fabian unterhalten. Und am Ende war ich mir sicher: Den brauchen wir in Aue.“

Auf dem Betzenberg wurde er nicht glücklich

Und in Aue hat sich Fabian Müller – quasi im Tempo eines Sprungschanzenanlaufs – überzeugend durchgesetzt. Diese Robustheit hatten ihm viele nicht zugetraut und sie machte nach anderthalb Jahren Lust auf neue Herausausforderungen. Da Aue die 2. Bundesliga verloren hatte und Ablöseerträge gut gebrauchen konnte, sollte der 1. FC Kaiserslautern Müllers neues Fußballglück sein.

Doch wurde es nicht. Also nach wiederum nur anderthalb Jahren Rolle rückwärts nach Aue. Zurück in die Wintersportregion des großen Skispringers Jens Weißflog. Offenbar genau das richtige Aktionsfeld für Fabian Müller auch als Fußballer. Denn diesmal blieb er länger dort, so dass am Ende insgesamt fünf Spielzeiten mit 185 Einsätzen und die Rückkehr in die 2. Bundesliga im Jahre 2016 daraus wurden beim FC Erzgebirge.

Fabian Müller (l.) gegen Aues Cebio Soukou.

Im Dynamo-Trikot kann Fabian Müller (l.) 70 Einsätze vorweisen. ©imago images/Eibner

Und weil er danach direkt drei Jahre bei Dynamo Dresden anheuerte, ist Fabian Müller der König dieses Derbys, das am Sonntag zum 35. Male seit der fußballerischen Neuzeit, also seit dem Wegfall der Grenzen, stattfindet. Von den bisherigen 34 Kräftemessen hat Fabian Müller insgesamt 13 Auflagen dieses pikanten Ostderbys auf dem Spielfeld erlebt. Entweder für die einen oder eben für die anderen. Dies hat kein anderer Profi seither hinbekommen.

13 Derbys, fünf Siege

So hat dieser „immer so angenehme Typ“, wie Gerd Schädlich seine Entdeckung aus dem Talente-Füllhorn des FC Bayern gern bezeichnet, zweierlei absolut exklusiv in seinem Fußballerleben: Den Mut, von einer 100-Meter-Schanze zu springen sowie die Erfahrungsintensität mit diesem so bedeutenden Derby des sächsischen Fußballs.

Denn niemand anderes war in beiden Lagern so oft am Start: Von den 13 Derbys in acht Jahren erlebte er sieben im gelben Dynamo-Trikot, sechs im Veilchenton des FC Erzgebirge. Mit Aue hat er drei gewonnen, mit Dynamo nur zwei. So gibt es niemanden, der die Emotionen zuvor, das Spektakel selbst und die Gefühlswelt nach dem Derby in beiden Lagern kompletter und dauerhafter erlebt hat als Fabian Müller.

Gerd Schädlich bei Erzgebirge Aue

Achteinhalb Jahre und exakt 300 Spiele war Gerd Schädlich für Erzgebirge Aue verantwortlich. ©imago images/Picture Point

„Fabian ist bei mir und auch später meinen Nachfolgern in Aue immer ein Musterprofi gewesen. Seine offene, frische und geistreiche Art war immer eine Bereicherung für das Betriebsklima in der Mannschaft. Nun, und auf dem Platz hat er eben immer Gas gegeben, sich immer reingehauen, obwohl körperlich nicht sonderlich viel in die Waagschale werfen konnte“, erinnert sich Gerd Schädlich weiter.

Der ist übrigens inzwischen Ehrenmitglied des FC Erzgebirge und wird am Sonntag selbstredend auf der Tribüne Platz nehmen. Fabian Müller indes hat seine Karriere als Profifußballer beendet, lebt wieder in München und kickt für den fünftklassigen FC Pipinsried.

Und wie man hört, soll er sich auch wieder um eine neue Skispringer-Ausrüstung gekümmert haben. Nun, offenbar wird hier wieder einmal eine gute, alte Lebensweisheit bestätigt, die jeder in irgendeiner Form kennt: Was ein Mensch als Kind liebt und lernt, lernt er fürs ganze Leben…

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