Zwischenbilanz Eintracht Braunschweig – Löwen nach Startproblemen voll da

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Donnerstag, 19.11.20 | 09:31

Nach dem Bundesliga-Abenteuer, das wie von vielen Experten prophezeit nur von einjähriger Dauer war, ist Eintracht Braunschweig seit Sommer wieder zurück in Liga zwei. Im Wissen um die Probleme, die viele Absteiger haben, gaben sich die Verantwortlichen der Eintracht, die trotz des verpassten Klassenerhalts die selben geblieben sind, in Sachen Zielsetzung zurückhaltend. Anstatt des direkten Wiederaufstieges wurde als Ziel keine konkrete Platzierung ausgegeben, sondern nur „eine gute Rolle“ spielen zu wollen. Nach den ersten 19 Spieltagen liegt der BTSV auf Platz vier und damit im Soll. Angesichts der Tatsache, dass die Eintracht nur durch das Torverhältnis von den Rängen zwei und drei getrennt wird, ist allerdings auch noch deutlich mehr, nämlich die Bundesliga-Rückkehr, definitiv im Bereich des Möglichen.

Saisonverlauf: Fünf Siege am Stück

Mit dem 2:2 bei Fortuna Düsseldorf und dem 3:0 gegen den 1. FC Heidenheim begann Eintracht Braunschweig die Saison gut und schien zunächst keine Probleme zu haben, sich wieder in der 2. Bundesliga zurechtzufinden. Schon beim äußerst mühevollen 1:0 im DFB-Pokal beim Bremer SV lieferte die Mannschaft von Trainer Torsten Lieberknecht dann aber eine dürftige Leistung ab, auf die in der Liga drei Niederlagen in Serie folgten. Nach weiteren zwei Heimsiegen und zwei Auswärtsniederlagen, die unter dem Strich einen mit zehn Punkten aus neun Spielen mauen Start ergaben, markierte dann die Partie am zehnten Spieltag die Wende zum Besseren.

Nach 0:2-Rückstand glich der BTSV kurz vor dem Ende gegen die SpVgg Greuther Fürth noch zum 2:2 aus und startete damit eine Serie von sieben Pflichtspielen ohne Niederlage. Nach dem Remis gegen Fürth gewann Braunschweig nicht nur in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei den Würzburger Kickers mit 1:0, sondern auch fünfmal in Folge in der Liga, womit das Feld auf eindrucksvolle Art und Weise von hinten aufgerollt wurde. Das 0:1 beim Karlsruher SC am 16. Spieltag und das anschließende 1:1 gegen Union Berlin waren nur kleine Dämpfer, ehe zum Ende des Jahres gegen Fortuna Düsseldorf (2:1) und beim 1. FC Heidenheim wieder zwei Siege gelangen.

Trainer: Torsten Lieberknecht als Prophet

Als Torsten Lieberknecht im Februar 2014 seinen Vertrag bis 2017 verlängerte, war klar, dass Eintracht Braunschweig mit dem seit Mai 2008 amtierenden Fußball-Lehrer auch zurück in die zweite Liga gehen würde. Lieberknecht, den während der Bundesliga-Saison nur kurzzeitig Selbstzweifel befielen, wusste zwar um die Schwere der Aufgabe eines Neuanfangs nach der noch nicht lange zurückliegenden Aufstiegseuphorie, machte sich aber voller Elan an die Arbeit und behielt auch die Ruhe, als es in den ersten Wochen der Saison nicht rund lief. Vielmehr erwies sich der 41-Jährige sogar als Prophet, den trotz eines Platzes im Tabellenkeller brachte Lieberknecht wiederholt sein vollstes Vertrauen in die Mannschaft zum Audruck und prognostizierte sogar die dann eingetroffene Erfolgsserie. Spätestens damit hat der Coach wieder jegliche Zweifel an seinem Wirken zerstreut und sitzt so fest im Sattel wie kaum ein anderer seiner Berufskollegen.

Transferbilanz: Überwiegend positiv!

Mit dem inzwischen zum Nationalspieler gereiften Karim Bellarabi, Ermin Bicakcic, Domi Kumbela, Omar Elabdellaoui und Daniel Davari hat Eintracht Braunschweig im Sommer neben einigen Akteuren, deren Abgänge kaum ins Gewicht fielen, fünf Stammkräfte verloren. Insbesondere Bicakcic, Kumbela und Elabdellaoui hätte man gerne weiter an der Hamburger Straße gesehen, was aufgrund von Ausstiegsklauseln oder nur für die Bundesliga gültigen Verträgen nicht machbar war.

Dafür holte der Sportliche Leiter Marc Arnold in enger Absprache mit Trainer Lieberknecht sechs neue Spieler nach Braunschweig, die die in sie gesetzten Erwartungen indes nicht alle erfüllen konnten. Zur unumstrittenen Nummer eins und einem der besten Zweitliga-Torhüter aufgeschwungen hat sich der Pole Rafael Gikiewicz, der im Vergleich zum abgewanderten Davari sicherlich keine Schwächung bedeutet. Überzeugen konnte auch der vom SC Freiburg ausgeliehene Vegar Eggen Hedenstad, der zumeist auf der linken Abwehrseite zum Einsatz kam. Eine Reihe davor setzte der gleichfalls auf Leihbasis aus Freiburg gekommene Hendrick Zuck zumindest mehrfach, wenn auch nicht immer positive Akzente. Etwas Anlaufzeit benötigt hat der dritte Leihspieler: Seung-Woo Ryu hatte zunächst Probleme, sich in Braunschweig zurechtzufinden, blühte dann aber im Herbst auf und brachte es bei seinen zwölf Einsätzen auf vier Tore. Pech hatte derweil Saulo Decarli, der schon in der Vorbereitung eine Muskelverletzung erlitt, sich dann aber zwischenzeitlich zum Abwehrchef aufschwang, ehe er von der nächsten Verletzung gebremst wurde. Der Schweizer U21-Nationalspieler hat aber das Potential, mittel- bis langfristig eine wichtige Rolle zu spielen. Die Erwartungen nicht erfüllen konnte trotz guter Ansätze der vom FC Brügge ausgeliehene Mushaga Bakenga, der zwar zwei Tore erzielte, überwiegend aber enttäuschende Leistungen zeigte.

Für die Restrückrunde hat die Eintracht den slowenischen Flügelspieler Nik Omladic vom NK Olimpia Ljubljana verpflichtet.

Schlüsselspieler – Stärken / Schwächen

von Werner100359 [CC BY-SA 3.0], Wikimedia

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Schon im Aufstiegsjahr war es eine Stärke der Eintracht, stets eine absolut geschlossene Elf auf den Platz schicken zu können. Auch das aktuelle Team agiert äußerst homogen und kein Spieler ist sich zu schade dafür, Fehler seiner Nebenleute auszumerzen. Dadurch steht Braunschweig in der Defensive zumeist stabil, wenngleich es nur in fünf der 19 Liga-Spiele gelungen ist, hinten dicht zu halten. Seit dem fünften Spieltag wurde aber auch nur ein einziges Mal, beim 2:2 gegen Fürth, mehr als ein Gegentor zugelassen.

Auf der anderen Seite ist die Eintracht in der Offensive zwar gut, aber nicht annähernd so stark wie im Aufstiegsjahr 2012/13. Erst am Ende des Jahres kristallisierte sich mit Ryu ein zweiter verlässlicher Torschütze heraus, nachdem zuvor oft nur der achtmal erfolgreiche Havard Nielsen (Foto) Torgefahr ausstrahlte. Nielsen ist denn auch nicht von ungefähr einer der Schlüsselspieler der Lieberknecht-Elf, in der außerdem Keeper Gikiewicz, die Verteidiger Marcel Correia und Ken Reichel sowie Mirko Boland im Mittelfeld bislang eine überdurchschnittliche Saison spielen. Große Hoffnungen ruhen in der Rückrunde nun auf der Rückkehr des lange verletzten Jan Hochscheidt, der fraglos das Potential besitzt, um die Offensive anzukurbeln.

Ausblick / Prognose

Eintracht Braunschweig besitzt grundsätzlich das Potential, um am Ende zumindest auf Platz drei zu stehen, hat aber große Konkurrenz. Dass nahezu alle Konkurrenten wie der 1. FC Kaiserslautern, der Karlsruher SC, der FC Ingolstadt und RB Leipzig noch nach Braunschweig müssen, ist angesichts der Stärke der Eintracht an der Hamburger Straße ein Trumpf. Schon der Start ins neue Jahr gegen Kaiserslautern könnte daher eine Signalwirkung haben. Letztlich müsste aber schon vieles optimal laufen, damit die Eintracht den direkten Wiederaufstieg packt.