Hannover 96: Bickel oder Beiersdorfer?

Analyse der Top-Kandidaten

Dietmar Beiersdorfer.

Kehrt Dietmar Beiersdorfer rund zweieinhalb Jahre nach seinem Abschied in Hamburg in den deutschen Profi-Fußball zurück? ©imago images/Eibner

Hannover 96 beginnt den Neuaufbau nach dem erneuten Abstieg in die 2. Bundesliga mit der Suche nach einem neuen Sportchef. Die Nachfolge von Horst Heldt will gut überlegt sein, sodass sich Präsident Martin Kind Zeit lässt bei der Begutachtung der Kandidaten. Der Kreis scheint sich Medienberichten zu Folge aber im Wesentlichen auf zwei Personen zu beschränken, nachdem unter anderem Markus Krösche abgesagt hatte.

Zum einen wird der Name Dietmar Beiersdorfer hoch gehandelt, daneben wird Fredy Bickel, aktuell noch bei Rapid Wien tätig, genannt. Entgegen Berichten des Sportbuzzer ist der Schweizer nach wie vor im Rennen um den Posten bei den Niedersachsen.

Die Lösung aus den eigenen Reihen ist ebenfalls ein Thema, doch es sieht so aus, als ob Martin Kind dem Interims-Sportchef Jan Schlaudraff und den beiden anderen Ex-Profis Steven Cherundolo und Altin Lala noch die nötige Erfahrung, wenn auch nicht die grundsätzliche Kompetenz abspricht. Sie könnten jedoch in Zusammenarbeit mit einem übergeordneten Sportchef beteiligt werden.

Was braucht Hannover?

Den Niedersachsen, beziehungsweise ihrem Präsidenten, kommt es wohl darauf an, wieder langfristig eine solide Kaderplanung ohne die ganz großen Ausgaben zu betreiben. Die guten Erinnerungen an die Ära Jörg Schmadtke zwischen 2009 und 2013 sind noch sehr präsent. Mit vergleichsweise kleinem Geld baute der heutige Wolfsburger eine Mannschaft, die es sogar ins internationale Geschäft schaffte.

Martin Kind hatte wohl auch mit dem Rückblick auf diese Zeit jüngst die Kaderzusammenstellung kritisiert. Dass er sich im Winter geweigert hatte, neben Nicolai Müller und Kevin Akpoguma weitere externe Neuzugänge zu finanzieren, zeigt außerdem, dass der Hörgeräte-Magnat nicht mehr gewillt ist, große Summen auszugeben.

Hinzu kommt, dass der neue Sportchef ein Händchen bei der Trainerwahl haben sollte und ein gutes Einvernehmen zwischen den beiden sportlich Verantwortlichen bestehen sollte. Auch die Dissonanzen zwischen Horst Heldt und André Breitenreiter führten schließlich zum Abstieg der 96er.

Fredy Bickel.

Fredy Bickel arbeitete erfolgreich in Österreich und der Schweiz, bald auch in Hannover? ©imago images/GEPA pictures

Beiersdorfer kennt die Spitzenklasse

Von diesen Kriterien erfüllen beide Kandidaten einige. Trotz der medial als katastrophal dargestellten Bilanz, besonders seiner zweiten Amtszeit beim HSV, kann Dietmar Beiersdorfer auf Erfolge verweisen. Seine erste Phase war von guten Tabellenplätzen und gelungenen Transfers wie dem von Jerome Boateng gezeichnet.

Zumindest das Spielerpotential für die 1. Liga kennt er also gut. Auf Spitzen-Niveau ist er ohnehin gut vernetzt, holte bei St. Petersburg Top-Stars wie Axel Witsel oder Hulk nach Russland, freilich gegen zweistellige Millionenbeträge.

Allerdings stellte Beiersdorfer beim HSV insgesamt neun Trainer an, keiner blieb langfristig. Seine zweite Phase war zudem von teuren, wenig erfolgreichen Transfers geprägt. Einige davon, wie Pierre-Michel Lasogga belasten den Klub noch heute. Abstiegskampf war der Alltag.

Bickel hat das Auge

Der Schweizer Fredy Bickel hingegen gilt vor allem als Trainer-Kenner. Beim FC Zürich, den Young Boys Bern und Rapid Wien arbeitete er jeweils über längere Zeiträume mit Lucien Favre, Urs Fischer, Adi Hütter oder dem aktuell bei Nürnberg im Gespräch befindlichen Damir Canadi. Den FCZ und die Young Boys führte er so ins internationale Geschäft.

Spieler sucht er üblicherweise nicht im oberen Regal. Stattdessen stellte er ein Auge für Talente, die für den nächsten Entwicklungsschritt bereit sind, unter Beweis. Den heutigen Gladbacher Raffael etwa kannte kaum jemand, bevor Bickel ihn nach Zürich holte. Auch den Wolfsburgern Admir Mehmedi und Renato Steffen bot er einst Chancen, welche sie nutzten.

Fast jedes Jahr stehen hohe Millionenbeträge auf der Plus-Seite seiner Transferbilanzen. Als eine seiner Stärken gilt in beiden Ländern seine Teamfähigkeit, dank der er mit den Trainern jeweils die Kader homogen zusammenstellte.

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