Hannover 96: Hinter den Kulissen – der Fanbeauftragte

Interview mit Johannes Seidel

Autor: Christian Slotta Veröffentlicht: Dienstag, 16.10.18 | 10:08
Johannes Seidel Fanbeauftragter von Hannover 96

96-Fanbeauftragter Johannes Seidel in seinem Büro. ©Hannover 96

Hier auf Liga-Zwei.de lassen wir regelmäßig Spieler zu Wort kommen. Doch „hinter den Kulissen“ jedes Vereins gibt es noch viele weitere wichtige Akteure. Zum Beispiel einen Fanbeauftragten. Zum Auftakt unserer neuen Rubrik sprachen wir mit Johannes Seidel, der sich um die Fan-Belange bei Hannover 96 kümmert.

Herr Seidel, früher sind oft ehemalige Spieler, die einen Job brauchten, Fanbeauftragter geworden. Von Ihnen ist nicht bekannt, dass Sie höherklassig gespielt haben. Wie sind Sie an den Job bei Hannover 96 gekommen?
Johannes Seidel: „Ich habe in Hannover Sport und Englisch auf Lehramt studiert. Danach habe ich hier am Institut für Sportwissenschaft gearbeitet. In dieser Zeit wurde ich gefragt, ob ich für das Fanprojekt arbeiten möchte. Das habe ich anderthalb Jahre gemacht, bevor ich das Angebot vom Verein bekommen habe und hierher gewechselt bin.

„ Wir beschäftigten uns viel mit der Spieltagsvorbereitung. ”
über Aufgaben an spielfreien Tagen

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus, wenn kein Spiel ist?
Seidel: „Das ist höchst unterschiedlich, eigentlich ist kein Tag wie der andere. Gerade saßen wir beispielsweise in der internen Spieltagsbesprechung und in der Sicherheitsbesprechung für das nächste Spiel. Überhaupt beschäftigen wir uns viel mit der Spieltagsvorbereitung, da gibt es Gespräche mit dem Fanprojekt Hannover,  der Landespolizei, der Bundespolizei oder der Deutschen Bahn. Außerdem setzen wir uns natürlich regelmäßig mit unterschiedlichen Fangruppen zusammen. Dabei versuchen wir, die Wünsche der Fans aufzunehmen und im Verein zu kommunizieren.“

Und was für Aufgaben haben Sie am Spieltag selbst?
Seidel: „Wir sind da zu zweit vor Ort – als Ansprechpartner, falls es irgendwelche Fragen zum Einlass oder zu Fanmaterialien gibt. Hin und wieder kommt es auch vor, dass wir in Konfliktfällen schlichten müssen. Oder dass wir in besonderen Fällen zwischen Ordnungsdienst und/oder Polizei und Fans vermitteln müssen.  Zusätzlich unterstützen wir die Fans auch bei der Anmeldung und der Genehmigung  für Choreographien.“

„ Bei besonderen Fahrten fahren wir direkt mit Fans mit. ”
über Reisen zu Auswärtsspielen

Reisen Sie bei Auswärtsfahrten gemeinsam mit den Fans an?
Seidel: „Das ist unterschiedlich. Wir organisieren für alle Spiele entweder einen Fanbus oder -zug, aber wir reisen nicht immer damit an. Wenn es eine besondere Fahrt ist, dann fahren wir natürlich auch direkt mit, um vor Ort zu sein. Aber oftmals ist es auch wichtig, dass wir schon deutlich vorm Spiel da sind – auswärts sind wir eigentlich immer eine Stunde vor Stadionöffnung da, damit wir uns mit dem dortigen Leiter des  Ordnungsdienstes und den Verantwortlichen des Heimvereins  abstimmen können.“

Als Fanbeauftragter stehen Sie zwischen den Stühlen, müssen die Interessen des Vereins und der Fans unter einen Hut bringen. Wie schaffen Sie es, beiden Seiten gerecht zu werden?
Seidel: „Man muss auf jeden Fall gut zuhören können und versuchen, die Anliegen der anderen Seite möglichst neutral zu vermitteln, um so einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das kann manchmal relativ schwer sein, aber jetzt gerade läuft es bei uns ganz gut.“

Tatsächlich? Von außen hatte man in den vergangenen Monaten immer wieder den Eindruck, dass die Ultras heftigen Widerstand gegen Martin Kind leisten. Wie gehen Sie als Vereinsangestellter mit dieser Situation um?

Seidel: „Mittlerweile ist es wirklich relativ ruhig, das hat sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre sehr zum Positiven entwickelt. Wir haben in sehr vielen Gesprächen versucht, das Ganze durch einen ehrlichen Dialog in die richtigen Bahnen zu lenken. Wir haben mittlerweile auch einen Fanbeirat, der sich regelmäßig auch mit anderen Leuten aus dem Verein, also nicht nur mit uns Fanbeauftragten, trifft. Da lassen sich dann auch Sachen auf höheren Ebenen abstimmen. Ich glaube, dass wir da insgesamt gerade auf einem sehr guten Weg sind.“

„ Wir entscheiden da auch nichts. ”
über Stadionverbote

Wie sehen Sie als Fanbeauftragter eigentlich den Umgang mit Pyrotechnik?
Seidel: „Das ist natürlich ein schwieriges Thema. Aber Pyrotechnik ist eben verboten und daran müssen sich die Vereine halten.“

Und wie ist das bei Stadionverboten? Entscheiden Sie mit?
Seidel: „Jeder Verein hat einen Stadionverbotsbeauftragten, das sind aber glücklicherweise nicht wir. Wir entscheiden da auch nichts. Aber Leute, die ein Stadionverbot haben, sind natürlich immer noch Fans von Hannover 96 – deshalb fühlen wir uns für alle verantwortlich. Aus diesem Grund versuchen wir, den Dialog mit allen Fans zu halten, auch wenn sie gerade nicht im Stadion sein können. Es kann also schon sein, dass wir versuchen, diesen Leuten eine Perspektive zu bieten und sie über ehrenamtliche Arbeit einzubinden.“