Eintracht Braunschweig: Interview mit Domi Kumbela

"Wir kommen in die heiße Phase"

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Dienstag, 01.12.20 | 14:41
Domi Kumbela im Trikot von Eintracht Braunschweig.

Braunschweiger Urgestein: Domi Kumbela erzielte bisher 81 Treffer für die Löwen. ©Imago/Laci Perenyi

Domi Kumbela hat rund 225 Pflichtspiele für Eintracht Braunschweig absolviert und zählt somit zu den großen Identifikationsfiguren des Vereins. Nachdem Braunschweig vergangene Saison um den Aufstieg kämpfte und erst in der Relegation am VfL Wolfsburg scheiterte, landeten sie in dieser Spielzeit zwischenzeitlich im Abstiegskampf.

Kumbela spricht im exklusiven Liga-Zwei.de-Interview über die Gründe dafür. Außerdem verrät er, warum er ein Spätstarter ist und weshalb er nicht zum Africa Cup wollte.

Herr Kumbela, ob nun Greuther Fürth, Karlsruhe oder Nürnberg – viele Vereine, die in der Relegation verloren haben, erlebten danach eine schwache Saison bis hin zum Abstiegskampf. Warum ist das nun auch Eintracht Braunschweig passiert?
Domi Kumbela: „Das ist schwer zu sagen. Sicherlich ist jeder Verein enttäuscht, wenn der Aufstieg knapp verpasst wurde. Vielleicht denkt man auch unterbewusst, man könnte direkt wieder eine gute Saison spielen. Dann wacht man auf und befindet sich in einer ganz anderen Tabellensituation.“

Immerhin hat Eintracht Braunschweig nun sieben Punkte aus den letzten drei Spielen geholt und ist auf den neunten Tabellenplatz vorgerückt. Wie sicher ist der Klassenerhalt?
Kumbela: „Noch gar nicht sicher. Die Tendenz zeigt zwar nach oben, weil wir konstant gepunktet haben. Aber der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt gerade einmal drei Punkte.“ 

„ Was dort nun passiert, macht einen schon traurig. ”
über Ex-Klub Kaiserslautern

In den nächsten Partien heißen die Gegner Bochum, Dresden und Darmstadt. Sind das gefühlte Endspiele, um sich von der Konkurrenz abzusetzen?
Kumbela: „Wir kommen jetzt in die heiße Phase der Saison. Unser bevorstehendes Auswärtsspiel in Bochum ist ein harter Brocken. Von allen Vereinen, die unten in der Tabelle stehen, hat der VfL wahrscheinlich die fußballerisch beste Mannschaft. Aber wir reisen mit Selbstvertrauen an und versuchen auch dort, zu punkten.“

Der Blick in die Bundesliga verrät, dass kommende Saison Mannschaften wie der Hamburger SV, der 1. FC Köln oder vielleicht auch der VfL Wolfsburg in der 2. Liga spielen werden. Rückt der Traum vom Aufstieg somit in unerreichbare Ferne?
Kumbela: „Wenn es so kommt, erwartet uns auf jeden Fall eine sehr interessante Zweitliga-Saison. Für andere Mannschaften kann es natürlich extrem schwierig werden, wenn Mannschaften wie der HSV, Mainz oder Wolfsburg absteigen.

Diese Vereine haben finanziell ganz andere Möglichkeiten und können sich Top-Spieler leisten, mit denen sie sofort den Wiederaufstieg angehen würden. Aber die 2. Liga steckt immer voller Überraschungen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass jetzt Holstein Kiel so eine tolle Saison spielt? Das zeigt, dass in der 2. Liga alles möglich ist.“

Bei Ihrem Ex-Verein Kaiserslautern ist der Abstieg in die 3. Liga kaum noch zu verhindern. Fühlen Sie mit Ihrem Ex-Verein mit?
Kumbela: „Teilweise schon. Ich habe bei Kaiserslautern in der Jugend und in der 2. Mannschaft gespielt. In der Pfalz, wo ich herkomme, war der 1. FC Kaiserslautern immer ein Traum-Verein. Was dort nun passiert, macht einen schon traurig. Andererseits sage ich als Fußballer: Besser es passiert denen als uns.“

„ Rückblickend würde ich sagen, falsch beraten worden zu sein. ”
über seine Karriere

Sie haben sich in Ihrer Karriere Stück für Stück hochgearbeitet. Erst ein paar Jahre Regionalliga, dann 3. Liga, 2. Liga und schlussendlich Bundesliga. Blieb Ihr Talent lange unentdeckt oder haben Sie sich einfach nur spät entwickelt?
Kumbela: „Rückblickend würde ich sagen, falsch beraten worden zu sein. Hätte ich den Berater, den ich heute habe, bereits mit 16 oder 17 Jahren gehabt, hätte ich es vielleicht schneller nach oben geschafft. Hinzu kommt aber, dass ich in jungen Jahren selber noch nicht realisiert hatte, wie weit ich es in diesem Beruf bringen könnte. Aber besser spät als nie (lacht).“

Sie haben mit ihren neun Toren in der Saison 2013 / 2014 bewiesen, auch in der Bundesliga als Stürmer zu funktionieren. Warum kamen keine weiteren Erstliga-Einsätze hinzu?
Kumbela: „Es ist nicht so, dass ich keine Chance bekam. Es gab einige Angebote. Aber ich habe mich anders entschieden und bin in die Türkei zu Kardemir Karabükspor gegangen.“

Ihr großes Glück haben Sie dort allerdings nicht gefunden…
Kumbela: „In der Türkei war einiges anders als in Deutschland. Es ist emotionaler, das Training wird anders geleitet, das Wetter ist anders, die Mentalität ist anders. Für einige Spieler, die nie zuvor im Ausland aktiv waren, ist es nicht ganz einfach, dort Fuß zu fassen. Als ich kam, hatte sich die Mannschaft gerade erst für die Europa League qualifiziert.

Durch diese Doppelbelastung ist es der Mannschaft schwer gefallen, in der Liga zu punkten. Wir gerieten in einen Negativlauf und sind abgestiegen. Weil mein Vertrag für die 2. Liga nicht gültig war, bin ich nach Deutschland zurückgekehrt.“

„ Dort gelten andere Regeln. ”
über den Fußball in Afrika

Sie haben auf eine Nationalmannschaftskarriere verzichtet, obwohl Sie zwei Mal vom Kongo zum Africa Cup eingeladen wurden. Was war der Grund dafür?
Kumbela: „Als ich die erste Einladung bekam, das war in der Winterpause der Saison 2012 / 2013, hatte der Aufstieg mit Eintracht Braunschweig für mich Priorität. Da wir letztendlich wirklich aufgestiegen sind und ich mit meinen 19 Toren dazu beitragen konnte, war das auch die richtige Entscheidung.“

Und was sprach gegen die zweite Einladung?
Kumbela: „Wissen Sie, Afrika ist völlig anders als Europa. Dort spielen manchmal Spieler in der Nationalmannschaft, die in Europa wohl keine Chance bekämen. Dort gelten andere Regeln und es herrscht eine andere Politik. Da ich in Deutschland aufgewachsen bin, komme ich damit schwer zurecht. In Deutschland wird nach dem Leistungsprinzip aufgestellt. In Afrika ist es oft anders. Das hat mir nicht gefallen.“

Herr Kumbela, vielen Dank für das Interview!