1. FC Nürnberg: Interview mit Tim Handwerker

„Saison ohne Abstiegssorgen zu Ende spielen“

Tim handwerker vom 1. FC Nürnberg

Tim Handwerker hat in seiner jungen Karriere schon viel erlebt. ©Imago images/foto2press

Tim Handwerker vom 1. FC Nürnberg spricht mit Liga-Zwei.de über den Kampf gegen den Abstieg und das bevorstehende Heimspiel gegen Darmstadt, aber auch über seine Zeit beim 1. FC Köln und der niederländischen Eredivisie.

Herr Handwerker, der 1. FC Nürnberg hat nur eines der letzten sechs Ligaspiele verloren. Ist die Ergebniskrise damit überwunden?
Tim Handwerker: „Auf jeden Fall ist es positiv, dass die letzten Spiele so gelaufen sind. Aber wenn man sich die Tabelle anschaut, ist alles brutal eng. Was wir in den vergangenen sechs Spielen geschafft haben, können andere Mannschaften auch schaffen. Wir müssen weiter Gas geben und schauen, dass wir den Abstand nach hinten möglichst vergrößern.“

Wäre der Klassenerhalt bereits ein Erfolg oder streben Sie als 1. FC Nürnberg zumindest einen Tabellenplatz im Mittelfeld an?
Handwerker: „Erst einmal geht es darum, die Saison ohne Abstiegssorgen zu Ende zu spielen. Der Tabellenplatz ist für mich jetzt noch kein Thema.“

Welchen Einfluss hat Trainer Jens Keller seit seiner Amtsübernahme und vor allem in der Wintervorbereitung genommen?
Handwerker: „Wir stehen defensiv stabil und sind physisch auf einem guten Level. Das zeigt sich auch an den Laufdaten. Wir investieren sehr viel in die Spiele. Auch das Spiel mit dem Ball wird besser, weil wir viele Dinge einstudiert haben.“

Da sind viele Dinge auf mich eingeprasselt. (über Startschwierigkeiten in Nürnberg)

Warum tun sich mit dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 Ihrer Einschätzung nach zwei Bundesliga-Absteiger in dieser Saison so schwer?
Handwerker: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die 2. Liga enorm eng ist. Zwischen Platz 7 bis Platz 16 liegen oftmals nur wenige Punkte. Alle Mannschaften sind super aufgestellt und können dagegenhalten.

Der VfB Stuttgart hat am Montagabend letztendlich auch nur mit einem Tor gegen Bochum gewonnen. Alle Mannschaften tun sich in dieser Liga schwer. Warum nun ausgerechnet wir und Hannover besonders große Probleme hatten, kann ich allerdings auch nicht erklären.“

Sonntag steht nun das Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 an. Das Hinspiel endete mit einem spektakulären 3:3. Was für ein Spiel erwarten Sie diesmal?
Handwerker: „Das wird sicherlich ein sehr enges Spiel, genauso wie jede andere Partie auch. Wenn wir an die Leistung aus den letzten Spielen anknüpfen können, bin ich guter Dinge.“

Jens Keller sagte bereits in der Wintervorbereitung, Sie hätten sich ganz anders präsentiert als in den Wochen zuvor. Haben Sie etwas Zeit gebraucht, um in Nürnberg richtig anzukommen?
Handwerker: „Wenn man in eine neue Umgebung kommt, sind anfängliche Schwierigkeiten nicht außergewöhnlich. Da sind viele Dinge auf mich eingeprasselt. Es ist nicht immer selbstverständlich, direkt bei 100 Prozent zu sein.

Nun habe ich mich hier aber gut eingefunden. Sicherlich tat die Winterpause auch dem Kopf gut, um auf andere Gedanken zu kommen.“

Ich war überrascht, welchem Wellen das geschlagen hat. (über den Testspielsieg gegen die Bayern)

In der Wintervorbereitung gab es das spektakuläre Testspiel gegen den FC Bayern München, welches mit 5:2 gewonnen wurde. Kurz darauf folgte das erste Pflichtspiel des Jahres 2020 beim Hamburger SV und eine 1:4-Niederlage. War das ein Wechselbad der Gefühle?
Handwerker: „Ich war selber überrascht, welche Wellen das Testspiel gegen den FC Bayern München geschlagen hat. Uns gab dieses Spiel natürlich ein gutes Gefühl. Auch nach der Niederlage in Hamburg hatte ich keine Befürchtungen, dass wir in ein Loch fallen würden. Wir sind unserer Linie treu geblieben.“

Sprechen wir kurz noch über Ihre Karriere: Sie stammen aus dem Nachwuchs von Bayer 04 Leverkusen, sind dann zum 1. FC Köln gewechselt und hatten in der Saison 2017 / 2018 elf Einsätze in der Bundesliga. Nach dem Abstieg wurden Sie in die Niederlande an den FC Groningen verliehen. War das auch in Ihrem Sinne oder hätten Sie sich mehr Spielpraxis in der 2. Bundesliga erhofft?
Handwerker: „Nach den elf Spielen in der Bundesliga hatte ich mir schon erhofft, auch in der 2. Bundesliga dabei zu sein. Aber ich bin glücklich über meinen weiteren Karriereverlauf. Die Saison in Holland war überragend. Es hat mich vor allem menschlich weitergebracht, die Heimat zu verlassen und in ein anderes Land zu gehen.“

Das war keine Schönspielerei. (über seine Zeit beim FC Groningen)

In der Niederlande waren Sie unangefochtener Stammspieler und haben gegen Top-Vereine wie Ajax Amsterdam und PSV Eindhoven gespielt. Hat sich das wie ein Hauch Champions League angefühlt?
Handwerker: „Die Spiele gegen Ajax Amsterdam waren schon etwas Besonderes, weil diese Mannschaft auch in der Champions League für Furore gesorgt hat. Von der Atmosphäre her waren die Spiele gegen Ajax vergleichbar mit den Zweitligaspielen in Hamburg oder Stuttgart.“

Wie haben Sie das fußballerische Niveau im Vergleich zur 1. oder 2. Bundesliga empfunden?
Handwerker: „So groß war der Unterschied nicht. Man sagt immer, dass in Holland das Spielerische im Vordergrund steht. Allerdings habe ich bei einer Mannschaft gespielt, die körperlich gut gearbeitet und viel investiert hat. Das war keine Schönspielerei. In der 2. Bundesliga wird vielleicht noch etwas ergebnisorientierter und physischer gespielt.“

Bestand die Option, dass Sie in der Niederlande bleiben?
Handwerker: „Verschiedene Vereine haben Interesse bekundet. Daher musste ich erst einmal abwägen, welcher Schritt für mich der richtige ist. Ich habe mich in den Niederlanden beim FC Groningen sehr wohlgefühlt und hätte mir auch vorstellen können, dort zu bleiben. Ich bin aber auch glücklich, dass ich am Ende in Nürnberg gelandet bin.“

Deutschland gehört immer zur Weltspitze. (über die U21-Nationalmannschaft)

Sie sind auch deutscher U21 Nationalspieler und spielen die Qualifikationsspiele im Hinblick auf die Europameisterschaft 2021. Wie groß schätzen Sie die Chance ein, dann, genauso wie die beiden vorherigen deutschen U21-Nationalmannschaften, um den Titel mitzuspielen?
Handwerker: „Die letzten beiden Jahrgänge der U21 waren überragend. Ich glaube, dass auch das Trainerteam einen richtig guten Job macht. Wir werden super eingestellt und haben eine gute Spielidee. Wir stecken allerdings noch am Anfang, hatten erst drei Lehrgänge und müssen noch zusammenwachsen. Wir haben auf jeden Fall einen sehr guten Kader.“

Zählt der Kader zur Weltspitze?
Handwerker: „Deutschland gehört immer zur Weltspitze. Wenn Deutschland bei den letzten beiden U21-Europameisterschaften so erfolgreich war, gibt es keinen Grund, warum wir nicht auch erfolgreich sein sollten.“

Herr Handwerker, vielen Dank für das Gespräch!

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