Arminia Bielefeld: Interview mit Legende Norbert Eilenfeldt

"Normalerweise müsste ich Ingolf Lück ein Bier ausgeben"

Autor: Marius Siebelmann Veröffentlicht: Samstag, 09.12.17 | 07:41
Norbert Eilenfeldt im Trikot seines Vereins Arminia Bielefeld

Bielefelder Jahrhundert-Spieler: Norbert Eilenfeldt trug 243-mal das DSC-Trikot ©Imago/Kicker/Liedel

Norbert Eilenfeldt hat in seiner Karriere viel erlebt, die meisten Fußball-Schlachten schlug er für Arminia Bielefeld sowie den 1. FC Kaiserslautern. Der einstige Torjäger, der nach seiner Karriere dem Profi-Fußball den Rücken kehrte und seit einigen Jahren für das Verler Unternehmen Beckhoff tätig ist, spricht im Interview mit Liga-Zwei.de über seine besondere Beziehung zum DSC.

Herr Eilenfeldt, haben Sie Ingolf Lück eigentlich schon ein Bier ausgegeben?
Norbert Eilenfeldt: „Nein, das habe ich noch nicht gemacht. Ich habe ihn zwar schon einige Male getroffen, aber ein Bier haben wir noch nicht zusammen getrunken. Normalerweise müsste ich ihm aber mal ein Bier ausgeben.“

Mit den Worten „Wer den nicht für die Jahrhundertelf nominiert, verdient lebenslänglich Stadionverbot“ kommentierte Lück Ihre Nominierung für die Bielefelder Jahrhundertelf. Wie sehr haben Sie sich darüber gefreut?
Eilenfeldt: „Das war eine sehr große Auszeichnung für mich, dass das Publikum mich in die Elf gewählt hat. So etwas passiert natürlich nicht alle Tage. Es war ein Riesen-Kompliment für mich und meine Leistungen. Ich habe mich sehr darüber gefreut.“

„ Es war ein Riesen-Kompliment für mich und meine Leistungen. ”
über die Wahl in die Jahrhundertelf

243-mal liefen Sie in Ihrer Karriere für Bielefeld auf. Welche Worte bringen diese besondere Beziehung rückblickend am besten auf den Punkt?
Eilenfeldt: „Da gibt es natürlich mehrere Aspekte. Die Aufstiege mit Arminia waren sehr positiv und schön, da hat immer alles gepasst und wir konnten am Ende der Saison feiern.

Auf der anderen Seite gab es natürlich auch negative Momente, wie den Abstieg 1978/79. Bielefeld hat aber ein tolles Stadion mit einer großartigen Kulisse. Ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt bei der Arminia.“

Ihr erster Halt auf der Alm glich jedoch einer kleinen Achterbahnfahrt, zweimal stiegen Sie dabei in die 1. Bundesliga auf. Nach welchem Aufstieg war der Kater am nächsten Tag denn stärker?
Eilenfeldt: (lacht) „Nach dem zweiten Aufstieg. Ein Jahr zuvor sind wir aus der 1. Bundesliga abgestiegen und haben es somit geschafft, direkt wieder aufzusteigen. Von 38 Partien haben wir 30 gewonnen.

Anschließend konnten wir zudem die Klasse in der 1. Bundesliga halten. Dabei kann ich mich noch gut an den Sieg gegen 1860 München erinnern, wo ich auch mein letztes Tor für Bielefeld erzielen konnte. Das war ein schönes Abschiedsgeschenk in Bielefeld, da ich danach für fünf Jahre zum 1. FC Kaiserslautern gewechselt bin.“

„ Ihn nur an seinen Toren zu messen, wäre falsch. ”
über Fabian Klos

Geboren sind Sie Gelsenkirchen – ausgerechnet gegen den FC Schalke 04 erzielten Sie Ihren ersten Bundesligatreffer. Gab es danach viel Ärger mit der Familie?
Eilenfeldt: „Nein, überhaupt nicht. In meiner Laufbahn habe ich später auch nochmal für Schalke gespielt, da war das alles kein Thema mehr. Ich habe mich mit dem Verein, für den ich gerade aktiv war, immer identifiziert und mich dort wohlgefühlt. Solche Emotionen kamen dann immer an zweiter Stelle.“

Norbert Eilenfeldt gegen Jürgen Kalb

Wer ist schneller? Norbert Eilenfeldt (l.) im Duell mit Darmstadts Jürgen Kalb in der Saison 1978/79 ©Imago/Ferdi Hartung

Fabian Klos hat Sie in der ewigen Torschützenliste der Arminia bereits überholt…
Eilenfeldt: „Ja, Fabian Klos ist ein sehr guter Stürmer. Das hat er sich auch verdient, aber ihn nur an seinen Toren zu messen, wäre falsch. Er ist im Vergleich zu mir ein ganz anderer Spielertyp und macht seinen Job in Bielefeld wirklich sehr gut. Ich bin froh, dass er für die Arminia spielt.“

… am 1. Spieltag nach der Winterpause könnte er nach Spielen mit Ihnen gleichziehen. Werden Sie dennoch ein ruhiges Weihnachtsfest haben?
Eilenfeldt: „Mit Sicherheit. Ich wünsche ihm sogar, dass er noch etliche Spiele mehr absolvieren wird. Er ist ein sehr wertvoller Spieler und ich hoffe, dass er so erfolgreich bleibt und weiterhin treffen wird.

Dadurch hat er der Mannschaft schon oft geholfen, sei es im Kampf um den Klassenerhalt. Doch vielleicht helfen seine Tore der Arminia auch einmal, über den Aufstieg in die 1. Bundesliga nachzudenken. Das muss nämlich das Ziel von Bielefeld sein.“

„ Wenn man ehrlich ist, dann geht es oftmals natürlich nur um das Geld. ”
über Loyalität im Profifußball

So loyale Verbindungen wie zwischen der Arminia und Klos sind im heutigen Fußball jedoch selten geworden. Warum wechseln Profis heutzutage häufiger den Verein?
Eilenfeldt: „Ja, solche Verbindungen gibt es nicht mehr oft. Seit meinen fußballerischen Anfängen und der heutigen Zeit haben sich die Dinge schon verändert, da zählt nicht nur der sportliche Anreiz.

Wenn man ehrlich ist, dann geht oftmals natürlich nur um das Geld. Selbst ein Vertrag, der noch vier Jahre läuft, hat seinen Stellenwert verloren. Dann einigen sich die beiden Vereine auf eine Ablösesumme und der Spieler ist weg. Das ist leider eine Tatsache geworden, ändern wird sich das wohl nicht mehr.“

In den letzten beiden Jahren hielt sich Bielefeld vornehmlich im unteren Tabellenbereich auf, aktuell reicht es jedoch für’s obere Mittelfeld. Sind Sie vom aktuellen Saisonverlauf überrascht?
Eilenfeldt: „Unter Jeff Saibene hat die Mannschaft bereits in den letzten Spielen der vergangenen Saison angedeutet, was möglich ist. Es war ein ganz anderes Spiel, die Mannschaft hat besseren Fußball gespielt und wirkte aggressiver. Das hat sich über weite Teile der laufenden Saison so fortgesetzt. Das Potenzial ist vorhanden, aktuell ist man vorne mit dabei.“

Kann es denn in dieser Saison schon zum Aufstieg reichen?
Eilenfeldt: „Vor der Saison wollte der Verein einen einstelligen Tabellenplatz und wenn das am Ende so kommen wird, dann darf man ruhig zufrieden sein. Es ist nicht immer gut, die Ziele nach einem guten Start hochzuschrauben. Wenn die Mannschaft und der Trainer ihre Arbeit so fortsetzen können, dann wird der Erfolg bleiben.“

„ Im Moment sieht es sehr düster aus. ”
über Ex-Klub Kaiserslautern

Sie spielten in Ihrer Laufbahn zudem für Schalke und Kaiserslautern, mit den Pfälzern schnupperten Sie sogar UEFA-Cup-Luft. Träumen Sie manchmal noch von dieser Zeit?
Eilenfeldt: „Träumen nicht, aber ich habe sehr gute Erinnerungen an diese Zeit. Es waren ja auch fünf Jahre, in denen ich für Kaiserslautern aktiv war. Da erinnert man sich gerne an das 5:0 gegen Real Madrid zurück, auch wenn im Halbfinale für uns dann Schluss war.

Solche Dinge bleiben aber natürlich hängen. An meinen Elfmeter in Madrid kann ich mich noch gut erinnern, an das Tor auf dem Betzenberg im Rückspiel allerdings nicht mehr.“

Der Unterschied könnte aktuell wohl größer kaum sein, spielt Kaiserslautern aktuell um den Klassenerhalt in der 2. Liga. Was wünschen Sie sich für den Verein
Eilenfeldt: „Es waren schöne Jahre dort, es hat mir gut gefallen. Wir waren international unterwegs, haben in der Bundesliga oben mitgespielt. Das war mit Bielefeld nicht immer der Fall. Ich wünsche dem Verein, dass er in absehbarer Zeit wieder an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen kann. Im Moment sieht es allerdings sehr düster aus.“

Nach Ihrem Karriereende waren Sie im Jugendbereich als Trainer aktiv. Was hat Sie daran gereizt?
Eilenfeldt: „Nach meiner aktiven Zeit als Spieler wollte ich die Erfahrungen an junge Spieler weitergeben. Bei Arminia war ich als A-Jugend-Trainer aktiv, es hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht, mit den Jugendlichen zu arbeiten.

Es hat mich angespornt, meine Kenntnisse weiterzugeben. Nach meiner Zeit in Bielefeld habe ich auch einige Jahre noch beim SC Verl in diesem Bereich gearbeitet.“

Herr Eilenfeldt, vielen Dank für das Interview!

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