Aus der Patsche – die Liga-Zwei.de-Kolumne: Folge 12

Druck gehört zum Profi-Fußball dazu

Autor: Nico Patschinski Veröffentlicht: Mittwoch, 11.04.18 | 11:31
Nico Patschinski ist Kolumnist bei Liga-Zwei.de

Liga-Zwei.de-Kolumnist Nico Patschinski äußert sich diesmal zu den Aussagen von Per Mertesacker.

Hallo Fußball-Freunde,

ein Thema hat in den letzten Wochen im Fußball hohe Wellen geschlagen. Die Aussagen von Per Mertesacker über den hohen Druck im Fußball und seinen Zustand vor jedem Spiel wurden von Leuten wie Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg unterschiedlich kommentiert. Da ist ja klar, dass auch Euer Patsche seinen Senf dazu geben muss.

Einmal finde ich es gut, dass sich jemand wie ‚Merte‘ eine Schwäche eingesteht. Da bin ich dann mal mit ‚Effe‘ einer Meinung. Mit seiner Erfahrung kann Per junge Spieler gut auf die schwierigen Situationen vorbereiten. Aber seine Aussagen an sich finde ich schon problematisch.

„ Ich werde auch nicht Pilot, wenn ich Flugangst habe. ”
über Umgang mit Druck im Fußball

Mir ist vor allem aufgestoßen, dass er froh war, als er mit der Nationalelf bei der WM 2006 ausgeschieden war. Millionen Deutsche haben geheult, als im Halbfinale Schluss war und er war froh, dass es vorbei war. Da rastet man als Fan doch aus. Acht Jahre später fährt er wieder mit zu einer WM, obwohl ihn ja niemand gezwungen hat. Finde den Fehler.

Auch, dass er am liebsten auf der Bank oder sogar noch lieber auf der Tribüne sitzt, kann ich nicht nachvollziehen. Leistungsdruck gehört zum Profifußball dazu, damit muss man umgehen können. Ich arbeite ja auch nicht als Pilot, wenn ich Flugangst habe.

„ Manche waren eine Stunde auf dem Klo. ”
über Aufregung vor dem Spiel

Sogar wenn der Druck mal größer war, kann ich nicht sagen, dass mir mal wirklich schlecht war. Dafür hatte ich immer zuviel Spaß. Unmenschlichen Druck habe ich höchstens nach dem Akropolis-Teller mit extra Gyros bei meinem Lieblingsgriechen.

Natürlich ist man vor wichtigen Spielen mal aufgeregt, wie ich Euch schon erzählt habe. Manche meiner Mitspieler waren sogar vor jedem Spiel eine Stunde auf dem Klo und hatten ein Date mit einer dünnen Brünetten, aber die haben sich nicht 15 Jahre danach beschwert.

„ Er hätte ja nicht Bestatter oder Busfahrer werden müssen. ”
über Alternativen zum Profi-Fußball

Ich Frage mich: Warum hat er nicht irgendwann aufgehört? So war er unfair gegenüber anderen Spielern, die glücklich wären, einmal bei Arsenal auf der Bank zu sitzen. Warum hat er das 15 Jahre durchgezogen, wenn es ihm so schlecht ging? Er hätte ja nicht Bestatter oder Busfahrer werden müssen. Ein cleverer Kerl wie er wäre sicher ein guter Manager.

Die schönen Seiten am Fußball überwiegen dann wohl doch, sagt Mertesacker ja selbst im Interview. Ein Haufen Geld, das tolle Gefühl, wenn die Fans dich feiern. Da muss man die schwierigen Seiten in Kauf nehmen, oder eben einen Schlussstrich ziehen. Sebastian Deisler hat ja tatsächlich aufgehört, weil er nicht mehr klar kam. Das finde ich völlig in Ordnung. Wenn ich merke, der Job ist nichts für mich, dann lasse ich es sein.

Also mein Fazit zu der Sache ist klar: Einen Fußballprofi muss niemand bemitleiden, aber es ist schon gut, dass man über die weniger schönen Dinge an diesem Job mal offen spricht. So überlegen es sich junge Talente vielleicht in Ruhe, bevor sie nichts richtiges lernen und alles auf Fußball setzen. Denn nur die wenigsten werden Weltpokalsiegerbesieger.

Haben Fußball-Profis zuviel Druck – Was denkt Ihr?

Diskutiert auf der Liga-Zwei.de-Facebook-Seite mit oder schreibt mir an [email protected] (die Jungs leiten mir die Mails dann weiter).

Bis demnächst,

Euer Patsche

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