Chapeau, Jae-Sung Lee

Die besondere Leistung des 4. Spieltags

Jae-Sung Lee (r.) jubelt.

Überragte gegen den KSC in ungewohnter Rolle: Kiels Jae-Sung Lee (r.). ©imago images/Holsteinoffice

Als die “ 7″, also seine Trikot-Nummer, aufleuchtet, schaut er sich erst noch einen Moment lang orientierungslos um. Um dann aber beruhigt zu erkennen: Der Weg nach draußen, ist für ihn derselbe wie immer. Trotz der neuen Auswechselregel. Von der Mitte nach draußen, ist der Weg nach allen Seiten gleich. Also wie immer? Nein, wie immer ist überhaupt nichts in dieser 90. Spielminute: Dieser Jubel. Dieser Beifall. Diese Begeisterung. Diese Lautstärke.

Alles dies hat Jae-Sung Lee lange nicht, nein, mehr noch: Noch nie erlebt, seit er bei Holstein Kiel Fußball spielt. Der Jubel ist ohrenbetäubend, der Beifall ein Sturm der Begeisterung, als der Mann aus Südkorea wie immer seine Handflächen aneinanderpresst, direkt unterhalb des Kinns vor die Brust hält und seinen Kopf artig in alle vier Himmelsrichtungen neigt. Es ist seine Art, Danke zu sagen. Das macht er immer so, das ist sein Ritual, immer und überall.

Bei der WM in Russland entdeckt

Doch noch nie zuvor hat er selbst so gestrahlt dabei, so gelacht, so jung und glücklich ausgesehen. Überall ist spürbar, sichtbar, hörbar wieviel Freude dieser Jae-Sung Lee der Kieler Fußballgemeinde an diesem Nachmittag gemacht hat. Von ganz unten am Spielfeld bis hoch zu den obersten Plätzen der neuen Tribüne.

Denn Lee hat an der Ostseeküste lange darauf warten müssen, ehe sich die Menschen in seiner Wahlheimat endlich wieder einmal laben können an einem Auftritt ihres wertvollsten und berühmtesten Fußball-Lieblings wie die Bienen an einem Marmeladenbrot.

Das war sensationell vor einem Jahr: Zuerst hilft Lee tüchtig mit, Löw, Neuer, Kroos & Co. aus der WM zu kicken und nicht einmal einen Monat später ist dieser Meister der asiatischen Spiel- und Kampfkunst für eine Million Euro Ablöse in Deutschland aktiv. Doch nicht in der Eliteliga, sondern bei Holstein Kiel. Und dort schien man schier zu platzen vor lauter Stolz, weil Lee mit einer überragenden Leistung seinen neuen Verein auch gleich zu einem 3:0-Triumph beim großen HSV steuerte.

Südkorea-Connection an der Kieler Förde

Doch Lees Beine wurden bald müder. Erst zwickte das Knie, dann der Zeh. Er spielte nicht mehr überragend, doch immer noch gut genug: 31 Spiele, fünf Treffer und 10 Vorlagen in Liga und DFB-Pokal sind keine schlechte Bilanz.

Wäre sie besser, wäre wohl auch er nicht zu halten gewesen in Kiel. So aber können sie nun diesen neuen Anlauf nehmen: Lee ist wieder frisch, hat wieder Reserven und wieder Freude. Zudem einen Landmann als neuen Teamkollegen (Young-Jae Seo), der vier Jahre Deutschland voraus hat und sein Leben bereichert. Und einen neuen Trainer, der nun diese zündende Idee hat, Lee eine neue Position und so ein neues Aktionsfeld zu geben.

Schuberts Erkenntnis geht auf

Weil Karlsruhes baumlange Innenverteidigung (Gordon/Pisot) nichts lieber mag als ebenso körperliche Angreifer (wie Kiels Iyoha und Serra) aus dem Verkehr zu ziehen, hat Schubert, der Kieler Trainer, Lee genau dorthin platziert. Denn die Erkenntnis, dass der KSC hinten gegen wendige und flinke Kontrahenten Schwächen zeigen könnte, hat Schubert aus Braunschweig, also aus der 3. Liga mitgebracht.

Mit überwältigendem Erfolg.

Noch immer läuft nicht alles rund im neuen Holstein Kiel, doch Lee in die offensiven Brennpunkte zu schicken, ist der Volltreffer dieses 4. Spieltages der 2. Bundesliga. Chapeau, Lee ! Und auch: Chapeau, Schubert!

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