Chapeau, Ole Werner

Die besondere Leistung des 10. Spieltags

Ole Werner gibt beim Spiel von Holstein Kiel gegen den VfB Stuttgart Anweisungen

Wann wird er endgültig zum Cheftrainer? Nach dem 1:0 in Stuttgart gibt es gegen Ole Werner keine Argumente mehr. ©imago images/Pressefoto Baumann

Es war der vierte Auftritt des Fußball-Lehrer-Azubis Ole Werner in der 2. Bundesliga. Und er geriet zu einem ganz besonderen Ereignis. Der Triumph seiner Kieler Störche beim großen VfB Stuttgart ist viel mehr als nur der Sieg des Lehrlings über seinen Lehrmeister. Derartiges ist schon häufiger passiert. Otto Rehhagel hat niemals gemocht, dass ihn Möhlmann, Sidka oder Schaaf später besiegen konnten.

Was den sportlichen Durchbruch im Verbund mit der eindrucksvollen Präsenz des Ole Werner an diesem zehnten Prüfungstag in dieser 2. Bundesliga so besonders macht, ist die Botschaft der Mannschaft an den Verein, an dessen Entscheidungs-Gremien und an deren aktuelles, irritierendes Personalkarussell.

Votum im Namen des Teams

So hat sich Hauke Wahl, als Teamkapitän Ole Werners rechte Hand auf dem Spielfeld, nach dem Match in der Interviewzone des Stuttgarter Stadions mutig aufgebaut und im Namen der Mannschaft sein Votum in die Notizblöcke einiger Reporter diktiert: Dieser Sieg sei der Dank der Mannschaft an Fabian Wohlgemuth. „Er hat großen Anteil daran“, erklärte Wahl in diesem medialen Rahmen wörtlich, „dass Ole Werner unser Trainer geworden ist. Es gibt nun keine Argumente mehr gegen Ole Werner.“ Soll heißen: Reifeprüfung bestanden.

Die Entscheidung der Mannschaft ist spektakulär. Sich einzubringen in die Trainerdiskussion und sich einzusetzen für den Erhalt einer Fußballkultur, die Wohlgemuth als Konstrukteur in Kiel auf dem besten Wege war zu einer Marke zu machen, wirkt wie ein Fanal der Eigenverantwortung. Wohlgemuth kann der Mannschaft Impulse und Perspektiven des fußballerischen Aufbruchs, der Kreativität und des Antriebs nicht mehr geben. Doch Ole Werner könnte dies. Wenn er bliebe.

DFB zeigt sich kooperativ

Werner ist der erste Trainer, der es zu diesem frühen Zeitpunkt der Ausbildung zum Fußball-Lehrer mit dem Spagat aufnimmt, gleichzeitig ein Team der 2. Bundesliga zu trainieren und zu coachen. Dass Wohlgemuth diese Version zwar privilegierte, doch zunächst auf den Prüfstand stellen mochte, steht für ein fürsorgliches, kluges Unterfangen. Liga-Zwei.de hat sich im Lager der DFB-Ausbilder umgehört: Im Bereich des Erlaubten können sich Ole Werner und Holstein Kiel sicher sein, auch dort auf kooperatives Mitwirken zu treffen.

Doch offenbar ist den Spielern zu Ohren gekommen, dass die neu installierte sportliche Leitung für die Neubesetzung des Cheftrainers andere Pläne hat. Die Eigenverantwortung auf dem Spielfeld zu übernehmen, um danach ihren jungen Trainer als Idealbild zu präsentieren und so die in Gefahr geratene Fußballkultur der KSV Holstein zu erhalten, erscheint als eine ebenso bravouröse charakterliche wie strategische Meisterleistung.

Mit frischem Einfluss des Trainers

In der Tat haben die so erfahrenen Holstein-Kicker um Wahl, van den Bergh, Schmidt und Meffert zuvor ebenso couragiert auf dem Spielfeld überzeugen können. Und hier kommt auch Ole Werner mit seinem frischen handwerklichen Einfluss unübersehbar zur Geltung: Der Defensivverbund ist organisiert, die körperliche Frische stabil, der Antrieb kreativ und zielstrebig. Allein beim Abschluss ruckelte es auch diesmal: Im Konterspiel hätten durchaus ein, zwei Treffer mehr herausspringen können.

Und Ole Werner scheint einem weiteren Problem auf die Spur gekommen zu sein: Holstein Kiel im Stile des charismatischen Tim Walter zu übernehmen, entsprach nicht der Natur des André Schubert. So nahm der sportliche Teufelskreis Fahrt auf: Die von Walter noch auffällig inspirierten, etablierten Spieler waren mit ihrer Irritation beschäftigt und somit nicht – was notwendig gewesen wäre – für die vielen jungen neuen hochbegabten Sprinter da.

Doch die brauchen in neuer Umgebung Hilfe, brauchen Orientierung. Dies ist immer und überall so. Doch in Kiel haben sie diesen Support in diesem Sommer nicht bekommen, denn die etablierten Kräfte im Trikot der Störche konnten unter diesen Umständen dies nicht geben.

Doch Ole Werner hat es geschafft, diese Symbiose wieder zu festigen: Hier Frische, Jugendlichkeit, Mut und Begeisterung. Dort Abgeklärtheit, Gelassenheit und Erfahrung. Die erfolgreichen Korrekturen des Ole Werner zeigen auch: Die Argumente des ursprünglichen fußballerischen Weges gehören keineswegs der Fußball-Vergangenheit an. Irrtümer wie im Falle Schubert sind kein Grund alles in Frage zu stellen. Denn sie kommen im Profifußball genauso häufig vor wie das Saisonaus von Leistungsträgern durch einen Kreuzbandriss.

Deshalb gilt das Vertrauen des wiedererstarkten Holstein-Teams dem eingeschlagenen Weg eines Verstoßenen und der Arbeitsweise eines Hoffnungsträgers. Die Reaktion des Vereins wird voller Spannung erwartet…

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