Die Liga-Zwei.de Sprechstunde: Folge 3

Grippe im Fußball

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Sonntag, 05.11.17 | 08:06
Werner Krutsch vom VFB Stuttgart im Zweikampf.

Ex-Profi und Sportmediziner: Dr. Werner Krutsch (m.) über Grippe im Fußball. ©Imago/Sportfoto Rudel

Hatschi – eine Grippe kommt meist zu den unpassendsten Zeitpunkten und auch Fußballer sind davor natürlich nicht gefeit. So fiel zum Beispiel zuletzt Sandhausens Stefan Kulovits krankheitsbedingt aus, Darmstadts Kevin Großkreutz laboriert derzeit an einer Erkältung.

In der dritten Folge unserer Liga-Zwei.de Sprechstunde klären wir mit unserem Experten Dr. Werner Krutsch über die Gefahren einer Grippe in Verbindung mit Fußball auf und geben Tipps für Amateursportler.

Grippe, Erkältung, Schnupfen – wo ist der Unterschied?
Ein Schnupfen kann von einem Virus hervorgerufen werden oder auch durch eine Allergie. Damit kommt der Körper aber meist gut zurecht. „Wenn nur Schnupfen vorliegt, ist es nichts, bei dem Fußballer pausieren müssten, wenn sich mehr daraus entwickelt, allerdings schon“, so Krutsch.

Bei einer Erkältung der Atemwege gestaltet sich die Sache schon etwas schwieriger. Anzeichen dafür ist der sogenannte „produktive Husten“, bei dem auch grüner Schleim dabei ist. Laut dem Liga-Zwei.de-Experten solle man als Sportler in so einem Fall pausieren.

Die Grippe ist eine Viruserkrankung und „systemisch, das heißt der ganze Körper ist krank. Dies merkt man an Symptomen wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Schüttelfrost und vor allem dem Fieber“, so Krutsch und weiter: „Bei einer Grippe herrscht absolutes Sportverbot, bis die Symptome komplett abgeklungen sind.“ Das dauert circa sieben bis zehn Tage.

„ Bei einer Grippe herrscht absolutes Sportverbot ”
Dr. Krutsch über Grippe im Fußball

Was passiert bei einer Grippe?
„Der Körper infiziert sich im Alltag mit einem Virus, der quasi stärker als das eigene Immunsystem ist“, so der Sportmediziner. Leistungssportler sind zum Teil anfälliger für eine Grippe, da das Immunsystem durch die anstrengenden körperlichen Leistungen hoch beansprucht wird.

Kann eine Grippe zu Folgeschäden führen?
„Von unserer ersten und zweiten Bundesliga weiß ich, dass die Grippe mittlerweile sehr ernst genommen wird“, so Krutsch. Dies hängt auch mit den Erfahrungen aus der Vergangenheit zusammen.

Es ist erwiesen, „dass Viren, die für die Infektion verantwortlich sind, bei nicht adäquater Behandlung, wo auch die Sportpause dazugehört, auf´s Herz schlagen können“. Das kann Rhythmus-Störungen und auch eine Herzschwäche hervorrufen, aber auch der plötzliche Herztod kann eine Folge sein.

„ Viren können auf´s Herz schlagen ”
Dr. Krutsch über unpassende Behandlung der Grippe

Wie wird die Grippe behandelt?
„Erste Maßnahme im Fußball ist der Schutz des Gesamtteams vor Ansteckungen anderer Spieler. Zu häufig bekommen wir von drei bis fünf Spielerausfällen bei Teams mit, was verhindert werden kann, wenn man frühzeitig kranke Spieler Zuhause lässt“, so Krutsch.

Im Unterschied zu einer bakteriellen Infektion (keine Grippe, aber ähnliche Symptome), für die es Antibiotika gibt, hilft beim Virus keine direkte Behandlung. Wichtig ist bei einer Grippe der Zeitfaktor und viel Flüssigkeit, da man davon durch Fieber und Schwitzen viel verliert“, so der Liga-Zwei.de-Experte.

Der Nürnberger Mediziner ist außerdem „ein Freund von Hausmitteln, da man dadurch bestimmte Symptome angenehmer machen kann.“ Dabei favorisiert der Sportmediziner persönlich „warmen Tee, Honig oder Schleimlöser beim Husten“.

Wie beuge ich als Fußballer vor?
Wie jeder andere auch, sollten Fußballer ihr Immunsystem stärkenWichtig sind laut Dr. Krutsch eine „gesunde Ernährung, viel Flüssigkeit und ausreichend Schlaf, damit sich das Immunsystem erholen kann“. Auch möglich sind zum Beispiel „ausreichend Vitamin C und Zink, Vitamin D, B12 sowie auch Calcium oder Magnesium für den Vitaminhaushalt.“ 

Da Grippe wie viele andere Infektionskrankheiten durch eine Ansteckung mit Körperflüssigkeiten anderer Erkrankter entsteht, ist die beste Prävention allerdings die richtige Hygiene wie zum Beispiel das Händewaschen.

„ Gesunde Ernährung, viel Flüssigkeit und ausreichend Schlaf ”
Dr. Krutsch über Vorbeugemaßnahmen

Wie ist das im Amateursport?
Gleiches gilt auch für die Amateursportler. „Hier ist allerdings die medizinische Kontrolle anders“, so der Liga-Zwei.de-Experte. Besonders im Jugendbereich ist es so, dass noch Nachholbedarf in der Aufklärungsarbeit besteht und die Kinder vor jedem Spiel kontrolliert werden müssen, ob sie mit Krankheitssymptomen spielen würden.

„Wir haben zum Beispiel beim Bayerischen Fußballverband angeregt, dass es in jedem Notfallkoffer für Jugendteams ein Fieberthermometer gibt. Falls Trainer den Verdacht auf kranke Kinder haben, können sie so zumindest ausschließen, dass sie Kinder mit Fieber aufs Feld schicken“, so Krutsch.

Wieder ins Training einsteigen sollten Amateure wie auch Profis, wenn die Symptome komplett abgeklungen sind. Dann jedoch erst mal mit einem leichten Dauerlauf, sodass die Belastung bis zum Spiel gesteigert werden kann.

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