Die Liga-Zwei.de-Sprechstunde: Folge 4

Der Muskelfaserriss

Autor: Andreas Breitenberger Veröffentlicht: Mittwoch, 13.12.17 | 12:26
Christoffer Nyman gegen Manuel Riemann. Derzeit sind beide wegen eines Muskelfaserrisses außer Gefecht.

Leiden derzeit beide an einem Muskelfaserriss: BTSV-Angreifer Nyman (l.) und Bochums Riemann ©Imago/foto2press

Heute behandeln wir in unserer Liga-Zwei.de-Sprechstunde eine der häufigsten Fußballer-Verletzungen: Den Muskelfaserriss, wegen dem momentan zum Beispiel Bochums Keeper Manuel Riemann oder auch Braunschweig-Angreifer Christoffer Nyman außer Gefecht sind.

Als Experte fungiert auch dieses Mal wieder der Doc Eures Vertrauens, BFV-Verbandsarzt & Privatdozent Dr. Werner Krutsch. Wir erklären Euch, wie es zum Muskelfaserriss kommt, wie er geheilt wird und wie man dem vorbeugen kann.

Was passiert bei einem Muskelfaserriss?
Ein Muskel ist keine statische Struktur wie zum Beispiel ein Band, sondern ein dynamisches Gebilde. In einem Fußballspiel arbeiten verschiedene Muskelgruppen ständig mit und zwar durch die Kontraktion, das heißt die Muskeln ziehen sich zusammen, sowie die Relaxation, was bedeutet, der Muskel entspannt sich.

Einige Muskeln arbeiten dabei miteinander, andere sind „Gegenspieler“, was bedeutet, dass eine gute „Balance“ zwischen den verschiedenen Muskelgruppen notwendig ist. Durch eine bestimmte Bewegung, meist ohne Fremdeinwirkung, könne „die Anspannung in einer bestimmten Stelle eines Muskels zu hoch werden“, so Dr. Krutsch.

„ Eine der am heißesten diskutierten Verletzungen bei den Medizinern ”
Krutsch über den Muskelfaserriss

Das führt laut dem Sportmediziner dazu, dass die Muskelfaser überspannt wird und reißt. Diese gestörte Balance zwischen den Muskelgruppen, besonders am hinteren Oberschenkel, ist hierbei ein wichtiger Faktor für die immer häufiger werdenden Muskelverletzungen im bezahlten Fußball.

Ausgelöst wird dies „durch die höhere Belastung, das immer athletischer werdende Spiel und die geringere Regeneration in den letzten Jahren“, weswegen der Muskelfaserriss „eine der am heißesten diskutieren Verletzungen bei den Medizinern“ ist, wie der Liga-Zwei.de-Experte erklärt.

Wie wird er behandelt?
Ist eine Muskelfaser gerissen, ist es zunächst wichtig, die betroffene Stelle zu kühlen und angemessen zu verbinden, damit die Stelle nicht zu stark einblutet. Ansonsten ist der wichtigste Faktor bei einem Muskelfaserriss: Die Zeit.

„ Mindestens zwei bis drei Wochen Sportpause im Amateurfußball ”
Krutsch über die Behandlung

„Mindestens zwei bis drei Wochen Sportpause im Amateurfußball“ verordnet Dr. Krutsch. Im Profifußball ist die Sportpause laut dem Sportmediziner abhängig vom Risiko, das Spieler oder Verein eingehen wollen oder müssen, um möglichst früh wieder spielen zu können.

In dieser Pause „ist der Gang zum Physiotherapeuten wichtig, der eine schrittweise Lymphdrainage und Detonisierung der Muskulatur vornimmt sowie ein leichtes Aufbautraining steuert“. Im Rahmen der Heilung bildet sich im Körper dann ein Bluterguss. Die Stammzellen darin bilden im Idealfall neues Muskelgewebe, das die Enden der auseinander gerissenen Fasern verbindet.

Wann kann ich wieder einsteigen?
„Ein Muskelfaserriss wird oft unterschätzt“, so der Sportmediziner. „Wenn man nach zehn Tagen schmerzfrei ist, sollte man trotzdem nicht mit dem Sport anfangen.“ Die Belastung muss abhängig von der Verletzungsschwere schrittweise gesteigert werden. Unter anderem Kraft und Schnelligkeit sollten wieder auf dem alten Level sein, bevor der Einstieg in das reguläre Training Sinn macht.

„ Ein Muskelfaserriss wird oft unterschätzt ”
Krutsch über die Wahrnehmung der Verletzung

Treten beim Wiedereinstieg erneut Beschwerden auf, rät der Liga-Zwei.de-Experte dazu, „eine Pause zu machen, dann frisch zu beginnen und langsamer zu steigern“. Generell ist Vorsicht geboten, denn wer zu früh einsteigt, kann negative Folgeschäden hervorrufen.

Laut Dr. Krutsch kann es sein, „dass der Muskel wieder reißt, was zum einen sehr schmerzhaft ist. Andererseits kann es auch passieren, dass der Muskel nicht zusammenwächst, sondern sich ein Narbengewebe statt dem Muskel bildet.“ Dies hätte einen langfristigen Funktionsverlust des Muskels zur Folge.

Wie kann ich einem Muskelfaserriss vorbeugen?
„Richtiges Aufwärmen und Dehnen spielt eine große Rolle“, so Dr. Krutsch. Das Dehnen ist wichtig, um der Muskulatur eine Vorspannung zu geben. Vor jeder Belastung soll dem Muskel so gezeigt werden, was von ihm in Kürze erwartet wird.

Ebenso kann einem Muskelfaserriss durch die sogenannten exzentrischen Muskel-Übungen, vorgebeugt werden, die besonders für die hintere Oberschenkel- oder Wadenmuskulatur wichtig sind. „Wenn man diese Übungen regelmäßig durchführt, können Muskelverletzungen reduziert werden. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen“, so der Ex-Profi des VfB Stuttgart.

„ Richtiges Aufwärmen und Dehnen spielt eine große Rolle ”
Krutsch über Vorbeugemaßnahmen

Außerdem ist es entscheidend, dem Muskel Ruhe zu gönnen. „Die richtige Regeneration besteht darin, dass man dem Muskel nach einer Belastung genügend Zeit gibt, sich auszuruhen“, so Dr. Krutsch.

Neben Ruhe ist außerdem eine angemessene Flüssigkeitszufuhr und Ernährung wichtig. Bekommt der Muskel dies nicht, kann er sich schwer anfühlen, außerdem können Krämpfe entstehen. „Ein Krampf ist ein erstes Anzeichen dafür, dass die Belastung für die Muskulatur zu hoch ist“, sagt der Liga-Zwei.de-Experte.

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