Greuther Fürth vs Nürnberg: Interview mit Marcus Feinbier

Der Ex-Torjäger über das Franken-Derby

Autor: Dennis Keller Veröffentlicht: Freitag, 03.03.2017 | 10:33
Marcus Feinbier als Spieler von Fürth und Nürnberg

War für beide Teams am Ball. Marcus Feinbier spielte zwei Saisons für Fürth & eine für den Club. ©Imago

Franken-Derby in Fürth: Am Sonntag (Anstoß: 13.30 Uhr) treffen die SpVgg Greuther Fürth und der 1. FC Nürnberg aufeinander. Marcus Feinbier hat während seiner aktiven Karriere sowohl für die „Kleeblätter“ als auch für den „Club“ gespielt. Für welchen Verein er immer noch aufläuft, wie das Spiel seiner Meinung nach ausgeht und was er zur aktuellen Situation seiner beiden Ex-Klubs denkt, das verrät Marcus Feinbier im Interview mit Liga-Zwei.de.

Herr Feinbier, Sie haben eine Saison Nürnberg gespielt und auch zwei Jahre für die Fürther die Schuhe geschnürt. Gibt es einen Klub, dem Sie sich mehr verbunden fühlen?
Marcus Feinbier: „Insgesamt habe ich viele schöne Erinnerungen an beide Klubs und ans Frankenland insgesamt. Der „Club“ ist sehr traditionell und was das Sportliche angeht sehr groß. Nürnberg hat ein riesiges Fanpotential. In Fürth ist alles etwas kleiner und familiärer. Aber beide Seiten haben für mich viele positive Erfahrungen gebracht.“

Für den Club haben Sie nur 16 Spiele absolviert und sind schon nach einem Jahr wieder gegangen. Warum hat es dort nicht so gepasst?
Feinbier: „Der damalige Trainer Friedel Rausch hat mich nach Nürnberg geholt, wurde dann aber während der Saison durch Klaus Augenthaler ersetzt. Zwischen uns hat es dann einfach nicht gepasst. Es ist nichts Böses vorgefallen, aber er hatte einfach eine andere Philosophie und wir sind nicht auf einen Nenner gekommen. Dann habe ich mich entschieden, den Verein zu verlassen, obwohl ich unter normalen Umständen gerne geblieben wäre.“

„ Über kurz oder lang steigt Nürnberg auf. ”
über 1. FC Nürnberg

Trotz der kurzen Zeit in Nürnberg spielen Sie regelmäßig in der Traditionsmannschaft des Vereins. Es bestehen also noch gute Kontakte?
Feinbier: „Ja, ich spiele seit knapp zwei Jahren für die Nürnberger Traditionself. Eigentlich laufe ich ja seit acht Jahren für Bayer Leverkusen auf, aber mein Freund und Ex-Mitspieler Thomas Ziemer hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auch für den „Club“ zu spielen. Ich habe zugesagt und es macht riesigen Spaß, mit den alten Kollegen zu kicken. In Berlin haben wir in der Halle vor 10.000 Menschen gespielt. Das war schon ein geiles Gefühl.“

Glauben Sie, dass der Club bald wieder in der Bundesliga zu sehen ist?
Feinbier: „Für den „Club“ ist das normalerweise ein Muss. Von der Tradition und vom Umfeld her gehört der Verein in die Bundesliga. Aber es ist auch nicht leicht für die Spieler, mit dem Druck aus dem Umfeld umzugehen. Hinzu kommt, dass in der 2. Liga sehr guter Fußball gespielt wird und es, anders als vielleicht früher, sieben bis acht Mannschaften gibt, die um den Aufstieg kämpfen. Es ist nicht einfach, weil viele Teams auf Augenhöhe sind. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Nürnberger über kurz oder lang den Aufstieg wieder schaffen werden.“

„ Der Fußball hat sich verändert. ”
über Transfers

Scheitern die Bemühungen von Nürnberg und Fürth, in die Bundesliga aufzusteigen auch immer wieder daran, dass beide Klubs ihre besten Spieler abgeben müssen?
Feinbier:  „Ja das spielt eine große Rolle. Der Fußball hat sich verändert. Die Branche ist viel schnelllebiger geworden und es fließt viel mehr Geld. Früher musste sich ein Zweitliga-Spieler drei Jahre beweisen, ehe ihn ein Bundesliga-Klub geholt hat. Heute machen die Akteure ein paar gute Spiele und schon bekommen sie lukrative Angebote.

Ein aktuelles Beispiel ist der Abgang von Toptorjäger Burgstaller zu Schalke 04, der beim „Club“ natürlich eine große Lücke hinterlässt. Für Vereine, die aufsteigen wollen ist das natürlich sehr schwer zu kompensieren. Auch Fürth, seit vielen Jahren ein hochgeschätzter Ausbildungsverein, verliert immer wieder seine besten Spieler an finanzstarke Vereine. So wird es natürlich für beide Klubs schwer, in Zukunft wieder in die Bundesliga aufzusteigen.“

Am Sonntag steht in Fürth das Franken-Derby an. Fürth gewann das Hinspiel in Nürnberg mit 2:1. Gehen die Clubberer nach dieser Pleite besonders motiviert ins Rückspiel?
Feinbier: „Definitiv! Sie wollen natürlich zeigen, wer Herr im Frankenland ist. Der Druck ist bei solch einem prestigeträchtigen Derby natürlich sehr hoch. Die Club-Fans verzeihen viel, aber eine Derby-Niederlage nicht. Es ist halt ein ganz spezielles Spiel mit einer besonderen Atmosphäre. Da freut man sich als Spieler drauf und will natürlich um jeden Preis gewinnen. Die „Club“-Spieler werden jeden Grashalm dreimal umdrehen und versuchen, die in dieser Saison bisher nicht verwöhnten Fans mit einem Derby-Sieg zu entschädigen.“

Wie nervös waren Sie vor solchen Derbys. Sie haben ja einige mitgemacht?
Feinbier: „Nicht unbedingt nervös, aber angespannt. Wenn ich mit Leverkusen gegen Köln gespielt habe oder auch die Frankenderbys, dann war das immer ein ganz spezielles Gefühl. Man freut sich die ganze Woche und ist dann einfach nur froh, dass man dabei sein darf.“

„ Ich tippe auf ein 2:2. ”
über das Spiel am Sonntag

Sie haben drei Franken-Derbys mitgemacht. Alle endeten Unentschieden. Welches ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?
Feinbier: „Im Jahr 2003 haben wir gegen Nürnberg in der Hinrunde 1:1 gespielt. Das war ein super Spiel von beiden Seiten mit einem dramatischen Spielverlauf. In der Rückrunde habe ich beim 2:2 zwei Treffer gemacht. Sowas bleibt einem natürlich gerne in Erinnerung. Leider vermasselte uns Stefan Kießling mit einem kuriosen Tor zum 2:2 kurz vor Schluss den Sieg.“

Werden Sie am Sonntag im Stadion sein?
Feinbier: „Nein, ich werde mir das Spiel gemütlich zu Hause anschauen. dabei genüsslich die Füße hochlegen und meinen Kaffee trinken.“

Wie lautet Ihr Tipp für die Partie?
Feinbier: „Ich tippe auf ein 2:2. Ich hoffe auf ein unterhaltsames Spiel, in dem beide Mannschaften zeigen, was sie können und die Fans zufrieden nach Hause gehen.“

Was trauen Sie beiden Klubs in dieser Saison noch zu.?
Feinbier: „Beide Teams stehen im Mittelfeld. Nach unten und oben sind es zehn Punkte Abstand. Möglich ist alles, aber für beide wird in Richtung Aufstieg wohl nicht mehr viel zu holen sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Teams, die oben stehen einbrechen. Angesichts der Voraussetzungen kann Fürth bisher ganz zufrieden sein und hoffen, dass sie hier und da noch ein paar Punkte holen und sich vielleicht noch ein paar Plätze nach vorne schieben. Nürnberg hat seine Ziel bisher verpasst, daher wird es wohl eher um Schadensbegrenzung gehen.“

Herr Feinbier, wir danken Ihnen für dieses Interview!

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