Chapeau 2019, Uwe Neuhaus

Die besondere Leistung dieses Fußball-Jahres

Uwe Neuhaus von Arminia Bielefeld

Allen Grund zur Freude beim Rückblick auf 2019: Uwe Neuhaus. ©Imago images/Eibner

34 Punkte, 33 Treffer und wieder 34 Punkte, 35 Treffer. Was das ist? Dies ist Kontinuität. Dies ist Verlässlichkeit. Dies ist Stabilität.
Dies ist die Punkt- und Torausbeute von Arminia Bielefeld aus jeweils 18 Spielen in der 2. Bundesliga, seit Uwe Neuhaus dort auf der sportlichen Kommandobrücke steht.

Es ist das beste Arbeitszeugnis eines Trainers dieser Spielklasse im Fußballjahr 2019. Hätte Neuhaus vor einem Jahr von seinem Vorgänger Jeff Saibene ein wenig mehr Guthaben mit auf den Weg bekommen, wäre der DSC Arminia womöglich bereits im vorigen Frühsommer noch in die Eliteliga des deutschen Fußballs aufgerückt. Anstatt Köln, Paderborn oder Union.

Denn Neuhaus steuerte sein Team derart kraftvoll und widerstandsfähig durch die Rückrunde der vorigen Spielzeit, dass am Ende allein noch der SC Paderborn in diesem Zeitraum einen Punkt mehr herausholen konnte.

Die beiden anderen Aufsteiger, der große FC sowie Union, blieben in diesem Leistungsabschnitt deutlich hinter den Bielefeldern. Profitierten indes von ihrem Vorsprung gegenüber dem DSC Arminia aus der Vorzeit des Uwe Neuhaus.

Aus dem Windschatten der Favoriten

Aktuell sind nun wieder 18 Spiele absolviert und diesmal starten Neuhaus und sein Arminia-Ensemble als Ligaprimus in die entscheidende Wegstrecke. Arminia ist kürzlich erstmals herausgetreten aus dem Windschatten der großen Favoriten im Aufstiegsrennen zur 1. Bundesliga: Drei Punkte vor dem großen HSV und drei Punkte vor dem ebenso großen VfB.

Und wie wäre es gar noch mit diesen Gegenüberstellungen: Arminia rangiert 15 Punkte vor dem 1.FC Nürnberg und 13 Punkte vor Hannover 96.

Mit einem Rüstzeug aus Fußball-Brauchtum, Ambitionen und Finanzkraft wollen auch diese Berühmtheiten der Liga eigentlich direkt wieder eine dominierende Rolle spielen in dieser Treibjagd um zwei sichere Aufstiegsränge und um einen final nur noch von einer Relegation blockierten Platz in diesem Paternoster, der die Fußballwelt per Aufzug so bedeutend und spektakulär zu verbessern verspricht.

Arminia wird auch diesen Kultklubs allemal weiterhin im Wege stehen. Uwe Neuhaus ist unlängst 60 Jahre alt geworden. Im Sternzeichen des Schützen. Die Astrologie beschreibt die hier Geborenen als geistig rege nachdenkend, als unerschütterlich, als flexibel, optimistisch und motivierend.

„Trifft auf Uwe Neuhaus alles punktgenau zu“, sagt Olaf Janßen. Ein Trainerkollege, der Neuhaus so gut zu beschreiben vermag, ist für Liga-Zwei.de ein idealer Gesprächspartner. Denn Janßen ist besonders nahe bei Neuhaus: Als Mensch mit Zugang zu dessen persönlichem Umfeld und als Branchenkenner mit dem intimen Blick auf die vielfältigen Aktionsfelder des Profifußballs.

Mochte den Ball und hatte technische Fähigkeiten. (Olaf Janßen über den Verteidiger Uwe Neuhaus)

Zunächst waren sie Kontrahenten auf den Spielfeldern der Bundesliga: Neuhaus war sechs Jahre bei Wattenscheid 09 primär Spezialist für das Verteidigen des Tores. Vier davon im Fußball-Oberhaus.

Macht sechs hart umkämpfte Duelle mit Olaf Janßen, der beim 1.FC Köln elf Jahre lang eine feste Größe des Mittelfeldspiels verkörperte. Nur sechs, denn zweimal fehlte Neuhaus verletzt. Ebenso im einzigen Kräftemessen im DFB-Pokal.

Und nun stellt Janßen klar: „Ja, Uwe war zwar ein gewiefter Abwehrrecke, clever und kompromisslos. Doch er mochte den Ball, hatte die balltechnischen Fähigkeiten eines Mittelfeldspielers.“

Und nach dem Match gab es stets einen fairen Händedruck. Vier Vizemeisterschaften gewann Janßen im Geißbocktrikot: Im UEFA-Cup, zweimal in der Bundesliga sowie im DFB-Pokal. Olympia-Bronze gab es für Janßen mit der DFB-Auswahl 1988 in Seoul. Doch die Spiele gegen Wattenscheid fürchtete er stets besonders.

Uwe Neuhaus und Olaf Janßen

Uwe Neuhaus (l.) und Olaf Janßen waren Konkurrenten und Weggefährten. Imago images/Robert Michael

Kurios der zweite Akt der Neuhaus-Janßen-Story: Neuhaus war bei Borussia Dortmund fünf Jahre lang als Co-Trainer in eine Hochwertausbildung gegangen: Lange Assistent von Matthias Sammer, dann von Michael Skibbe, später noch kurze Zeit von Bernd Krauss und Udo Lattek.

Als die U23 des BVB in der Spielzeit 2004/05 drittklassig aktiv war, übernahm er dort seine erste Traineraufgabe in Alleinverantwortung. Seine besonnene Art war erfolgreich und auffällig.

Als RW Essen im April 2005 rief, um dem Verein die 2. Bundesliga zu erhalten, konnte auch Neuhaus nicht mehr retten, was nicht zu retten war. So war Neuhaus nun auch in Essen nur drittklassig und erhielt einen neuen Chef: Olaf Janßen wurde Sportdirektor dort. Neuhaus und Janßen steuerten das Team souverän zurück in die 2. Bundesliga.

Doch als dort der Punktestand karg blieb, tauschte Janßen kurzerhand den Trainer: Für Neuhaus kam Köstner. Rums. Seit dieser Spielzeit war RW Essen nie wieder in der 2. Bundesliga.

Seit Rausschmiss ziemlich beste Freunde

Während nun gemeinhin Feindschaften entstehen, Menschen sich einander nichts Gutes mehr wünschen, sich aus dem Weg gehen und keines Blickes mehr würdigen, entwickelte sich aus dem Hafenstraßen-Rausschmiss vom November 2006 eine Freundschaft. Beobachter glauben, Neuhaus und Janßen wurden ziemlich beste Freunde gar.

Erst gefeuert, dann befreundet – wie geht das, Olaf Janßen? „Wir haben uns später hingesetzt und ausgesprochen. Und ich habe ihm gestanden, dass ich mit dem Verzicht auf ihn einen riesigen Fehler gemacht habe damals“, erklärt Janßen die ungewöhnliche Entstehung einer persönlichen Allianz unter Kollegen, wie sie vielleicht allein der Fußball entstehen lassen kann.

So nutzt Liga-Zwei.de auch die dritte Perspektive. Es ist der Blick des Trainers Janßen auf den Trainer Neuhaus. Uns fällt auf, dass Uwe Neuhaus sich zwar nicht davor scheut, seine eigene Meinung zu vertreten, doch sich dabei niemals in den Mittelpunkt stellt.

Er begründet seinen Erfolg in Bielefeld gern damit, dass er eben gute Grundlagen angetroffen habe, dass Erfolg keinen Luxus brauche und dass man mit Rumspinnereien keine Spiele gewinne.

Uwe Neuhaus verkörpert Sachlichkeit, Glaubwürdigkeit und das Motto: Erst denken, dann reden. Und auch dann, wenn Neuhaus über seinen Ballbesitzfußball referiert, verlässt er nie den Rahmen der Ausgewogenheit.

Mal wie Heynckes, mal wie Nagelsmann. (Olaf Janßen über die Legende von Jung und Alt)

Olaf Janßen klärt uns gern darüber auf, was diesen Uwe Neuhaus aktuell ausmacht: „Ich höre immer diese Legenden von jungen und von alten Trainern. Uwe Neuhaus würde niemals für sich selbst die Werbetrommel bedienen, doch ich bin überzeugt: Er hat beide Seiten. Mal ist er wie Jupp Heynckes, also verlässlich Ruhe ausstrahlend und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellend.

Mal ist er auch wie Nagelsmann und fordert: Wir wollen den Ball, wir wollen das Spiel bestimmen, wir sind überzeugend, mutig und glauben fest an unseren Plan. Und das Wunderbare ist: In beiden Handlungsweisen ist Uwe Neuhaus glaubwürdig. „

Eine weitere herausragende Leistung des Uwe Neuhaus beschreibt Janßen so: „Ballbesitzfußball gestalten viele Trainer gern. Doch diesen Weg auch dort so stabil zu realisieren und damit erfolgreich zu sein, wo diese kreative Machart des Fußballspiels bis zu seinem Einmischen überhaupt keine privilegierte Rolle gespielt hat, ist eine Meisterleistung in der Trainerarbeit.“

Auch vor einem Jahr ging es übrigens mit einer Niederlage in die winterliche Verschnaufpause. Doch dann startete Uwe Neuhaus mit seinen Arminen in dieses großartige Fußballjahr 2019 mit einem 4:3 in Dresden.

Nun, 2020 geht es gar auf der Alm los. Gegen den VfL Bochum. Und alles ist möglich…

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