Darmstadt 98: 4-1-4-1 als erste Option?

Markus Anfang könnte auf seine bevorzugte Grundordnung setzen

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Freitag, 11.09.20 | 09:13
Markus Anfang

Hat eine klare Spielphilosophie: Markus Anfang. © imago images / objectivo

Update 19 Uhr:
Die Suche nach einem neuen Innenverteidiger ist beendet. Nicolai Rapp wird erneut von Union Berlin ausgeliehen. Auch der 1. FC Heidenheim hatte Interesse am Defensivspieler.

Der ursprüngliche Artikel von 11 Uhr:
Markus Anfang gilt als Trainer mit einer ganz eigenen Spielphilosophie, die nicht nur den gegnerischen Spielern, sondern auch dem eigenen Team einiges abverlangt. In den ersten Trainingseinheiten unter dem neuen Coach machten nun auch die Profis von Darmstadt 98 die Erfahrung, dass Anfangs System bislang bekannte Muster aufbricht und zumindest teilweise ein Umdenken erfordert.

Ein wesentlicher Aspekt in Anfangs Vorstellungen ist es, selbst die Initiative zu ergreifen und aktiv zu sein, anstatt nur auf den Gegner und dessen Ausrichtung zu reagieren. Dafür gibt es natürlich verschiedene Herangehensweisen auch in Form unterschiedlicher Grundordnungen. Allerdings ist Anfangs Vorliebe für das 4-1-4-1 kein Geheimnis. Bei Holstein Kiel wäre der 46 Jahre alte Fußball-Lehrer damit beinahe von der 3. Liga in die Bundesliga durchmarschiert.

Kölns Kader und Anfangs Vorstellungen nicht kompatibel

Auch beim 1. FC Köln war die Variante mit einem Sechser und einem zentralen Stürmer zunächst fester Bestandteil von Anfangs Planungen. Bei den Geißböcken allerdings wich Anfang, dem Vernehmen nach auf Betreiben von Geschäftsführer Armin Veh, bereits nach wenigen Monaten und einigen enttäuschenden Auftritten davon ab. Nachvollziehbarerweise, standen doch mit Simon Terodde und Jhon Cordoba zwei herausragende Angreifer im Kader, die beide am Ende der Saison nicht zufällig die 20-Tore-Marke knackten. Darüber hinaus gab es in Köln weitere Gründe dafür, nicht am 4-1-4-1 festzuhalten. So fehlte ein Akteur, der wie zuvor in Kiel David Kinsombi die Sechser-Position alleine ausfüllen konnte, und auch auf den offensiven Außenbahnen war der FC für ein schnelles Flügelspiel nicht optimal besetzt.

Zwar war Anfang auch im nach dem ersten Saisondrittel meist praktizierten 3-5-2 bis zu seiner Entlassung als Tabellenführer drei Spieltage vor Schluss überwiegend erfolgreich, doch die Spielweise konnte die hohen Ansprüche in der Domstadt nicht befriedigen. Möglicherweise auch deshalb nicht, da Anfang entgegen seiner eigentlichen Philosophie handelte, was sich nun in Darmstadt erst einmal nicht wiederholen dürfte.

Palsson als Sechser und Dursun als einzige Spitze?

Das Aufgebot der Lilien scheint auf jeden Fall bestens geeignet für Anfangs bevorzugte Grundordnung. In der Viererkette, für die noch ein Innenverteidiger gesucht wird, stehen mit dem ehemaligen Kieler Patrick Herrmann und dem früheren Kölner Matthias Bader gleich zwei Rechtsverteidiger zur Auswahl, die Anfangs Vorstellungen schon länger kennen.

Vor der Abwehr scheint Victor Palsson prädestiniert für die Rolle als einziger Sechser, vor dem mit Tobias Kempe, Fabian Schnellhardt, Marvin Mehlem und Seong-Ho Paik vier spielstarke Akteure für die beiden Achter-Positionen zur Auswahl stehen. Für die beiden Flügel ist die Auswahl mit Mathias Honsak, Erich Berko, Braydon Manu, Tim Skarke, Aaron Seydel und Ensar Arslan sowie ebenfalls Mehlem und Kempe noch größer. Da in Köln auch die fehlende Schnelligkeit der offensiven Außen ein Manko war, dürften Mehlem und Kempe aber eher vorwiegend im Zentrum zum Zug kommen.

Neuzugang Seydel ist unterdessen ein weiterer ehemaliger Wegbegleiter Anfangs, der bei den Störchen sowohl im Sturmzentrum als auch als Linksaußen eingesetzt wurde. Im ersten Testspiel gegen Hessenligist Viktoria Griesheim (5:1) am Samstag spielte der 1,99 Meter große Offensivmann 45 Minuten lang auf dem rechten Flügel und verbuchte ein Tor sowie eine Vorlage.

Für den im 4-1-4-1 einzigen Platz im Sturm kommen mit Serdar Dursun und Felix Platte zwei Akteure in Frage, für die überdies Seydel als Backup fungieren könnte. Obwohl neben einem Innenverteidiger auch noch weitere Verstärkungen kommen könnten, scheinen die Lilien bereits jetzt einen gut zu Anfangs Vorstellungen passenden Kader beisammen zu haben. Ob es dann auch tatsächlich funktioniert, muss sich aber natürlich erst noch zeigen.