Darmstadt 98: Spekulationen um Grammozis nehmen Fahrt auf

Lilien-Trainer in Griechenland gefragt

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Mittwoch, 04.03.20 | 18:08

Dimitrios Grammozis bei Spiel von Darmstadt 98

Im Fokus: Dimitrios Grammozis' Höhenflug mit Darmstadt macht ihn in Griechenland begehrt. ©imago images/Jan Huebner

Der Konkurrenzkampf um einen der attraktiven Arbeitsplätze als Cheftrainer einer Fußballmannschaft gilt in der Branche hierzulande als eine Zerreißprobe, der Stand zu halten längst nicht mehr jedermanns Sache ist.

Die einen, wie Benno Möhlmann, hören frühzeitiger auf als dies vielleicht notwendig gewesen wäre. Die anderen, eigentlich mit guter Reife für diese Aufgaben wie Janos Radoki, werfen nach Jahren vielversprechenden Schaffens plötzlich hin, weil sie sich unwürdig behandelt fühlen.

Und dritte, wie Heiko Westermann, sind sich angesichts der aktuellen Entwicklung nunmehr nicht mehr sicher, ob der Sprung in dieses enge, so hammerhart umkämpfte und dann allein an nackten Ergebnissen auf dem Spielfeld bewertete Aktionsfeld überhaupt noch sinnvoll ist. Liga-Zwei.de ist aufgefallen, dass Nerven zuweilen blank liegen in der Welt der Fußball-Lehrer.

Eine Kontrahaltung, die Fragen aufwirft

Wenn jemand wie Dimitrios Grammozis nach nur einem Jahr beim SV Darmstadt 98 diesem existenziellen Bedürfnis um Arbeitserhalt komplett entgegensteuert und nun zum Start ins letzte Drittel dieser Spielzeit in der 2. Bundesliga ein neues Vertragsangebot ablehnt und seinen Arbeitsplatz als Cheftrainer von Darmstadt 98 selbstbestimmt zur Verfügung stellt, dann wirft diese Kontrahaltung selbstverständlich Fragen auf, auf deren Antworten nun alle gespannt sind.

Denn so lange die Antworten ausbleiben, ist der aktuelle Zustand allemal dafür geeignet ist, ein großes Erstaunen auszulösen wie dies aktuell am Darmstädter „Bölle“ der Fall ist. Denn hier wundern sich gerade alle: Die Fangemeinde auf den Rängen. Die Vertreter aus der Welt der Medien. Die Entscheider des SV Darmstadt 98. Die Fußballspieler und der Trainer selbst. Reihenweise wurden die Trainer in den vergangenen Jahren rausgeschmissen dort: Zuletzt Schuster, davor Frings und Norbert Meier. Torsten Frings steht gar immer noch allmonatlich auf der Lohnliste.

Doch nun geht in Darmstadt der Trainer. Eigenständig, frei, souverän. Das passt nicht zusammen. Ist branchenuntypisch, nicht marktkonform.

Höhenluft erstmals seit dem Bundesliga-Aufstieg

Grammozis geht selbstbestimmt, obwohl der gemeinsame Weg als erfolgreich gilt. In der vorigen Spielzeit war der Liga-Erhalt eine Aufgabe, die zu erfüllen, nicht als Selbstläufer erschien. Und in der aktuellen Saison hat Grammozis sein Team in eine Stabilität entwickelt, die den Namen Darmstadt 98 zum richtigen Zeitpunkt in das Blickfeld der Tabelle befördert hat. Sie schnuppern Höhenluft wie dies letztmals geglückt war, als Dirk Schuster bei seinem Engagement am "Bölle" den sensationellen Aufstieg ins Fußball-Oberhaus realisieren konnte. Ja, das macht doch richtig Spaß gerade.

Zumal: Der jüngste Sieg über die starken Heidenheimer war bereits der vierte Sieg in Folge, das neunte Spiel ohne Niederlage und wie einige Darmstädter Spieler hernach bemerkten: „Unsere überzeugendste Saisonleistung.“

Am Samstag nun geht es im Heimspiel gegen den VfL aus Bochum. Dort ist Grammozis daheim, dort lebt seine Familie, dort haben ihn die Darmstädter aus der Ausbildungsabteilung des VfL weggeholt vor einem Jahr. Diese Verbundenheit könnte durchaus Spekulationen auslösen an der Castroper Straße. Dort stehen aktuell eine Reihe von Talenten im Kader, die Grammozis jahrelang erfolgreich entwickeln konnte. So ist es keineswegs auszuschließen, dass eben dort nun eine durchaus einflussreiche Grammozis-Lobby existiert.

Interesse aus Griechenland

Nach Informationen von Liga-Zwei.de soll auch in seiner griechischen Heimat nunmehr ein hochinteressanter Markt für Dimitrios Grammozis entstanden sein. Als er vor vielen Jahren schon einmal als Spieler dort aktiv war, standen ihm die Türen zu den großen Klubs noch nicht offen. Doch jetzt mit der frisch erarbeiteten neuen Reputation als Cheftrainer eines traditionsreichen deutschen Klubs könnte dies anders sein.

Griechische Reeder steuern in Griechenland nicht nur die größten Schiffe, sie lenken auch die bedeutendsten Fußballklubs dieses Landes. Derart erfolgreiche Menschen schätzen Landsleute, so erzählt man sich gern, die dort ausgebildet worden sind, wo die Ausbildung als die Beste gilt. Das Renommee deutscher Fußball-Lehrer gehört dazu.

Wer im Erfolg geht, hat meist etwas Neues sicher

Bei Olympiakos Piräus jedenfalls läuft der Vertrag des aktuellen Trainers aus. Eine Verlängerung scheint eigentlich naheliegend. Denn sportlich kann es kaum besser laufen: Piräus ist Erster in der Liga und nach wie vor in der Europa League präsent. Was also bremst die Entscheider des FC Bayern Griechenlands? Ist es die Chance, Grammozis den griechischen Deutschen, zu bekommen?

Wenn Grammozis dort als Günstling des Glücks nun ein Kandidat ist, läuft er womöglich alsbald in den vielbesungenen Hafen von Piräus ein. Nichts erscheint unmöglich, wenn ein Trainer Erfolg hat. Auch dies ist eine Wahrheit dieser Branche.

Denn eine Sachlage scheint doch in diesen schwierigen Zeiten bereits mehr als nur eine Mutmaßung zu sein: Wenn ein Trainer, der seine gute Arbeit abbricht und nach so kurzer Zeit keineswegs bereits vergessen haben kann, wie existenziell umkämpft der – mit Verlaub - Handel mit dem Handwerkszeug der Trainer aktuell ist, der sollte eine neue spannende Mission klugerweise bereits zu einem Abschluss gebracht haben. Ob Grammozis dieser Schachzug bereits gelungen ist? Sicher allein ist dies: Bis zur Auflösung dieses ungewöhnlichen Falles werden die Spekulationen weiter Fahrt aufnehmen…

Lust mal auf die 2.Liga zu tippen? Jetzt die besten Wettanbieter vergleichen!