Hamburger Stadtderby: Didi Demuth erinnert sich

Interview mit der Kiezklub-Legende

Dietmar Demuth beim FC St. Pauli

Kennt sich aus mit Hamburger Derbys: Dietmar „Didi“ Demuth. ©Imago images/Garcia

HSV gegen Pauli. Wieder nur 2. Bundesliga. Doch dies macht nichts. Denn dieses Derby in Hamburg ist wie Dortmund gegen Schalke. Wie Bayern gegen Sechzig. Und ganz frisch: Wie Hertha gegen Union. „An solchen Tagen nimmt niemand ein Blatt vor den Mund: Das ist pure Rivalität. Das  ist Erzfeindschaft. Da gibt es nur Entweder-oder.“

So beschreibt den Charakter dieses Fußballderby für Liga-Zwei.de ein Hamburger, wie er typischer kaum sein kann: Klar, trocken, ehrlich. Wäre er Schauspieler, könnte er – mit Verlaub – Jan Fedder spielen. Dieselbe Stimme und Ähnlichkeiten im Gesicht sind existent. Die Rede ist von Didi Demuth.

Dass er eigentlich Dietmar heißt, interessiert in Hamburg niemanden. Aufgewachsen im Hamburger Stadtteil Osdorf, also nicht weit weg vom großen Volksparkstadion. Doch Fußballer wurde er nicht beim HSV sondern beim FC St. Pauli. Erst Stürmer, dann Abwehrchef, dann Fußball-Lehrer. Und Demuth hat dabei auch einige Derbys gespielt. Hat sie verloren, doch manchmal auch gewonnen.

Didi Demuth, warum würden Sie gern noch einmal so ein Derby spielen, wie es am Samstag im Volksparkstadion zum 21. Male seit Bestehen unserer Bundesligen stattfindet?
Didi Demuth: „Wer Hamburger ist und den Fußball liebt, für den ist und bleibt dieses Derby, was Spannung und Begeisterung anbelangt, das Highlight eines Fußballjahres. Ich lebe zwar seit einigen Jahren in Potsdam, doch telefoniere mehrfach wöchentlich mit Familienangehörigen und Freunden in der Hansestadt. So erlebe ich den besonderen Kick dieses Stadtduells immer noch. Ich  gratuliere Dieter Hecking und Jos Luhukay, dass es dieses Derby in der 2. Bundesliga gibt und dass sie ihre Teams auf solch ein Spektakel vorbereiten können. Es ist ein Trostpflaster für den aktuellen Verzicht auf das Fußball-Oberhaus.“

Als Alex Meier im Derby Premiere feierte

Im April 2002 haben Sie den FC St. Pauli letztmals fit gemacht für das Derby. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Demuth: „In meinem Langzeit-Gedächtnis sind Aufzeichnungen gespeichert, die überhaupt nicht wiederspiegeln, warum dieses Match für uns am Ende 0:4 verloren ging: Wir spielten eine riesige erste halbe Stunde und 50.000 Fans trauten ihren Augen nicht. Als einer umgehauen wurde, bekamen wir einen Elfer. Hätten also in Front gehen können. Doch Thomas Meggle verschoss das Ding und plötzlich knickte unsere Leistung. Romeo und Eric Meijer machten uns dann fertig. Ja, wir haben damals stets am Limit gespielt und in diesem Derby extrem überpowert.“

Doch Sie haben an diesem Tag für die Premiere in der Geschichte einer extrem langen Bundesliga-Karriere gesorgt…
Demuth: „Ich erinnere mich. Habe irgendwann in der zweiten Halbzeit Alex Meier reingeworfen. Der war 19 damals und hatte  zuvor immer wirkungsvoller auf sich aufmerksam gemacht. Wenn ich dienstags Talente und Reservisten zum Sondertraining bat, lief er vorneweg, war sicher am Ball,  machte Tore und hatte trotz seiner Körperlänge flinke Füße. Schade nur für den Hamburger Fußball, dass er diese großartige Karriere als Antreiber und Torschütze dann nicht in Hamburg sondern bei Eintracht Frankfurt realisiert hat.“

Ganz Hamburg hat uns gefeiert, als wären wir Meister geworden. (über den Derbysieg Ende der 70er)

Doch genau wie Sie einst, Didi Demuth, hat es Alex Meier im vorigen Jahr hinbekommen, am Ende seiner Karriere dann nochmals für den FC St. Pauli an den Start zu gehen…
Demuth: „Allerdings war ich nicht 14 Jahre weg wie Alex. Sondern nur fünf: Vier Jahre bei Bayer Leverkusen und ein Jahr in Offenbach. Dort konnte ich 1. Bundesliga spielen. Denn bei St. Pauli sind wir 1978 abgestiegen und als wir im Jahr darauf nicht zurückkehrten, bin ich aufgebrochen. Denn die damalige Zweitklassigkeit hatte damals nicht viel gemein mit der heutigen. Dazwischen lagen Fußballwelten. Sogar bei uns am Millerntor.“

Ausgerechnet als der HSV Ende der siebziger Jahre seine größte Mannschaft aufbaute, die später richtig Fahrt aufnahm, mehrfach Deutscher Meister wurde und den Europacup gewann, haben Sie als kompletter Underdog im Volksparkstadion gewinnen können. Haben Sie noch Erinnerungen daran?
Demuth: „Jede Menge: Auch damals hatten wir ein volles Haus mit 50.000 Fans. Wir standen sensationell hinten, mein Freund Willi Reimann hat gegen mich kein Land gesehen an diesem Tag. Wir haben Keegan, Kaltz, Magath, Volkert und wie sie alle hießen durchweg beherrschen können und unseren 1:0-Vorsprung durch Gerber so gut verteidigt, dass wir am Ende durch Kulka noch das 2:0 erzielen konnten. Danach hat uns ganz Hamburg gefeiert, als wenn wir Meister geworden wären.“

Neue Aufgabe finden wichtiger als Derby schauen

Alex Meier hat sein Fußball-Abenteuer in Australien unlängst abgebrochen, weilt gerade in seinem Elternhaus in Buchholz nahe Hamburg und wird somit am Samstag im Volksparkstadion live dabei sein. Wie ist das mit Ihnen an solchen besonderen Fußballtagen?
Demuth: „Ich bin nach wie vor Trainer und konzentriere mich weiterhin Woche für Woche auf die Aktionsfelder, auf denen ich gebraucht werden könnte: Auf die 3. Liga und auf die Regionalligen. Ich bin topfit, habe zwei zauberhafte Kinder, die mich Trab halten und ich bin überzeugt, dass ich die meisten Mannschaften des Fußballs in Mitteldeutschland so gut analysiert habe, dass ich weiß, wo der Hebel anzusetzen wäre, wenn ein Klub käme und so einem Geradeaus-Typen wie mir seine Fußballer anvertrauen möchte.“

Und was passiert Samstag beim Hamburger Derby?
Demuth: „Das wird ein extrem packendes Match, weil die Jungs vom Millerntor eben auch nicht jede Woche vor 50.000 Menschen spielen und dieses besondere Erlebnis in besondere Energien transportieren können. Dennoch rechne ich mit einem 2:0 für Dieter Hecking und seine Jungs.“

Herzlichen Dank für Ihre Einstimmungen auf das Hamburger Derby, Didi Demuth…

Empfehlung der Redaktion: Aufs Hamburg-Derby nur mit gratis Guthaben tippen. Jetzt unseren aktuellen Wettbonus Vergleich anschauen & dein passendes Angebot finden!