HSV: Die Innenverteidigung als Baustelle

Viele Fragezeichen im Abwehrzentrum

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Sonntag, 05.07.20 | 07:04
Rick van Drongelen

Rick van Drongelen fällt mit seinem Kreuzbandriss lange aus. © imago images / Philipp Szyza

Ob die in den letzten Tagen medial mit dem Hamburger SV in Verbindung gebrachten Robin Knoche und Lasse Sobiech in den Überlegungen von Sportvorstand Jonas Boldt tatsächlich eine Rolle spielen, ist offen. Klar aber ist, dass es das Hamburger Abwehrzentrum betreffend derzeit deutlich mehr Frage- als Ausrufezeichen gibt.

Verortet man Defensiv-Allrounder Gideon Jung in der Innenverteidigung, stehen für die beiden Plätze im Zentrum einer Viererkette nach jetzigem Stand sechs Profis unter Vertrag. Rick van Drongelen freilich fällt nach seinem am letzten Spieltag gegen den SV Sandhausen zugezogenen Kreuzbandriss mindestens bis zur Winterpause aus.

David deutet sein Potential an

Ob der seit seiner Verpflichtung vom 1. FC Nürnberg im vergangenen Sommer nie richtig fit gewesene Ewerton noch einmal sein altes Level erreicht und die ihm eigentlich zugedachte Führungsrolle einnehmen kann, bleibt abzuwarten. Zweifel daran sind nicht zuletzt nach dem desaströsen Auftritt des 31-jährigen Brasilianers gegen Sandhausen erlaubt.

Mit dem Durchbruch des 21-jährigen Stephan Ambrosius und des noch ein Jahr jüngeren Jonas David kann unterdessen auch nicht fest geplant werden. David allerdings deutete als Leihspieler bei den Würzburger Kickers bis zur Corona-Pause und einer währenddessen zugezogenen Muskelverletzung, die weitere Einsätze für den künftigen Hamburger Ligarivalen verhinderte, sein Potential an und könnte mittel- bis langfristig den Sprung schaffen.

Bates kehrt ohne Spielpraxis zurück

Bleibt noch David Bates, der ein verlorenes Jahr hinter sich hat. Eigentlich hatte sich der 23-jährige Schotte von seiner Leihe zu Sheffield Wednesday regelmäßige Spielpraxis erhofft, doch unter dem Strich kehrt Bates mit einem einzigen Einsatz für den englischen Zweitligisten zurück nach Hamburg. Eine große Rolle spielt Bates aber auch in den HSV-Planungen nicht mehr und soll nach Möglichkeit abgegeben werden.

Abgänge wären schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen wichtig, um den eigenen Handlungsspielraum zu vergrößern. Sei es für namhafte Verpflichtungen wie Knoche und Sobiech oder vielleicht doch für die Investition in einen Verbleib von Timo Letschert, dessen Ausleihe von Sassuolo Calcio am 30. Juni abgelaufen ist. Nach Letschert fallender Leistungskurve in der Endphase der Saison dürften aber zunächst andere Optionen geprüft werden.

Außer Frage steht aber, dass der HSV weitaus mehr Stabilität benötigt als in den entscheidenden Wochen der Saison. 18 Gegentore in den neun Spielen nach der Corona-Pause waren nicht der einzige, aber ein wesentlicher Grund für den erneut verpassten Aufstieg.