HSV: Ein Spitzenplatz als schwacher Trost

Nach Bielefeld die fairste Mannschaft der Liga

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Dienstag, 30.06.20 | 14:13
Bakery Jatta

Führt die interne Sünderkartei mit vier gelben und einer roten Karte an: Bakery Jatta (l.). © imago images / Metelmann

Frust und Enttäuschung rund um den Hamburger SV werden nach der 1:5-Niederlage am Sonntag gegen den SV Sandhausen und dem damit sicheren dritten Zweitliga-Jahr in Folge wohl so schnell nicht schwinden. Doch obwohl im Kader ein Qualitätsverlust droht und in wirtschaftlicher Hinsicht Einschnitte wohl unausweichlich sind, dürfte der HSV auch in die kommende Saison mit dem Ziel gehen, die Rückkehr in die Bundesliga zu schaffen.

Eher verzichten könnte man in Hamburg hingegen darauf, abermals zu den fairsten Mannschaften der Liga zu zählen. Wäre die Fair-Play-Tabelle entscheidend, hätte der HSV bereits vergangene Saison als Zweiter hinter dem 1. FC Heidenheim den Sprung ins Oberhaus geschafft und auch in dieser Spielzeit wäre der direkte Aufstieg geglückt. Die Rothosen landeten erneut auf dem zweiten Platz, diesmal hinter Arminia Bielefeld und mit einem nur ganz knappen Rückstand.

Nur eine Gelbsperre

Ohne die rote Karte für Bakery Jatta im Spiel bei Holstein Kiel im November, die zumindest sehr hart war und auch als überzogen eingestuft werden konnte, wäre der HSV mit 47 gelben Karten und Gelb-Rot für Gideon Jung sogar die Nummer eins im Fair-Play-Ranking. Bemerkenswert, Trainer Dieter Hecking wie ansonsten nur Kiel lediglich in einer Partie auf einen gelbgesperrten Akteur, Rick van Drongelen, verzichten musste.

Den rund um den HSV immer wieder zu hörenden Kritikpunkt, dass in der Mannschaft Typen fehlen, die Zeichen setzen und die Mannschaft mitreißen können, kann man freilich durchaus auch in Zusammenhang mit der Kartenstatistik stellen.

Der VfB Stuttgart, der mit 69 gelben Karten, vier Mal Gelb-Rot und einer roten Karte nur auf Platz neun im Fair-Play-Ranking abschloss, spielte zwar sicher auch keine vollends überzeugende Saison, erreichte aber das Ziel Aufstieg. Vielleicht auch, weil es Spielern wie Gonzalo Castro, Nicolas Gonzalez, Daniel Didavi oder auch Philipp Förster gelungen ist, in schwierigen Situationen entsprechende Signale auszusenden.

Möglich, dass die HSV-Verantwortlichen bei der Kadergestaltung der neuen Saison auch darauf achten, weniger „brave“ Akteure gleichzeitig auf dem Platz zu haben.