HSV: Mit Julian Pollersbeck ins Saisonfinale?

Torwartfrage scheint offen

Autor: Johannes Ketterl Veröffentlicht: Montag, 01.06.20 | 07:18

Julian Pollersbeck

Überraschendes Saisondebüt am 29. Spieltag: Julian Pollersbeck. © imago images / Hübner

Es war ein hartes Stück Arbeit für den Hamburger SV, der am gestrigen Sonntag aber der im Nachgang der 2:3-Pleite beim VfB Stuttgart geäußerten Forderung von Trainer Dieter Hecking nachkam und gegen den SV Wehen Wiesbaden mit einem 3:2-Heimsieg drei enorm wichtige Punkte im Aufstiegsrennen einfuhr.

Gegen den Tabellenvorletzten in Rückstand zu geraten und später auch noch den 2:2-Ausgleich zu kassieren, zählte indes nicht zu Heckings Plänen, der im Vorfeld mit einem Torwartwechsel überrascht hatte. Anstelle von Daniel Heuer Fernandes, der zuvor keine Minute in dieser Saison verpasst hatte und nun trotz Fitness sogar gänzlich im Kader fehlte, feierte Julian Pollersbeck ein unerwartetes Comeback zwischen den Pfosten.

Während Timo Letschert mit einem Fehlpass vor dem ersten Gegentreffer und einem plumpen Foul vor dem Elfmeter zum 2:2 nicht seinen besten Tag erwischte, hinterließ Pollersbeck einen guten Eindruck. Lediglich bei einer Flanke wackelte der U21-Europameister von 2017 ein wenig, bewahrte den HSV dafür aber mit starken Reaktionen gegen Daniel-Kofi Kyereh und Marvin Ajani vor weiteren Einschlägen.

Schöpferische Pause für Heuer Fernandes

Ob Pollersbeck nun auch im Endspurt im Tor stehen wird, ließ Hecking bei "Sky" offen und begründete den Verzicht auf Heuer Fernandes auch nicht mit dessen nicht immer vollends überzeugenden Leistungen. "Daniel Heuer Fernandes hat drei richtig schwere Spiele gehabt aus mentaler Sicht. Er hat heute einen freien Tag bekommen, weil ich Frische brauche", wollte der erfahrene Fußball-Lehrer seiner bisherigen Nummer eins in erster Linie eine schöpferische Pause geben.

„ Wir haben drei Torhüter, die allesamt auf einem guten Level sind. ”
Dieter Hecking

Zugleich sprach Hecking dem gesamten Torwartteam sein Vertrauen aus und ging noch etwas näher auf die unerwartete Umstellung ein: "Wir haben drei Torhüter, die allesamt auf einem guten Level sind. Wir haben eine englische Woche und in Stuttgart eine Enttäuschung erlebt mit dem späten Gegentor. Wenn man merkt, dass der Torhüter müde ist vom Kopf her und nicht so da, wie man sich das wünscht, ist das keine außergewöhnliche Maßnahme, auch mal den Torwart zu wechseln."

Nachdem Pollersbeck seine Chance durchaus genutzt hat, wäre es nun keine Überraschung mehr, würde der 25-Jährige auch gegen Holstein Kiel beginnen. Und womöglich kommt es für den schon auf dem Abstellgleis scheinenden Keeper, der zuvor in dieser Saison nur einmal im Kader stand und hinter Tom Mickel zuletzt eigentlich nur dritter Schlussmann war, sogar zu einer kompletten Wende in Hamburg. Ausgeschlossen ist in der Torwartfrage des HSV seit Sonntag jedenfalls nichts mehr.