HSV: Verursacht auch der dritte Ligastart das große Flattern?

Rainer Ulrich verrät, wie Hamburg zu knacken ist

Autor: Luis Hagen Veröffentlicht: Mittwoch, 16.09.2020 | 16:24
Rainer Ulrich und Tim Walter bei Holstein Kiel

Rainer Ulrich (l.) gelang an der Seite von Tim Walter mit Kiel 2018 ein 3:0-Auftaktsieg in Hamburg. ©Imago images/Team 2

Der Hamburger SV nimmt seinen dritten Anlauf. Mit dieser Bemerkung soll keineswegs schon wieder sofort das Ärgernis angeheizt werden, wie schlafmützig die Kicker des HSV bereits zweimal die Rückkehr in den Kreis der deutschen Fußball-Elite verpasst haben.

Vor dem Freitagabend-Match gegen Fortuna Düsseldorf steht fürs erste allein der Versuch des HSV im Mittelpunkt, mit diesem dritten Anlauf endlich einmal mit einem Sieg in diese in Hamburg so ungeliebte 2. Bundesliga zu starten.

Denn die Saison-Eröffnungs-Auftritte des HSV gingen bisher zweimal ziemlich daneben. Vor einem Jahr war Darmstadt 98 bis weit in die Nachspielzeit hinein in Hamburg 1:0 vorn. Dass in der 98. Spielminute wenigstens noch ein Zähler herausgesprungen ist, war allein Bibiana Steinhaus zu verdanken. Nach einem Strafraum-Zweikampf hatte sich die Video-Assistentin zu Wort gemeldet und einen Elfmeter für den HSV reklamiert. So verhinderte Aaron Hunt im letzten Wimpernschlag des Spiels eine Art Déjà-vu.

Denn ein Jahr zuvor war die Aktionspremiere des HSV in der 2. Bundesliga bereits komplett in die Hose gegangen. Holstein Kiel triumphierte mit einem 3:0. Wie dieser Sturm auf den Volkspark realisierbar war, darüber hat Liga-Zwei.de mit Rainer Ulrich gesprochen.

Früher war er als Abwehrrecke des Karlsruher SC aktiv, später als Ausbildungstrainer bei Bayern München und bei diesem Paukenschlag agierte Ulrich im Trainerstab und somit in der Schaltzentrale der Kieler Störche.

Rainer Ulrich, wenn Fortuna Düsseldorfs Trainer Uwe Rösler Sie anrufen und fragen würde: Rainer, wie habt Ihr das damals gemacht? Wie gewinnt man zum Saisonstart beim HSV? Welche Informationen würden Sie ihm an die Hand geben?
Rainer Ulrich: „Wir konnten ja damals darauf setzen, dass der HSV das große Flattern bekommt, sobald es nicht rundläuft. Damals waren fast 60.000 Menschen im Stadion und die einzige diskutierte Frage in den Medien war: Wie hoch wird der HSV gewinnen?

Wir hatten also an diesem Abend überhaupt nichts zu verlieren und haben am Ende alles gewonnen. Hochverdient, weil wir nach dem 1:0 noch sicherer, noch mutiger und effektiver wurden.

Danach lief alles so automatisch wie eine Muskibox: Münze rein, Titel wählen, tanzen. Ja, unser Spiel wirkte an diesem Abend im Volkspark nach dem Führungstreffer so geschmeidig wie ein Tanz. Wenn Fortuna das so hinbekommt wie wir damals, wird der HSV auch diesmal die Saisonpremiere verhauen.“

Über die Neuzugänge des HSV
„ Das Tempoproblem des HSV werden sie kaum lösen ”
Rainer Ulrich

Dies klingt so, als würden Sie den aktuellen HSV nicht in die Poleposition heben wollen. Was irritiert Sie diesmal?
Ulrich: „Ich stehe einerseits unter dem Eindruck dieses unfassbar eindeutigen Pokal-K.o. bei Dynamo Dresden vor wenigen Tagen und daneben frage ich mich als neutral denkender Fußball-Lehrer selbstverständlich auch, ob der HSV die Defizite der vergangenen beiden Spieljahre mit seinem neuen Personal wirklich beseitigen kann.“

An welche Defizite denken Sie?
Ulrich: „Es ist oftmals eine auffällige Schwäche des HSV gewesen, in einigen bedeutenden Positionen nicht genügend Geschwindigkeit in die Laufduelle gebracht zu haben. Wenngleich Neuzugänge wie Toni Leistner und Klaus Gjasula mit extrem viel Erfahrung in der 2. Bundesliga punkten mögen: Das eklatante Tempoproblem des HSV werden sie wohl kaum lösen können.“

Über den HSV-Stürmer
„ Auf Terodde lasse ich nichts kommen ”
Rainer Ulrich

Auch Simon Terodde ist alles andere als ein Sprinter. Mögen Sie dem HSV diese Verpflichtung verzeihen?
Ulrich: „Selbstverständlich. Allemal. An Terodde gibt es nichts rütteln. Wer sich mit so viel Treffsicherheit einbringen kann wie er, ist ein großer Gewinn. Terodde dominiert die 2. Bundesliga seit Jahren als bester Torschütze und ist erstklassig vorbereitet auf alle Schwierigkeiten, die jetzt kommen werden.

Nein, auf Terodde lasse ich nichts kommen. Der würde bei mir immer spielen. Denn: Wenn der mal vorne drin nicht trifft, gelingt das anderen in dieser Position meist auch nicht.“

Als Sie an der Seite von Tim Walter mit Holstein Kiel in Hamburg 3:0 triumphierten und so die spektakuläre Eroberung des Volksparks gelingen konnte, spielte der HSV ebenfalls mit einer gefürchteten Topspitze: Die hieß Pierre-Michel Lasogga. Trotzdem haben Ihre Jungs den Laden hinten dicht gehalten. Was steckte dahinter?
Ulrich: „Wir haben vor allem unseren Innenverteidigern innerhalb unseres Teamverbunds ein neues Gewicht gegeben, also einen neuen Selbstwert definiert. Hauke Wahl und Dominik Schmidt sowie die anderen waren nun nicht mehr allein als Verteidiger präsent. Sie waren in unserem Aktionskonzept obendrein eine Art Spielgestalter.

Bei ihnen wurde entschieden, wie der Antrieb nach vorne aufgenommen wird. Dieses Mehr an Gesamtverantwortung hat unsere Abwehrspezialisten zu kompletteren Fußballern gemacht. Ich glaube, davon profitiert Holstein Kiel auch heute noch.“

Die 2. Bundesliga startet nun also mit HSV gegen Fortuna. Wie geht’s aus?
Ulrich: „Ich kenne den Zustand der Düsseldorfer nicht. Doch wenn Uwe Rösler ein Team auf den Rasen bringt, das mit einen so überragenden Charakter ausgestattet wie unsere Mannschaft damals, dann es wird es auch Fortuna Düsseldorf gelingen, dem HSV den Start zu vermasseln.“

Für Ihre Erinnerungen und Einschätzungen bedanken wir uns, Rainer Ulrich!

 

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