SV Darmstadt 98: Interview mit Markus Steinhöfer

Neymar war ein ganz normaler Gegenspieler

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Donnerstag, 24.08.2017 | 11:40
Zweikampf zwischen Osawe und Steinhöfer

Will mit den Lilien wieder hoch. Markus Steinhöfer (r.) erwischte mit Darmstadt einen guten Saisonstart. ©Imago/Jan Huebner

Er begann seine Karriere beim FC Bayern München, spielte später in Österreich, der Schweiz, Spanien und Tschechien. Markus Steinhöfer ist in seiner Karriere ordentlich herumgekommen. Seit Januar steht er beim SV Darmstadt 98 unter Vertrag. Am Freitagabend möchte der Rechtsverteidiger den erfolgreichen Saisonstart gegen den MSV Duisburg (18:30 Uhr) fortsetzen.

Im Liga-Zwei.de-Interview spricht der 31-Jährige nicht nur über die „Lilien“, sondern auch über seine Anfänge beim deutschen Rekordmeister und sein Duell gegen Neymar.

Herr Steinhöfer, wie war das damals bei den Bayern?
Markus Steinhöfer: „Ich habe als junger Spieler auf dem Gelände gewohnt und durfte oft bei den Profis mittrainieren. Es war eine gute Erfahrung, dort mit Spielern wie Oliver Kahn, Michael Ballack oder Roy Makaay auf dem Trainingsplatz zu stehen. Besonders Maakay hatte mich beeindruckt.

Er hat sich immer mit uns jungen Spielern an den Tisch gesetzt und mit uns gesprochen. Gleichwohl war es für einen jungen Spieler sehr schwierig, sich dort unter Trainer Felix Magath zu etablieren. Daher habe ich mich zum FC Red Bull Salzburg ausleihen lassen.“

Dort gelang Ihnen der persönliche Durchbruch…
Steinhöfer: „Ja, ich habe dort viel gespielt und bin Meister geworden. Außerdem war es toll, unter Giovanni Trapattoni zu trainieren. Ich kannte ihn vorher nur aus dem Fernsehen. Dann stand ich plötzlich jeden Tag mit ihm in der Kabine. Er ist wirklich ein Klasse Trainer und ein Klasse Mensch.“

„ Besonders Maakay hatte mich beeindruckt ”
über seine Zeit beim FC Bayern München

Danach sind Sie nach Deutschland zurückgekehrt und haben in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt gespielt. In der ersten Saison waren Sie unter Trainer Friedhelm Funkel gesetzt, in der zweiten Saison haben Sie dann unter Michael Skibbe keine Rolle mehr gespielt. Wie haben Sie das damals erlebt?
Steinhöfer: „So ist das leider manchmal im Fußball: Es kommt ein neuer Trainer, der holt neue Spieler, und dann wird einem durch die Blume gesagt, dass man keine Rolle mehr spielt. Das war für mich selber überraschend, denn ich hatte zuvor eine gute Saison gespielt.

Als Fußballer lassen sich solche Entscheidungen oft nicht ganz nachvollziehen. Es war die richtige Entscheidung, mich dann zum 1. FC Kaiserslautern ausleihen zu lassen und später zum FC Basel zu wechseln.“

Mit dem FC Basel wurden Sie dreimal Schweizer Meister.
Steinhöfer: „Genau. Viele haben gedacht, der Wechsel von Eintracht Frankfurt in die Schweiz wäre ein Rückschritt. Dabei war genau das Gegenteil der Fall: Der Verein ist super strukturiert, hat viele Fans und wird fast jedes Jahr Meister. Aufgrund der internationalen Spiele wird es dort nie langweilig.“

Laufduell zwischen Franck Ribery und Markus Steinhöfer

International erfahren. Für den FC Basel spielte Markus Steinhöfer (r.) achtmal in der Champions League. ©Imago/EQ Images

Internationale Spiele sind ein gutes Stichwort. In der Saison 2011/2012 standen Sie mit dem FC Basel kurz davor, Ihren Ex-Verein Bayern München im Achtelfinale der Champions League aus dem Wettbewerb zu kegeln. Das Hinspiel hatten Sie 1:0 gewonnen. War das eines der emotionalsten Spiele Ihrer Karriere?
Steinhöfer: „Das Hinspiel war toll, das Rückspiel (0:7-Niederlage, Anm.d.Red.) habe ich vergessen (lacht). Ich würde nicht unbedingt von dem emotionalsten Spiel meiner Karriere sprechen. Es gab viele tolle Erlebnisse in der Champions League, zum Beispiel auch das Spiel gegen Manchester United im Old Trafford.“

„ Er war ein ganz normaler Gegenspieler ”
über Neymar

Sie haben auch ein halbes Jahr bei dem spanischen Erstligisten Betis Sevilla verbracht, hatten dort aber lediglich drei Ligaeinsätze. Warum kamen Sie in Spanien nie so richtig an?
Steinhöfer: „Ich habe mich dort einfach nicht wirklich wohlgefühlt. Auch sportlich lief es nicht gut. Wir standen auf dem letzten Platz. Mein Vertrag hätte ohnehin nur für die 1. Liga gegolten, daher bat ich selber um eine Vertragsauflösung. Die Suche nach einem neuen Verein wäre schwieriger geworden, wenn ich bei einem Absteiger fast nur auf der Bank gesessen hätte.“

Ein Highlight gab es dennoch: Sie bestritten ein Spiel gegen den FC Barcelona und waren der direkte Gegenspieler von Neymar. Welche Erinnerung haben Sie daran?
Steinhöfer: „Leider haben wir 4:0 verloren. Daher war es für mich nicht das ganz große Highlight. Neymar war ein ganz normaler Gegenspieler – abgesehen davon, dass er etwas mehr kann als andere Fußballspieler (grinst). Allein an seiner Ablösesumme zeigt sich, was für ein hervorragender Spieler er ist. Überhaupt habe ich gegen einige Top-Fußballer gespielt: Messi, Iniesta oder auch Ryan Giggs von Manchester United waren beeindruckend.“ 

Danach haben Sie ein halbes Jahr für 1860 München gespielt. Wie haben Sie die Unruhen um den Verein miterlebt?
Steinhöfer: „Dort ging es immer drunter und drüber. Das machte die Situation für die Spieler sehr anstrengend. Drumherum geschah einfach so viel, alle redeten mit, aber Entscheidungen wurden nur selten getroffen. Ich denke nicht gerne an diese Zeit zurück. Ich wünsche dem Verein, dass er nun in der Regionalliga zur Ruhe findet und sich alles zum Positiven wendet.“

„ Ich wurde hier super aufgenommen ”
über seinen neuen Verein Darmstadt 98

Die Saison 2015 / 2016 haben Sie beim tschechischen Top-Verein Sparta Prag verbracht. Wie gerne denken Sie an diese Station zurück?
Steinhöfer: „Ich hätte auf diese Erfahrung gut verzichten können. Ich besuche Prag gerne noch einmal für ein Wochenende, mehr aber auch nicht (lacht). Die Mentalität und die Menschen sind dort ganz anders. Für mich gehört es dazu, dass man Neuzugängen aus dem Ausland dabei hilft, sich im neuen Verein zurechtzufinden. Das war in Prag leider nicht so.“

Nun sind Sie in Darmstadt gelandet. Hat der Verein mit dem alten Stadion einen völlig anderen Charme als viele andere Fußballclubs?
Steinhöfer: „Ja, vor allem ist Darmstadt ein sehr familiärer Verein. Ich wurde hier super aufgenommen, genauso wie die anderen Spieler auch. Wir haben super Fans, die uns immer unterstützen – auch wenn es einmal nicht gut läuft. Das haben wir vergangene Saison bei dem Abstieg erlebt.“  

Nach drei Spieltagen haben Sie bereits sieben Punkte auf dem Konto. Hat sich die Mannschaft trotz des Umbruchs bereits gefunden?
Steinhöfer: „Ja, wir haben uns gut zusammengefunden. Zudem haben wir mit dem 3:0 gegen St. Pauli eine gute Reaktion auf das Pokal-Aus gezeigt. Wir können sehr zufrieden sein – auch wenn natürlich weiter Luft nach oben ist.“

„ Ich kann keine Umzugskartons mehr sehen ”
über seine Zukunft

Niemand in der 2. Bundesliga hat den Aufstieg als Ziel ausgerufen. Wer sind für Sie die Top-Favoriten? Könnte Darmstadt ein Wörtchen mitreden?
Steinhöfer: „Es ist immer heikel, sich auf bestimmte Mannschaften festzulegen. Vor Saisonstart zählte Ingolstadt zu den Top-Favoriten. Nun stehen sie mit null Punkten da. Die Liga ist ausgeglichen. Es gibt keinen Top-Favoriten. Ich sehe uns als eine gute und stabile Mannschaft. Wir möchten lange vorne dran bleiben und dann einmal schauen, was dabei herauskommt.“

Sie haben in Ihrer Karriere bereits mit vielen Trainern zusammengearbeitet. Was zeichnet Torsten Frings aus?
Steinhöfer: „Er ist ein junger Trainer und sehr nahe an der Mannschaft dran. Man merkt, dass er vor einigen Jahren selber noch Profi war war. Er versteht uns Spieler und spricht die gleiche Sprache. So hat er es geschafft, trotz der vielen Ab- und Zugänge schnell eine neue Mannschaft zu formen.“ 

Wir haben nun über die vielen Stationen in Ihrer Karriere gesprochen. Sind Sie glücklich darüber, so viele Erfahrungen gesammelt zu haben?
Steinhöfer: „Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte nur für einen Verein gespielt (lacht). Ich hätte gerne auf zwei oder drei Stationen verzichtet. Aber das weiß man vorher alles nicht. Ich bin froh, dass ich in Darmstadt Fuß gefasst und zumindest noch zwei Jahre hierbleiben kann. Denn ganz ehrlich: Ich kann keine Umzugskartons mehr sehen (lacht).“

Vielen Dank für das Interview, Herr Steinhöfer!

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