Tim Schreiber von Dynamo Dresden im Interview: „Das zeichnet uns aus“

Als Ex-Torwart von RB bekam er viel Gegenwind: "Beleidigungen von manchen Eltern"

Autor: Oliver Jensen Veröffentlicht: Dienstag, 27.01.26 | 14:24

© IMAGO / Eibner

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Tim Schreiber wuchs als Fan von Dynamo Dresden auf, wurde bei RB Leipzig ausgebildet, erlebte mit dem 1. FC Saarbrücken Pokal-Sensationen wie gegen Bayern München und ist nun zurück bei seinem früheren Herzensverein. Im Interview mit LIGA-ZWEI.DE spricht der 23-jährige Torwart über seine ersten Jahre im Profifußball, den Aufschwung von Dynamo Dresden und das bevorstehende Spiel gegen Arminia Bielefeld (Sonntag, 13:30 Uhr).

Herr Schreiber, Dynamo Dresden ist mit zwei Siegen in das Jahr gestartet. Worauf führen Sie das zurück?

Ich denke, wir haben uns in der Vorbereitung im Trainingslager gezielt mit Themen wie Standards beschäftigt. Da sind wir jetzt in den letzten beiden Spielen deutlich besser geworden. Wir haben uns Statistiken angeschaut, wo es in der Hinrunde nicht so gut lief, und versucht, diese Bereiche zu verbessern. Außerdem wollten wir klarer spielen – das ist uns zuletzt sehr gut gelungen. So haben wir dann auch die Spiele gewonnen.

Es gab einige Kaderveränderungen. Vier Neulinge standen direkt in der Startelf. Wie gelang die Integration so schnell?

Ich denke, bei uns ist es grundsätzlich nicht schwierig, in die Mannschaft hineinzukommen. Wir haben sehr coole Spielertypen im Team, die neuen Jungs wurden gut aufgenommen und haben sich sofort wohlgefühlt. Das sieht man auch auf dem Platz – die Chemie stimmt einfach. Umso mehr freut man sich, wenn man solche qualitativ starken Spieler dazubekommt. Die haben natürlich gleich eingeschlagen, aber das liegt auch daran, dass uns als Mannschaft vor allem der starke Teamkern auszeichnet. Das war schon in der Aufstiegssaison so. Deshalb haben neue Spieler bei uns keine Probleme, sich zu integrieren.

Sportchef Sören Gonther gilt als jemand, der sehr nah an der Mannschaft ist. Wie nehmen Sie das wahr?

Er selbst sagt eigentlich, dass er gar nicht so nah dran sein will. Natürlich sieht man ihn öfter im Trainingszentrum oder im Stadion, aber er versucht, einen gewissen Abstand zu halten, weil er meint, das sei Aufgabe des Trainers. Trotzdem ist der Austausch mit ihm da – kommunikativ ist er sehr fair und offen. In der Zeit, in der ich ihn bisher kennenlernen durfte, hat er einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen. Ich denke, auch die letzten beiden Spiele sind ein Stück weit sein Erfolg. Mit den neuen Spielern hat er gezeigt, was er dem Verein geben kann.

Am Sonntag treffen Sie auf Arminia Bielefeld. Sie haben gute Erinnerungen an dieses Duell, denn in der Hinrunde haben Sie gegen Bielefeld gewonnen. Mit welchem Gefühl gehen Sie in diese Partie?

Nach den letzten beiden Spielen müssen wir mit Mut in die Partie gehen. Wir haben extrem viel Rückenwind. Trotzdem ist Bielefeld kein leichter Gegner, auch wenn die letzten Partien für uns gesprochen haben. Es ist immer etwas eklig, gegen Bielefeld zu spielen. Ich erinnere mich gut an das Rückspiel in der letzten Saison, als wir in der letzten Minute den vorzeitigen Aufstieg verpasst haben. Sie haben eine qualitativ sehr starke Mannschaft und mit Michel Kniat einen ambitionierten Trainer, der es jedem Gegner schwer macht. Aber wir sollten mit breiter Brust ins Spiel gehen – so wie wir es zuletzt gemacht haben, können wir das auf jeden Fall bestätigen.

Sie sind in der Region aufgewachsen und gelten als Dynamo-Fan seit Kindertagen. War es immer Ihr Traum, für Dresden zu spielen?

Ja, auf jeden Fall. Dynamo war mein Kindheitsverein, das wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Es war immer mein Traum, irgendwann im Rudolf-Harbig-Stadion zu spielen. Die Wege haben sich dann als Kind etwas getrennt – über Leipzig und andere Stationen bin ich Profi geworden. Umso schöner ist es jetzt, diesen Traum zu leben, hier bei meiner Familie und in meiner Heimat zu sein. Ich genieße das sehr und ziehe daraus Kraft. Besser geht’s im Moment nicht.

Gab es in Ihrer Jugend schon eine Verbindung zu Dynamo, bevor Sie zu RB Leipzig gingen?

Ja, ich war tatsächlich im Nachwuchs bei Dynamo – ich glaube, von der U8 bis zur U11. Davor war ich beim Hainsberger SV, danach ein Jahr bei SC Borea Dresden. Anschließend bin ich auf das Internat von RB Leipzig gewechselt. Dass ich schon in der Jugend bei Dynamo war, steht allerdings nirgendwo.

Warum haben Sie Dynamo damals so früh verlassen?

Es gab verschiedene Gründe. Ich würde sagen, ich war eigentlich ein Leistungsträger, aber es gab damals Schwierigkeiten mit einem Trainer, der inzwischen nicht mehr im Verein ist. Er wollte nicht, dass ich übernommen werde, und so bin ich dann zu Borea gegangen. Umso schöner war es, dass ich ein halbes Jahr später von RB Leipzig gesichtet wurde – da ging mein Weg dann weiter.

Wie war es für Sie, als Sie zu den Profis von RB gelangten und mit Torhütern wie Peter Gulácsi trainierten?

Ich war 16, als ich mein erstes Torwarttraining bei den Profis machen durfte. Unter Ralf Rangnick habe ich dann meinen Profivertrag unterschrieben, das war natürlich eine wilde Zeit. Wenn man als 16-Jähriger mit solchen Persönlichkeiten zusammensitzt, wirkt das anfangs unwirklich. Aber es hat mir viel Kraft und Schwung für meine Entwicklung gegeben. Ich konnte mich mit den Besten messen und wurde extrem gefordert – auch mental. Zu Peter Gulácsi habe ich bis heute ein gutes Verhältnis. Ich habe ihn im Sommer im Urlaub getroffen, wir konnten uns gut austauschen. Auf diese Zeit blicke ich sehr positiv zurück.

Sie haben aufgrund Ihrer Vergangenheit bei RB Leipzig teilweise auch Gegenwind erlebt, zum Beispiel beim Halleschen FC. Wie sind Sie als junger Torwart damit umgegangen?

Das fing eigentlich schon in der Jugend bei Leipzig an, bei Hallenturnieren wurde man auch mal beleidigt – teilweise von Eltern. Das war nicht schön, aber man gewöhnt sich daran. Ich will nicht sagen, dass es gut ist, aber es hat mich geprägt. Ich habe dadurch gelernt, mit Gegenwind umzugehen. Als Profi ist das auch nicht anders, man muss einen Umgang damit finden. Diese Erfahrungen haben mir geholfen, eine gewisse Mauer aufzubauen, was im Profialltag sehr nützlich ist.

Nach ihrem Wechsel nach Saarbrücken hatten Sie mit den Pokal-Sensationen, unter anderem gegen Bayern München, für viel Furore gesorgt. Welche Bedeutung hat dieses Erlebnis rückblickend für Sie?

Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Es ist schön, zurückzublicken und damit in Verbindung gebracht zu werden. Ich habe viele Freunde aus dieser Zeit, mit denen ich noch in Kontakt stehe. Es bleibt etwas, das mir keiner nehmen kann und das in der Region unvergessen bleibt. Aber für mich ist es Vergangenheit. Die Handschuhe vom Bayern-Spiel sind im Deutschen Fußballmuseum – das ist schön, aber was zählt, ist das Hier und Jetzt.

Wie kam es dazu, dass Ihre Handschuhe im Museum gelandet sind?

Die wurden mir nach dem Spiel einfach abgenommen. Später hat das Sportstudio bekannt gegeben, dass sie in die Ausstellung aufgenommen wurden – allerdings nicht in der Dauerausstellung, soweit ich weiß.